Rückzug aus Politik nach 45 Jahren steht fest

Hans-Jürgen Wächter hört auf

ACHIM - „Nach reiflicher Überlegung und intensivem Abwägen des Für und Wider habe ich für mich entschieden, mit Erreichen des 70. Lebensjahres – und das ist 14 Tage vor dem Beginn der neuen Wahlperiode – nicht mehr bei einer Kommunalwahl anzutreten. Über vier Jahrzehnte kommunaler Tätigkeit, davon 44 Jahre im Stadtrat Achim, 25 Jahre im Verdener Kreistag Verden: nun ist es an der Zeit, von dieser Verantwortung loszulassen.“

Das teilte gestern für viele überraschend der aktuelle Achimer Ratsvorsitzende Hans-Jürgen Wächter (SPD) aus Uphusen per Presseerklärung mit.

Er dankt allen, „die mich in diesen fast 45 Jahren begleitet haben, die mir ihr Vertrauen geschenkt haben, die mich gewählt haben und meine Arbeit für die Stadt/Landkreis Verden konstruktiv beobachtet und auch kritisch hinterfragt haben“.

Viele Ämter hätten ihm viele neue Kenntnisse, Erfahrungen und Begegnungen ermöglicht, und er habe viele großartige Menschen getroffen, resümiert Wächter. Über Parteigrenzen hinweg seien Freundschaften entstanden.

Die Entscheidung zum Rückzug aus dem Stadtrat habe er gründlich abgewogen, und ganz aus der Öffentlichkeit werde er auch nicht verschwinden.

So sei er ehrenamtlich weiter aktiv unterwegs als Prüfer der Handelskammer Bremen und als neuer ehrenamtlicher Richter am Verwaltungsgericht. „Ich war immer ein aktiver Mensch und bleibe es“, bekräftigt der 69-Jährige. Er hoffe, viel fürs Gemeinwesen gegeben zu haben.

Rückblickend betrachtet habe er er eigentlich alles erlebt, was Kommunalpolitik reizvoll mache, einschließlich der Bürgermeisterwahlen. Hier hatte sich der SPD-Kandidat Wächter damals dem parteilosen Bewerber Uwe Kellner geschlagen geben müssen.

Das einschneidendste Erleb nis als junger Kommunlpolitiker war für den Uphuser nach eigener Einschätzung „die Gebietsreform gleich zu Beginn 1972 mit all ihren Wirren. Hier und danach hat sich politisch das meiste bewegt.“

Heute sehe er bei Fahrten durch den Landkreis Erfolge großer Anstrengungen und Investitionen, die etwa für Schulen und Kindertageseinrichtungen sowie für den Sport aufgewendet wurden. An vielen solcher Entscheidungen habe er mitwirken können.

„Ich wollte eigentlich erst aus der aktiven Politik gehen, wenn das Problem Achimer Innenstadt verträglich gelöst ist, und wenn trotz einer Reihe von Möglichkeiten die Bürgerbeteiligung weiter gediehen wäre“, betont Wächter. Er sei jetzt überzeugt, dass „wir mit dem zwar verspäteten, dennoch endlich beginnenden Leitzielprozess 2016+, mit der Erarbeitung des Stadtentwicklungskonzeptes und den Vorplanungen für den Autobahnanschluss Achim-West wichtige Weichenstellungen für die Zukunft unserer Stadt vorgenommen haben und vornehmen, bei denen es nun darauf ankommt, diese entschlossen umzusetzen“.

Stets sei es ihm auch wichtig gewesen, die entwickelten Vorschläge und Ziele der Stadt und des Landkreises den Bürgern gut zu vermitteln und einen breiten Konsens herzustellen. Darum habe er sich auch in seinen Funktionen als Landrat, stellvertretender Achimer Bürgermeister und zuletzt als Ratsvorsitzender bemüht.

„Über keinen Stadtratskollegen verliere ich ein böses Wort. Ich habe – so denke ich – zu allen ein gutes Verhältnis, quer durch alle Parteien hinweg“, hebt der aus der Politik Scheidende hervor. Ein fairer Umgang miteinander sei ihm immer wichtig gewesen.

Dennoch habe er natürlich große politische Auseinandersetzungen erlebt und zum Glück auch erfahren, dass große politische Veränderungen möglich seien, „wenn die Menschen das wollen“.. Unverzichtbar sei ihm daher die Nähe zu den Menschen.

Nicht-Aufgeben, wieder aufzustehen, weiterzumachenhabe er während seiner Jahrzehnte in der Politik ebenso gelernt wie die Wichtigkeit, für eine Sache auch einzustehen. Das führe zu Glaubwürdigkeit und schaffe Vertrauen.

„Ich kann guten Gewissens im Stadtrat aufhören“, beschließt Hans-Jürgen Wächter seine öffentliche Erklärung.

Rubriklistenbild: © dpa

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