Dr. Perrey fordert hohe Standards für Personal / Kreisrätin: Haben Konzept

„Gute Ärzte für Impfzentrum nötig“

Arbeitsmediziner Rolf Perrey hat seine Mitarbeit in einem Corona-Impfzentrum angeboten.
+
Arbeitsmediziner Rolf Perrey hat seine Mitarbeit in einem Corona-Impfzentrum angeboten.

Achim/Verden – „Ich will bei den Corona-Impfungen gerne mithelfen“, sagt Dr. Rolf Perrey. Der Arbeitsmediziner aus Achim hat der Verdener Bezirksstelle der Ärztekammer Niedersachsen angeboten, im Umkreis von 50 Kilometern in einem Impfzentrum zu arbeiten. Perrey (72), der im öffentlichen Dienst tätig war und Werftarbeiter gesundheitlich betreute, sieht allerdings auch noch Mängel bei dem Vorhaben, das den Alltag der Menschen schon bald wieder erleichtern soll. „Die Organisation der Impfzentren ist nicht ausgereift“, behauptet der Arzt. Die Großaktion, die für die Bevölkerung von Ottersberg bis Dörverden auf dem Gelände der Kreisverwaltung in Verden ansteht, sollte aber für alle Beteiligten unter „optimalen Bedingungen“ ablaufen.

„Für jeden Arbeitsplatz muss eine Gefährdungsanalyse erstellt werden“, fordert Perrey. Egal, ob es sich dabei um einen impfenden Arzt oder um Personal bei der Aufnahme oder bei der „Endbetreuung“ des Patienten handele. Es bedürfe einer arbeitsmedizinischen Beurteilung der Aspiranten für die verschiedenen Aufgaben. Unter anderem gelte es, folgende Fragen abzuklären: „Hat jemand eine ansteckende Krankheit? Ist die Person drogensüchtig?“ Denn die Tätigkeit in einem Impfzentrum erfordere eine „hohe Verantwortung“, dort sollten seiner Meinung nach nur Bewerber angestellt werden, die dafür gesundheitlich und charakterlich geeignet seien. Er kenne einige Berufskollegen mit einem Drogenproblem. „Ärzte im Krankenhaus kommen relativ leicht an Stoff, da auf der Intensivstation schwerkranke Patienten mit Morphium behandelt werden“, erläutert Perrey.

Und spricht den nächsten Kritikpunkt an. „Es ist mir ein Rätsel, warum an Samstagen und Sonntagen überhaupt nicht geimpft werden soll.“ Durch eine Hinzunahme der Wochenenden wäre nicht nur der Corona-Schutz für die Bevölkerung schneller zu erreichen, „dann könnten auch Ärzte, die unter der Woche in ihrer Praxis gebunden sind, mitmachen“, sagt Rolf Perrey. Denn es komme auf gute, erfahrene Kräfte an, die zum Beispiel auch bei einer allergischen Reaktion eines Patienten schnell und sicher reagierten. „Am besten wäre es, wenn ein Team im Impfzentrum mindestens aus einem Notfallmediziner bestehen würde.“ Unter diesen Umständen, aber auch nur dann, hält Perrey auch das Mitwirken von Augen- oder Zahnärzten, „die überhaupt keine Erfahrung mit internistischen Situationen haben“, für vertretbar.

Darüber hinaus kann es der 72-Jährige „überhaupt nicht verstehen, dass die Bewohner von Altenheimen zuerst geimpft werden sollen“. Sinnvoller wäre es aus seiner Sicht, wenn zunächst die Pflegekräfte an die Reihe kämen. „Das Personal hat doch meist viele Kontakte nach draußen und stellt damit ein hohes Ansteckungsrisiko für die alten Leute dar.“ Perrey schlägt vor, als erstes sämtliche Ärzte, Krankenschwestern, Pfleger, Polizisten, Feuerwehrleute sowie Hochrisikopatienten wie Diabetiker, Übergewichtige oder Lungenkranke zu impfen. Anschließend sollten den übrigen Bevölkerungsgruppen wirksame Spritzen gegen Covid-19 verabreicht werden.

