Haft als Berufsrisiko einkalkuliert

Wohnungseinbrüche: Präventionsrat Achim gibt Einblicke in Studie

Referentin Dr. Nadine Juschkat.

Achim - Geld, Gold oder Schmuck – nicht nur Banken, sondern auch Einbrecher setzen offenbar auf sichere Werte. Laptops oder Elektronik hingegen werden von den professionalisierten Tätertypen verschmäht, denn die Geräte lassen sich oft zurückverfolgen.

Zudem haben Goldring oder Halskette noch den kleinen Nebeneffekt, dass Mutter oder Schwiegermutter sich an dem Raubgut erst bedienen können – bevor der Rest eingeschmolzen und bei eingeweihten Anlaufstellen (An- und Verkauf oder Juweliere) im In- oder Ausland verkauft wird. Dies ist tatsächlich wissenschaftlich belegt: Auf Einladung des Präventionsrats Achim stellte Kulturwissenschaftlerin Dr. Nadine Juschkat die Ergebnisse ihrer Studie beim Krimininologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) vor. Die Arbeit von 2017 („Reisende und zugereiste Täter des Wohnungseinbruchs“) basiert auf Interviews mit verurteilten Straftätern.

186 Hauseinbrüche passierten 2016 in Achim, „und damit fast jeden zweiten Tag ein Einbruch“, berichtete der Achimer Polizeichef Thorsten Strier einleitend. Aber wer sind diese Täter? Reisen sie nur kurzzeitig ein? Wie gehen sie vor? Und welche Vorkehrungen kann jeder treffen? Die Forscher des KFN führten 30 Interviews mit Tätern aus 15 Nationen (darunter Albanien, Bosnien, Bulgarien, Deutschland etc.), die meist mehrjährige Haftstrafen verbüßten. Um eine Vertrauensbasis zu schaffen, führten muttersprachliche Interviewer die Gespräche.

Drei Muster bei der Vorgehensweise

Ein Teil der Täter seien nicht Reisende, sondern Zugereiste, die auf der Suche nach einem „besseren Leben“ nach Deutschland kämen, jedoch dann in das Einbrecher-Milieu abglitten, so Juschkat. In ihrer Tätertypologie lässt sich dieser in Kategorie 1 einordnen: Menschen, die einen Einbruch aus der Not heraus begehen, oft Arbeitsmigranten oder Asylsuchende. „...wenn man hat, geht man nicht stehlen“, lautete ein Zitat dieser meist ängstlichen Tätergruppe. Tätertyp 2 lebt im Herkunftsland möglicherweise in einer prekären Situation, bricht aber hauptsächlich in Häuser ein, um sich einen besseren Lebensstil leisten zu können („...ist ganz normal wie einkaufen gehen“) – und will nicht in Deutschland bleiben. Typ 3 agiert aus Familienclans heraus, sieht Einbruch als Beruf und Haft als Berufsrisiko.

Bei der Vorgehensweise der Täter ließen sich drei Muster erkennen: die günstige Gelegenheit, die lukrative Beute sowie Auftragseinbrüche und Tipps. Während im ersten Fall die Opfer fast zufällig ausgewählt würden, werde für die zweite Form der Tatbegehung ein erhöhter Aufwand betrieben. So nahm ein Täter einen 40-minütigen Türaufbruch in Kauf („das pure Adrenalin“) – um nach fünfminütiger Suche 20. 000 Euro zu erbeuten. Wer auf „Stufe 3“ operiere, betreibe gezielte Objektwahl: „Bei einem Tipp liegt die Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden bei 0“, zitiert Juschkat. Die sei übrigens bei Einbrüchen generell gering: Bundesweit sei die Aufklärungsquote bei 17 Prozent, während die Verurteilungsquote mit 3 Prozent noch weitaus darunter liege.

Vortäuschen von Anwesenheit schreckt ab

Doch was wirkt gegen Täter, die teilweise mit einer solchen Skrupellosigkeit agieren? Der „aufmerksame Nachbar“ oder das Vortäuschen von Anwesenheit schrecke die meisten Tätertypen ab, erklärt Juschkat. Auch die mechanische Prävention, also Tür- und Rollladensicherungen, funktionierten relativ gut. Kameras oder Alarm hingegen schüchterten erfahrenere Täter nicht ein. Denn sie verfügten über Kniffe und Tricks, etwa wie sie mit einem Handgriff „die Kamera in die Sterne gucken lassen“, oder seien im Zweifelsfall schneller als der Alarm. So zitierte Juschkat einen „Spezialisten“, der Haustüren binnen Sekunden und in Serie öffnete, nur um die Autoschlüssel im Eingangsbereich einzusammeln. 

ldu

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