Als es noch nicht TV-Total und Internet, aber viele Gasthäuser als gesellige Treffpunkte in Achim gab

Von Harzburg und Rühe bis zu den Drei Kronen

Die Gaststätte und Herberge Walllbaum an der früheren Brunnenstraße. - Alle Repros von Stadtarchivar Günter Schnakenberg.

Achim - Pfingsten kommt nach dem christlichen Glauben der Heilige Geist über die Menschen. Die Pfingsttage sind aber auch Tage des Feierns und der Einkehr im ganz banalen Sinne. Das macht man oft auch in Gasthäusern und Wirtshäusern. Und die gab es in früheren Jahrhunderten, als man noch nicht totale TV-Berieselung und Internet hatte, viel mehr miteinander machte, viel häufiger als heute.

Davon gibt auch die Broschüre des Heimatvereins Ac im Zeugnis, die über frühere Hotels, Gasthäuser und Wirtshäuser in Achim berichtet. Das Hotel Stadt Bremen, Gieschens Hotel, den Schützenhof und das Hirtenhaus haben wir in den bisherigen Folgen dieser Serie schon gewürdigt.

Aber es gab auch die Gastwirtschaft Wallbaum an der Eckstraße/Mühlenstraße. 1869 war das Fachwerkhaus von einem Orkan zerstört, dann zweigeschossig neu erbaut und als Herberge mit Gaststätte geführt worden. Christian Walllbaum war Anbauer, Gastwirt, Holzhändler und Zigarrenarbeiter.

Auch acht Zigarrenarbeiter und vier Wickelmacherinnen arbeiteten in dem Haus. 1913 übernahm Gastwirt und Musiker Heinrich Bischoff. 1965 heißt es Freitags Gasthaus, und 1986 erwirbt die Stadt im Rahmen der Stadtsanierung das Grundstück und macht es dann für einen Parkplatz platt. Neben dem Haus stand in früheren Zeiten ein Brunnen, der der dortigen Brunnenstraße den Namen gab, die heute Hillmannstraße heißt.

In der heutigen Herbergstraße 12 lud im 19. Jahrhundert die Gastwirtschaft Hattorf Wanderburschen zu Rast und Ruhe ein. Von 1880 bis 1882 war auch der bekannte Arbeiterführer und Sozialist Leopold Lingner unter dem Agitationsverbot des Sozialistengesetztes hier Pächter. Er leitete 1874 als Präsident auch den Norddeutschen Cigarrenarbeitertag in Achim.

1868 erhielt Johann Harz eine Schankerlaubnis für seine nach ihm benannte Gaststätte Harzburg. Nach dem Zweiten Weltkrieg befand sich hier eine Volksküche für Bedürftige. Die Harzburg wurde 1999 zum Restaurant „La Toscana“ und ist seit Jahren als „Da Vito“ bekannt.

Die Anfänge des Gasthauses Rühe an der heutigen Bremer Straße liegen im Jahr 1854, als Hinrich Grashoff die Gaststätten-Konzession erhält, seine Töchter Doris und Rebecca die Gaststätte weiterführen und letztere den Bierbrauer Andreas Rühe heiratet. Er wirbt besonders auch um Fahrradtouristen. Achims Sozis treffen sich hier, und auch einer der ältesten Achimer Vereine der Gesangverein Thalia hat bis zur Auflösung der Gaststätte 1989 dort seine Bleibe gehabt.

Die Gastwirtschaft Puvogel an der Große Kirchenstraße hatte den logistischen Vorteil, dass sie direkt bei der Kirche lag. Kirchgänger kehrten hier gerne ein. Achims Gemeinderat tagte hier, und die gegenüberliegende Schule nutzte schon einmal einen Gastraum als Klassenraum..

Wo heute das Restaurant Carpaccio an Ecke Paulsbergstraße/Obernstraße einlädt, betrieb wohl schon 1773 der Wirt Claus Wilkens den Gasthof Drei Kronen. Nach umfangreicher Renovierung in der Ära der Familie Gail wurde die Gaststätte 1956 wieder eröffnet. 1972 brannte sie völlig ab. 1989 baute die Familie Greve auf dem in der Zwischenzeit städtischen Grundstück das heutige „Drei- Kronen-Haus“.

Die Liste der Lokale ist sicher unvollständig nicht nur, weil die bis zur Jahrtausendwende existierende Stadt Hannover in der Mühlenstraße, der Schweizer Meyer und der Biergarten in der Bergstraße nicht erwähnt sind.

Der geschichtliche Ritt durch die Gastwirtschaften beschränkt sich auch auf Alt-Achim ohne die heutigen Achimer Ortsteile. Natürlich gab es auch Haberkamp und Gerken in Uphusen, Pape und Cordes in Baden, und noch viel mehr in der kommunikativen und geselligen Zeit.

mb

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