Heftige Kämpfe in Wümmeorten

Die letzten Gefechte

Nordkreis - Von Manfred Brodt. Nach heftigen Kämpfen im Raum Ottersberg/Fischerhude endete der Krieg im Landkreis Verden schon am 29. April vor 70 Jahren. Am 28. April waren Ottersberg, Otterstedt, Eckstever und Quelkhorn besetzt worden von englischen Truppen, die aus Rotenburg und Sottrum kamen. Am 29. April waren Narthauen, Benkel und Fischerhude an der Reihe. Hitlerjungen, Marinesoldaten, ältere Polizeihilfstruppen und fast schon ausgemusterte Feldsoldaten versuchten auf deutscher Seite, die Stellung zu halten.

Um Ottersberg hatte eine riesige Materialschlacht getobt. Hinter Ottersberg befand sich das Barackenlager einer Flakabschnittszentrale mit Fernsprechverbindungen zu allen Geschützen im weiten Umkreis. Wahrscheinlich haben die Briten von dieser Stellung gewusst und einen deutschen Gegenstoß erwartet. Doch der blieb aus.

Längs des Wümmedeiches hatten die Deutschen MG-Nester gegraben, während gleichzeitig ein Sprengkommando die Zerstörung der Wümmebrücken vorbereitete. Sattlermeister und Möbelhändler Hinrich von Bargen hatte beim Führer des Sprengkommandos fast erreicht, dass die Brückensprengung unterblieb, doch dann wurde der Führer ersetzt, und der Neue stellte klar: „Befehl ist Befehl. Ich will wegen dieser Brücke nicht erschossen werden wie der Major, der die Brücke bei Remagen nicht sprengte.“

Die erste Brücke aus Richtung Bassen wurde durch eine Fliegerbombe vernichtet, an mindestens einer Brücke versagte die Sprengung auch durch eine Art Sabotage eines Einheimischen, in die Wümmebrücke über den Mittelarm riss der Sprengstoff ein großes Loch. In wenigen Stunden hatten die Engländer dann später Notbrücken über die Wümme geschlagen.

Das Kreisblatt fragte 25 Jahre später in einer Beilage: „Glaubte denn der Kampfkommandant Ottersberg wie im Mittelalter in eine uneinnehmbare Wasserfestung verwandeln zu können?“

Tote und Verletzte wie im Hellweger Moor oder Brände hatte es in Fischerhude nicht gegeben, aber massive Zerstörungen an Häusern, wie Lehrerin Schulz in der Schulchronik schrieb. Aber „niemand konnte glauben, dass man in der nächsten Nacht sich wieder ruhig ins Bett legen konnte, die meisten wagten es nicht.“

In der nächsten Folge:

Das Kriegsende eine Befreiung?

Rubriklistenbild: © dpa

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