„Haste-Töne“-Programm startet mit Irish Bastards und Bryats Band in die Konzertsaison / Musik mit Folklore- und Punk-Rock-Elementen

Akkordeon und Balalaika auf Speed

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Susanne Groll und Detlef Gödicke laden zum Konzert der Irish Bastards am Freitag, 16. Januar, ein.

Achim - Auch Musikinstrumente sind Moden unterworfen. Zum Beispiel das Akkordeon. Bedachte man es einst despektierlich mit Worten wie Schifferklavier oder Quetschkommode, ist dieses vielseitige Instrument nun im Begriff, von seinem angestaubten Ruf befreit zu werden. „Das Akkordeon kommt in Mode“, findet Susanne Groll. Und als lebenden Beweis hat die Organisatorin der „Haste-Töne“-Reihe im Achimer Kulturhaus Kasch zwei Bands nach Achim geholt für deren Musik das Akkordeon essentiell ist: Die (deutschen) Irish Bastards und die Bryats Band aus Kiew.

Die Irish Bastards, 1982 gegründet „aus Liebe und Lust, Musik wie die Pogues zu machen“, so Detlef Gödicke, der seit rund sechs Jahren Akkordeonspieler der Combo ist. Wer die Pogues nicht kennt: Die Irish Bastards spielen klassische Irish-Folk-Songs, aber „alles deubelsschnell“, so Gödicke. Ihre Art, traditionelle Musik von der grünen Insel zu einer Punk-Version aufzumotzen, bezeichnen sie daher auch als „Irish Speed Folk“.

Die Irish Bastards, das sind neben Gödicke: Ralf Lübcke (Gesang und Gitarre), Ian Mardon (Geige), Oliver Giese (Bass) und Jörg Nau (Schlagzeug und Gesang). Wenn die Musiker auf der Bühne sind, ziehen sie alle Register, betont Detlef Gödicke. „Unser Fiddler Ian Mardon spielt auch mal Tunes ganz alleine oder wir doppeln die Jigs und Reels, also spielen uns musikalisch gegenseitig die Bälle zu.“ Noch eine Besonderheit: Der Drummer sitzt vorne am Bühnenrand und sorgt zugleich für die zweite Gesangsstimme in der Gruppe.

Irland mal ausgenommen, hat sich die Band auch überregional bereits einen großen Namen erspielt. Nach vielen ausverkauften Konzerten wurden sie 2015 als Opener der Kieler Woche engagiert, wo sie vor 10000 Zuschauern spielten.

Und nachdem sie bereits 2014 ein umjubeltes Konzert im Kasch gegeben hatten, kehren sie nun zurück. Dann wird Detlef Gödicke dem Publikum übrigens auch eine Neuheit vorstellen: Ein Akkordeon nach eigenem Design, das er „Irish Explosion“ taufte, „weil es aussieht, wie eine explodierende irische Flagge“.

Denn Gödicke, der sein Instrument beim Hohner Konservatorium in Trossingen studierte, ist nicht nur Musiker. Lange Zeit betrieb er ein Instumentenfachgeschäft in Osterholz-Scharmbeck und baut mittlerweile selbst Instrumente in seiner Akkordeonwerkstatt. Und er ist offenbar einer der besten seiner Zunft, denn Größen des Showgeschäfts wie Helene Fischer oder Santiano bestellten schon bei ihm. Die Bands von Peter Maffay, Herbert Grönemeyer und Tim Bendzko stehen auch schon auf der Liste, erzählt der Künstler.

Wenn Gödicke von seinem Beruf erzählt, merkt man, dass seine Liebe zum Akkordeon wahrhaftig und mit den Jahren gewachsen ist. Und wie in jeder guten Beziehung gab es auch Tiefpunkte. Etwa die fast unhörbare moderne Akkordeon-Musik, die er während seines Studiums acht Stunden täglich spielen musste.

Dem Akkordeon im positiven Sinne eine Verjüngungskur zu unterziehen, ist auch der Bryats Band aus Kiew ein Anliegen. Bryats (gesprochen: „Brats“) heißt auf ukrainisch der Abschlag mit dem Plektron. Gödicke sah die Musiker zufällig im Bremer Varieté G.O.P., wo sie eine Artistik-Show begleiteten. Im Repertoire hatten sie dabei nicht nur ukrainische Folklore, sondern auch Songs von AC/DC und Michael Jackson. Gödicke war Feuer und Flamme. Als Autor des Fachmagazins „Tastenwelt“ lud er die Band zum Interview und erfuhr, dass sie in der Ukraine bereits Popstars sind.

Ihre Musik nennen die Musiker „Creative Fusion“. Eugene Kazantzev (Solo-Balalaika), Oleg Shaman (Bass-Balalaika), Sergei Trotsenko (Akkordeon) und Alexander Seleznev (Drums/Cajon) werden im ersten Teil ihrer Show ukrainische Volksweisen und eigene Songs in Unplugged-Version spielen, im zweiten Teil „rocken sie dann richtig ab“ – zum Beispiel mit Vivaldi in einer Heavy-Metal-Fassung. Wohlgemerkt: Alles mit Akkordeon und Elektro-Balalaikas.

Damit das Publikum diese sehr tanzbare Musik mit vollem Körpereinsatz genießen kann, wird für die beiden Auftritte am Sonnabend, 16. Januar (Irish Bastards), und Freitag, 29. Januar (Bryats Band) die Bestuhlung im Großen Saal entfernt. Doch das soll andere Zuhörer nicht abschrecken: „Wer sitzen will, für den finden wir ein Plätzchen“, verspricht Susanne Groll. Karten für beide Events gibt es im Kasch und unter www.kasch-achim.de

ldu

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