Heimische und fremde Bäume, Totholz und Naturwald auf riesigen Öltanks

Neues Konzept der Stadt für eine bessere Waldpflege

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Der Achimer Stadtwald ist im dicht besiedelten und waldarmen Achim auch eine grüne Lunge. Wo rote Kreise zu sehen sind, befinden sich Reste riesiger Öltanks unter der Erde. Hier sind Naturwaldparzellen vorgesehen, damit Eingriffe in den Boden nicht die Altlasten aktivieren.

Achim - Von Manfred Brodt. Die Wut über die „Waldpflege“ im Achimer Stadtwald durch zigfaches Fällen alt-ehrwürdiger, gesunder Bäume und stümperhaftes Zurechtstutzen ist noch nicht verraucht, da legen die Umweltbeauftragte und der Umweltausschuss der Stadt ein Zukunftskonzept für die 70 Hektar Wald, Wiesen und Dünen mitten in der Stadt vor, für das frühere Öllager mit im Boden noch vorhandenen Resten riesiger Öltanks und Umweltlaltlasten sowie dem späteren Bundeswehr-Übungsgelände.

Unter anderem soll der Wald nach und nach mit heimischen Bäumen aufgeforstet werden, die hier eigentlich fremde Bäume verdrängen sollen. Auf einigen Teilflächen seien in der Vergangenheit Arten gepflanzt worden, die nicht der natürlichen Waldgesellschaft angehörten, heißt es in dem Gutachten.

Douglasien und Roteichen aus Amerika, Japanische Lärchen und in montanen Bereichen vorkommende Fichten wurden im Stadtwald gepflanzt. Sie sollen sukzessive gefällt werden. Derzeit sind die Bäume zwischen 30 und 70 Jahre alt. Die Bäume werden aber 80 bis 100 Jahre alt, so dass das ein Programm für Jahrzehnte ist.

Allerdings ist zu fragen, warum die Bäume, die hier gut gedeihen und auch den klimatischen Veränderungen standhalten, verschwinden müssen.

Der Stadtwald soll jedenfalls einen anderen Baummix erhalten. So wurden 2010 und 2014 hauptsächlich Buchen und Stieleichen gepflanzt.

Diese Bäume werden Saatbäume für künftige Generationen werden. Gleichzeitig wurde ein „invasiver Neophyt“, die Spätblühende Traubenkirsche entfernt und wird auch in den nächsten Jahren im Neuaufwuchs reduziert, um den Anteil nicht standortheimischer Baumarten kontinuierlich zu reduzieren.

„Heimische Gehölze haben ihren angestammten Platz in der Natur, den sie sich über jahrhundertelange Anpassungsprozesse erworben haben. Sie sind deshalb an das vorherrschende Klima angepasst und unempfindlich gegen kurzzeitige extreme Klimaschwankungen (zum Beispiel trockene Sommer, schneereiche Winter).

Sie sind optimal an die bestehenden Bodenverhältnisse angepasst und bieten einer großen Zahl heimischer Tierarten Lebensraum und Nahrung. Sie sind zudem typische Elemente unserer Kulturlandschaft“, heißt es in dem Konzept.

Die Sonderbiotope wie die Sandtrockenrasen und die Amphibienlaichgewässer sollen erhalten werden.

Durch die alten Bäume und das Belassen von Totholz im Wald werde vermehrt Kohlenstoff gespeichert, die biologische Vielfalt gefördert und der Klimawandel abgemildert, erfahren die Laien.

Durch seine vielfältigen Lebensraumstrukturen ist Totholz von zahlreichen

Lebensraum für viele

Tiere und Pflanzen

Tier- und Pflanzenarten besiedelt, wobei Käfer (1400 Arten) und Pilze (1500 Arten) die beiden größten Gruppen darstellen. Hunderte von anderen Insektenarten, Spinnen, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere, wie zum Beispiel Fledermäuse finden hier ebenfalls ein Zuhause.

Das sind Merksätze für jene, die den Wald ordentlich wie ein aufgeräumtes Wohnzimmer haben möchten.

Die Habitatbäume bleiben stehen, sofern sie sich nicht an Rettungswegen oder am Rand von Wohngebieten befinden. Habitatbäume sind meist alte, verwachsene, verletzte oder schon absterbende Bäume mit größeren, Stammfäulen, Pilzbefall und viel Kronentotholz, mit Natur- und Spechthöhlen, mit Horsten baumbrütender Vogelarten. Sie bieten eben schützenswerten Tierarten besonderen Lebensraum.

Auf mindestens 3000 Quadratmetern Naturwaldparzellen soll jeder menschliche Eingriff ausgeschlossen werden. Das gilt besonders für die Bereiche, wo noch Rüstungsaltlasten schlummern, zum Beispiel am Schraderberg. Nach Aussage der Gutachter ist hier nichts, auch nichts fürs Grundwasser zu befürchten, wenn der Mensch den Boden in Ruhe lässt.

In der Nachbarschaft des großen neuen Wohngebietes am Stadtwald muss allerdings ein 35 Meter breiter baumfreier Streifen als Brandschutz garantiert werden. Für das Wohngebiet werden auch diverse Großtanks mit Inhalt aufwendig und kostenträchtig von Huhs&Hundsdörfer entsorgt.

Generell gilt für die Stadt, dass es ein Wald und kein Park ist, dass er vorrangig der Erholung der Bevölkerung dient und kein Wirtschaftsfaktor ist. Dass das zuletzt nicht sichtbar war, wird von Rat und Verwaltung als Betriebsunfall gewertet, der sich nicht wiederholen soll.

mb

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