Heinz-Dieter Breus Expertise: Größere Verkaufsflächen bringen es nicht

Geschäfte sollen sich mehr der Online-Welt öffnen

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Heinz-Dieter Breu umgeben von uralter und hochmoderner Kommunikationstechnik.

Achim - „Quo vadis Innenstadt Achim?“, hat der Achimer Heinz-Dieter Breu von der „Initiative Achimer Bürger für mehr Demokratie und Bürgermeinung“ seine 19-seitige Expertise genannt, die schon schön länger existiert, auf die von den Verantwortlichen in Achim bisher keiner reagiert hat, die aber höchst lesenswert ist. Die Quintessenz: Größere Einkaufsflächen in der Innenstadt bringen nicht das Heil.

Heinz Dieter Breu unterstreicht, dass er weiß, wovon er redet. Als digitaler Dienstleister seiner Firma Comproc Computerprogramme am Schmiedeberg hat er als Kunden Industriebetriebe, Arztpraxen, medizinische Zentren, Generalbauunternehmen, Planer, Textilketten, Telefon-, Computer- und Handyläden sowie Betreiber von Einkaufszentren und Investoren in Gewerbegebieten. „Ein Teil dieser Kunden hat den Sitz in Innenstadtlagen. Fast alle diese Geschäfte haben seit Jahren eins gemeinsam: Sie vereinsamen in der Innenstadt. Wer diese Geschäfte besucht, sieht die gleiche charakterlose Gleichmacherei von Investoren, die Einkaufscenter errichtet haben, die oft nur zum Teil belegt sind.“

Breu zeigt den historischen Wandel auf vom Tante-Emma-Laden über das Kaufhaus mit allem unter einem Dach, den Versand- und Kataloghandel, Supermarkt und Discounter bis zu den Einkaufszentren und dem Internethandel. Der kleine Einzelhändler und Fachmarkthandel bleiben auf der Strecke.

„Es wird letzten Endes mit den Füßen oder mit der Mouse abgestimmt“, schreibt der Selbständige. Der Onlinehandel wird zum Ladenkiller. In den Innenstädten machen sich Leerstände und allenfalls die „üblichen Verdächtigen“ sowie Ramschläden breit.

Die Chance des Einzelhandels sieht Breu in einer Verschmelzung der bisher getrennten Welten des stationären Geschäfts und der Online-Shops zu so genanten Interactive Stores, die die verschiedenen Verkaufskanäle nutzten. Getrieben werde diese Entwicklung durch die rasante Verbreitung und Nutzung von Smartphones, Tablett-PC, die Verschmelzung der Online- und Offline-Welten sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld. Der Verbraucher verlange immer mehr Komfort, Zeitersparnis, Flexibilität, individuelle Beratung, auf ihn persönlich zugeschnittene Angebote. Dies zu erfüllen und nicht auf immer größere Ladenflächen und damit weniger Rendite in Fußgängerzonen zu setzen, sei der Weg.

Achims Besonderheit sei die enge Verbindung mit Bremen. Die Auspendler nach Bremen kauften eher dort, wo sie autogerechte Verkaufsflächen vorfänden, die Achim allenfalls in Gewerbe- und Industriegebieten bieten könne. Aus den umliegenden Dörfern müsse man nicht für Lebensmittel, Jeans, Schuhe oder Elektronik nach Achim kommen. Fazit: „Diese Einkäufe gehen am Achimer Handel vorbei, egal wie viel Verkaufsflächen Achim bietet.“

Wenn zudem ein Kunde ein Erlebnis beim Einkauf suche, dann sei er in Achim am falschen Ort. „Warum bummeln nicht mehr Menschen durch die Obernstraße auch über den Kreisel hinaus, die Herbergstraße oder am Schmiedeberg? Wo ist das Angebot für die nachfolgende Generation, die Jugendlichen? Das kann mit dem Internet wenig zu tun haben“, sagt der Verfasser, der in Achim also das Erlebnis, eine grüne Lunge mit Bäumen und Grün, den Schutz erhaltenswerter Bauten wie des Bibliotheksgebäudes sowie Angebote für Junge und Alte vermisst. Die Stadt veröde und sehe bald wie jede andere aus. Eine Betonierung der Innenstadt durch einen „Einkaufsklotz“ etwa auf dem Baumplatz lehnt Breu entschieden ab.

Anders verhält es sich für ihn mit einem Einkaufszentrum auf der Lieken-Brache. In ihm sieht er keine Gefährdung der schon weitgehend ausgestorbenen Fußgängerzone, sondern aufgrund neuer Angebote eine Bereicherung der Innenstadt. Wenn dann noch Angebote wie Tanzschule, Fitnessstudio oder Disco für die jungen Leute in der Region dazukämen, könne das das Weserstädtchen durchaus beleben, stellt er im Gespräch mit dem Achimer Kreisblatt fest.

Zur Zeit erhalte man im Internet zu den Stichwörtern ,Shopping in Achim‘ nur fünf, ,Einkaufscenter‘ nur drei und zum Stichwort ,Einkaufserlebnis in Achim‘ gar keinen Treffer, ist Breus traurige Bilanz.

mb

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