Stadt ohne Rezept gegen derzeitige Mangellage

Händeringende Suche – aber Erzieherinnen nicht zu finden

Achim - „Wir haben wirklich alles versucht, aber wir bekommen im Moment einfach keine neuen Erzieherinnen“. Bürgermeister Rainer Ditzfeld zeigte sich ziemlich ratlos auf der Sozialausschusssitzung.

Zahlreiche Eltern waren erschienen, um sich über die gegenwärtige Mangellage im Kita-Bereich mit Kürzungen von Gruppenstunden zu beschweren. Uphuser Mütter und Väter hatten zur Thematik schon einen offenen Brief an die Stadtverwaltung geschickt.

Mindestens 22 neue Fachkräfte

Ditzfeld machte deutlich, dass nicht nur Achim mit den personellen Engpässen zu kämpfen habe. So habe er auf einer Tagung des Niedersächsischen Städtetags von einer Kommune erfahren, die gerade einen tollen Kindergarten für fünf Gruppen bauen ließ, aber nur für zwei Gruppen Erzieherinnen hat. Achim benötige zum nächsten Kiga-Jahr mindestens 22 neue Fachkräfte.

Erschwerend komme derzeit die Grippewelle hinzu. Sie trifft im Übrigen nicht nur Kita-, sondern auch Rathauspersonal. Sowohl Wiltrud Ysker als Leiterin des Bereichs Bildung, Soziales und Kultur als auch Stadtkämmerer Peter Hollwedel fehlten krankheitsbedingt auf der gemeinsamen Sitzung des Sozial- und Finanzausschusses.

Die jetzt beschäftigen insgesamt 133 Erzieherinnen und Erzieher in Achim müssten oft „mehr als 100 Prozent leisten“, machte Ditzfeld deutlich und dankte allen dafür.

Stadt reize Grenzen bereits aus

Junge Eltern im Publikum sahen das Vorgehen der Stadt beim Bemühen um zusätzliche Kräfte kritisch. Die Achimer Ausschreibungen im Netz seien im Vergleich zu anderen Gemeinden nicht ansprechend genug gestaltet, fand eine Mutter. Auch die Kita-Auftritte im Internet seien „verbesserungsfähig“. Außerdem müsse die Stadt bei der Personalsuche mehr in den von Jüngeren vor allem konsultierten sozialen Netzwerken unterwegs sein.

Der Bürgermeister hielt dagegen, dass Achim als einzige Stadt im Landkreis 421.000 Euro im Nachtragshaushalt für besondere Fortbildungs- und andere Angebote im Erzieherinnenbereich bereitgestellt habe. Mehr Gehalt als andere zu bieten, sei rechtlich im öffentlichen Dienst nicht möglich. Die Stadt Achim reize aber auf jeden Fall „die Grenzen des rechtlich möglichen Bezahlens aus“.

Kindergarten-Fachberaterin Gudrun Schütte schlug vor, im August „besonders in die Offensive zu gehen“, wenn an Fachschulen die Ausbildungen abgeschlossen werden. Auf allen Berufsbörsen innerhalb des Landkreises „sind wir sowieso aktiv“, berichtete Bernd Kettenburg, der stellvertretende Achimer Verwaltungschef.

Aspiranten kommen gar nicht oder sagen ab

Grundsätzlich aber sei es derzeit im Erzieherbereich so, dass sich Aspiranten selbst unter vielen Angeboten ihre Stelle aussuchen. Es komme durchaus vor, dass zu vereinbarten Bewerbungsgesprächen jemand gar nicht erst komme oder kurzfristig wegen einer anderen interessanten Offerte absage.

Silke Thomas von den Grünen betonte noch, dass es in jedem Fall um die Einstellung von qualifiziertem Personal gehe.

Quereinsteiger oder auch Hilfskräfte ersatzweise für fehlende Erzieherinnen zu beschäftigen – wie ebenfalls von Eltern angeregt – sei rechtlich nicht möglich.

la

Rubriklistenbild: © picture alliance / Monika Skolim

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