Hauptschule Achim Hünenburg-Thema

Preisgekrönt, berufsnah – mieser Trend

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Uwe Ehrhorn (links) vom gleichnamigen Vermessungsbüro begrüßte Schulleiter Lerdon in der Hünenburg und zeigte Respekt vor dem Ansehen, das die Liesel-Anspacher-Hauptschule weithin genießt.

Achim - In „Buten un Binnen“ wurde die „Achimer Schülerfirma“ (ASF) der Liesel-Anspacher-Schule gewürdigt und vom NDR in „Hallo Niedersachsen“ das Schulschiff-Projekt. Beim Nord-Preis-Wettbewerb der Industrie- und Handelskammer(IHK) erreichten die Achimer mit dem ASF-Konzept unter über 60 Schulen Platz eins – vor einem Gymnasium aus Greifswald. Dennoch kämpft die preisgekrönte Hauptschule mit stark sinkenden Schülerzahlen.

Erstmals gab es keine Schullaufbahn-Empfehlungen am Ende der vierten Klasse mehr. Nur noch 16 Mädchen und Jungen wurden so von den Eltern für die fünfte Hauptschulklasse angemeldet, während die Realschule sich über rund 100 „neue“ Kinder freute.

Diesen Negativ-Trend verschwieg Anspacher-Schulleiter Dominik Lerdon nicht im Badener Haus Hünenburg. Er sprach auf dem gut besuchten „Clubabend“ vor Vertretern kleinerer und großer Firmen, der Spitze der Achimer Verwaltung, Politikern und anderen Interessierten.

Hauptziel der Beiträge Lerdons, seiner ASF-Kollegin Tineke Prigge und Henry Ochs vom Rotary-Club war es, gerade angesichts des miesen Trends die vielfältigen Angebote und Möglichkeiten dieser Schule herauszustellen. Zugleich warb der Schulleiter um weitere Unterstützung durch Unternehmen der Region. Schon jetzt gebe es gute Vernetzungen etwa mit der Desma, dem Zeppelin-Werk und mit kleineren Handwerksfirmen.

Die Bezeichnung Hauptschule für die jetzige Liesel-Anspacher-Schule sei seit langem etwas irreführend, betonte Lerdon. Der Hauptschulabschluss sei zwar Minimalziel nach der 9. Klasse, aber es gebe ja die Chance, im zehnten Schuljahr den Realschul- oder sogar den erweiterten Realschulabschluss mit Berechtigung zum Besuch eines Fachgymnasium zu erwerben.

Die Namensgebung sei daher auch beschlossen worden, damit auf Zeugnisköpfen nicht einfach Hauptschule steht, was Personalchefs gern als Manko wahrnähmen. Sehr fatal bei Bewerbungen wirkten sich übrigens auch unentschuldigte Fehltage aus. Dann winkten Firmen oft gleich ab.

Beispiele für breite, praxisnahe Berufsorientiertheit der Anspacher-Schule gibt es reichlich. Schon die Schülerfirma ist wie ein echtes Unternehmen aufgebaut – mit Produktions-Abteilungen wie der Metallwerkstatt, mit Geschäftsführung, Verkauf, Verwaltung und mehr. Es gibt Einstellungsgespräche, und ASF-Produkte sind auch auf dem Wochenmarkt zu kaufen.

Weitere Orientierung bieten der „Zukunftstag“ in Betrieben ab dem fünften Schuljahr, Praktika in sozialen Berufen, Praxistage des achten Jahrgangs an den Berufsbildenden Schulen (BBS), sowie längere Betriebspraktika in den Jahrgängen acht bis zehn. Der Berufsberater ist regelmäßig für Acht- bis Zehntklässler im Hause, und es gibt Kooperationspartnerschaften mit Betrieben, wo Schüler dann wöchentlich vier Stunden Berufswirklichkeit erleben.

Ein Höhepunkt ist das alljährliche Projekt auf dem Schulschiff „Deutschland“ in Bremen-Vegesack. Neben Bewerbungstraining und professionellen Fotos für die dann an viele Firmen versandte Hochglanz-Bewerbungsbroschüre werden Wohnen und Zusammenarbeit sowie Verhaltensregeln geprobt. Vertreter von teils sehr bekannten Unternehmen kommen zu Besuch, stellen den Betrieb vor und schauen sich auch schon mal nach möglichen künftigen Mitarbeitern um.

„So kann Schule im Sekundar-I-Bereich also funktionieren“, fasste Dominik Lerdon zusammen. Auf Zuhörer-Nachfrage teilte er mit, dass 38 Prozent der in der jüngsten Broschüre Vorgestellten Arbeitsverträge haben. Etliche müssten vor Berufseintritt jedoch noch ein Jahr BBS absolvieren.

Axel Burmeister vom Rotary-Club berichtete, dass er unter Handwerkern, die an seinen Häusern arbeiteten, schon einstige Hauptschüler vom Schulschiff erkannt habe. So schlecht seien also die Berufschancen nach Absolvieren der Anspacher-Schule nicht.

la

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