Haltlose Behauptungen des AfD-Kreisvorsitzenden Wappler gegen Flüchtlinge und Staat

„Will demnächst genauer recherchieren“

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Uwe Wappler.

Oyten - Von Manfred Brodt. Der AfD-Vorsitzende in den Landkreisen Verden und Osterholz, Uwe Wappler, ist zu zweifelhafter bundesweiter Berühmtheit gelangt.

Während einer Veranstaltung seiner Partei in Schwanewede, wo sich ein zentrales Aufnahmelager für Asylsuchende befindet, hatte er behauptet, Flüchtlinge hätten im Bereich Unterweser ein zwölfjähriges Mädchen vergewaltigt, Polizei und Justiz hätten das nicht verfolgt. Wappler hatte dann nachgelegt, wenn Polizei, Staatsanwaltschaft und Richter nicht ihren Pflichten nachkämen „und wenn niemand in diesem verdammten Laden seine Aufgabe erfüllt, dann werden wir das machen.“ Das Publikum jubelte.

Kurz danach fühlte ein Reporter des ARD-Politmagazins „Panorama“ Wappler auf den Zahn. Der wiederholte seinen Vergewaltigungsvorwurf und schimpfte: „Wenn so etwas passiert und man greift aus Political correctness nicht ein und macht die Täter nicht dingfest, dann ist das Anarchie.“ Der Panorama-Reporter hakte nach, wann, wo, wer, wen an der Unterweser vergewaltigt habe. Wappler gerät ins Schwimmen, räumt ein, dass der Journalist einen guten Job mache. Er, Wappler, habe das jetzt nicht exakt präsent, er wolle das nachliefern.

Vor der Ausstrahlung des Panorama-Beitrags habe er dann der Redaktion mitgeteilt, seine Darstellung sei nicht korrekt gewesen, er habe die Geschichte mit einem anderen Fall verwechselt, sagt uns Wappler. Er bedauerte und entschuldigte sich für seinen Fehler und bat nach seinen Angaben, diesen Beitrag aus dem Programm zu nehmen.

Bei dem anderen, damit verwechselten Fall handelte es sich, wie Wappler uns erläutert, um die mutmaßliche Vergewaltigung eines zwölfjährigen afrikanischen Flüchtlingskindes durch einen 45-jährigen Flüchtling aus Pakistan Anfang Oktober in einem Flüchtlingsheim in Otterndorf bei Cuxhaven. Über dieses schreckliche Ereignis hatte die von AfD-Anhängern so genannte Lügenpresse berichtet in Form der Bild-Zeitung. Bild hatte aber auch erwähnt, dass der Tatverdächtige festgenommen worden sei und wegen dringenden Tatverdachts in Stade im Gefängnis sitze. Der Staatsanwalt habe Haftbefehl beantragt.

Der Vorfall belegt eigentlich nur, dass nicht nur Deutsche, sondern auch Ausländer Straftaten begehen. Dass Polizei und Justiz diese nicht verfolgten, belegt er gerade nicht.

Der AfD-Kreisvorsitzende bleibt dennoch bei seinem Generalverdacht, weil ja über vieles nicht öffentlich geredet werden dürfe, und nennt uns als Beispiel nur eine Polizeimeldung aus Herford, die mit Zurückhaltung über den sexuellen Übergriff eines Flüchtlings auf eine Betreuerin informiert.

Hat der AfD-Kreisvorsitzende aus seinen Verleumdungen von Personen- und Berufsgruppen, die in bundesweiten Magazinen und sozialen Netzwerken ein großes Echo finden, etwas gelernt?

Ja, er will zukünftig vor solchen öffentlichen Behauptungen „die Fakten genau recherchieren und verantwortungsbewusst damit umgehen.“

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