Aber ist der in Windeseile entwickelte Impfstoff überhaupt sicher? Eine Frage, die viele Menschen bewegt. „Was ich über Impfstoffe weiß, ist er genial sicher“, antwortet der Arzt aus Achim. Klar, die Substanz werde nicht für alle gleich gut verträglich sein, räumt er auf Nachfrage ein. Was genau könnte sich denn für Patienten als möglicher „Juckepunkt“ erweisen? „Ein Impfstoff enthält immer Fremdeiweiß, darauf könnten Allergiker reagieren“, erläutert Rolf Perrey. Auf solche Fälle wäre das medizinische Personal vor Ort jedoch vorbereitet, zeigt er sich überzeugt. „Selbst ein allergischer Schock könnte durch vorhandene Medikamente wie Cortison und Antihistamine bekämpft werden.“

Aber sind die Verantwortlichen für die Riesenherausforderung wirklich gewappnet? „Wir bereiten alles gut vor“, versichert Erste Kreisrätin Regina Tryta auf Nachfrage. Trotz der Eile der Aktion wegen der hohen Infektionszahlen werde der Betrieb organisiert ablaufen. „Wir haben für alles Verfahren.“

Dazu zähle auch die sorgsame Akquise des Personals für das Impfzentrum. „Es werden Vorstellungsgespräche geführt, mit ärztlicher Expertise“, sagt Tryta. Kandidaten, die fachlich und charakterlich nicht den Ansprüchen genügten, würden ausgesiebt. Die Arbeit im Zentrum solle schließlich professionell erfolgen, Schluderei keine Chance haben. „Die ausgewählten Ärzte und übrigen Kräfte werden unter ärztlicher Leitung tätig.“

Und auch den Arbeitsschutz bei den Massenimpfungen sieht die Vertreterin von Verwaltungschef Peter Bohlmann als gewährleistet an. „Das Land Niedersachsen hat dem Landkreis ein umfangreiches Konzept an die Hand gegeben.“ Dieses reiche von der Aufnahme des Patienten über die Anamnese, also die Erfassung der Krankengeschichte, und die Verabreichung des Stoffs bis hin zur Nachbetreuung.

Die Öffnungszeiten der Impfzentren habe das Land noch nicht festgelegt, informiert Tryta weiter. „Der Samstag ist aber mit angedacht.“ Das hänge auch von der Menge des zur Verfügung stehenden Impfstoffs ab und ob es für die jeweiligen Bürgerinnen und Bürger zeitlich passe.

Wer den Pieks zuerst und wer ihn erst später erhält, darauf habe der Landkreis keinen Einfluss, betont Regina Tryta. „Das wird vom Land bestimmt.“

Von Michael Mix

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Sind digitale Wohnungsbesichtigungen im Kommen?

Sind digitale Wohnungsbesichtigungen im Kommen?

Kremlgegner Nawalny in Moskau festgenommen

Kremlgegner Nawalny in Moskau festgenommen

Biathlon in Oberhof: Die Bilder zu den Weltcups in Deutschland

Biathlon in Oberhof: Die Bilder zu den Weltcups in Deutschland

Laschet zum neuen CDU-Vorsitzenden gewählt

Laschet zum neuen CDU-Vorsitzenden gewählt

Meistgelesene Artikel

In Verden fallen Schüsse: Polizei sucht nach Tätern

In Verden fallen Schüsse: Polizei sucht nach Tätern

In Verden fallen Schüsse: Polizei sucht nach Tätern
Nervenprobe erfolgreich beendet

Nervenprobe erfolgreich beendet

Nervenprobe erfolgreich beendet
Stets freundlich, zuvorkommend und hilfsbereit

Stets freundlich, zuvorkommend und hilfsbereit

Stets freundlich, zuvorkommend und hilfsbereit
Drei Generationen unter einem Dachfirst

Drei Generationen unter einem Dachfirst

Drei Generationen unter einem Dachfirst

Kommentare