Gutachter: Wurzeln durch Bauarbeiten zerstört

Müssen drei alte Eichen am Prachthaus gefällt werden?

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Der von alten Bäumen umgebene Bau auf dem Weserhang mit hier verdeckter großer Tiefgarage.

Baden - Von Manfred Brodt. Am und auf dem Weserhang in Baden entsteht seit geraumer Zeit ein Prachtbau, der als Einfamilienwohnhaus mit Tiefgarage deklariert ist. Bewundernde und neidische Blicke werden oft auf ihn geworfen, doch nun auch entsetzte. Denn nach Einschätzung eines Gutachters ist massiv gegen den Baumschutz verstoßen, das Wurzelwerk von vier etwa 100-jährigen Eichen durch die Bauarbeiten beschädigt worden, so dass sie bald gefällt werden müssten.

Joachim Schweers vom Naturschutzbund und der Fraktion der Grünen hatte deshalb bei dem vereidigten Sachverständigen für Baumpflege und Verkehrssicherheit von Bäumen Dipl.-Ing. Andreas Block-Daniel aus Bremen dazu ein Gutachten bestellt. Das kommt zu dem Schluss, dass von den vier alten, ortsbildprägenden Eichen aufgrund der Bauarbeiten drei sofort und eine auf mittlere Sicht zu fällen seien. Bis auf die eine seien alle Eichen vorher vital gewesen.

Laut Gutachter „ist zumindest bei den Eichen 2,3 und 4 durch den Einbau der Spundwände massiv in den Wurzelbereich eingegriffen worden. Die hier vorhandenen Wurzeln aller Stärken von Fein- bis Starkwurzeln wurden durch die Spundwände geschädigt. Eine fachgerechte Versorgung dieser geschädigten Wurzeln ist hier nicht möglich. Die abgetrennten und mit hoher Sicherheit längs aufgerissenen, statisch relevanten Grob- und Starkwurzeln werden einfaulen und die Fäulnis in den Wurzelstock tragen.“ Bei einer Eiche sei durch das Befahren mit Baustellengeräten der oberflächennahe Fein- und Schwachwurzelbereich zu circa 45 Prozent zerstört worden.

Der bei solch alten Bäumen bei Bauarbeiten einzuhaltende Mindestabstand von 2,5 Metern sei bei drei Bäumen nicht beachtet worden. Der Gutachter kommt zur alarmierenden Wertung, „dass die Standsicherheit aufgrund der massiven Eingriffe in die Wurzelbereiche durch die Abgrabungen/Wurzelkappungen sowie durch die Öffnung der Bodentextur in Hanglage nicht mehr gegeben ist.“ Und das in Straßennähe und Häusern in der Nachbarschaft.

„Diese drei Eichen sind umgehend zu fällen“, fordert er. Die vierte Eiche werde mittelfristig gefährdet sein und den Verkehr an der Straße gefährden können.

Der Bauleiter für das Topp-Haus mit Tiefgarage eines Bremers, entgegnet auf Nachfrage von uns, alles sei ordnungsgemäß abgelaufen, keine tiefen Wurzeln zerstört und kein Baum gefährdet worden. Die Eichen hätten zuletzt ihr Blattgrün getragen und würden es auch in kommenden Jahren tun. Die Aussagen des Gutachters, der alles nur von der Straße aus beurteilt habe, hält er für „blanken Unfug“.

Achims Bau-Fachbereichsleiter Steffen Zorn, auch für Baumschutz auf privaten Grundstücken zuständig, verweist darauf, dass es hier um die Einhaltung der vom Kreis ausgesprochenen Baugenehmigung gehe. Klar sei, dass die vier Bäume nach dem Bebauungsplan und der Baugenehmigung zu schützen seien. Dem sei auch durch verschiedene Maßnahmen Rechnung getragen worden. Verstöße gegen den Baumschutz hat die Stadt bis zur jüngsten Vergangenheit noch nicht festgestellt. Das Gutachten ist für Zorn völlig neu, und er will es nicht bewerten, weil nicht auszuschließen sei, dass es auch eine fachliche Gegenmeinung gebe.

Neu ist nach seinen Worten das Gutachten auch für den stellvertretenden Fachbereichsleiter beim Kreis Rolf Thies. Er hat es erst gestern auf den Tisch bekommen. Der Kreis hat in den letzten Monaten die Baustelle und die Einhaltung der Baugenehmigung nicht kontrolliert, weil es keinen begründeten Verdacht auf Verstöße gegeben habe. Das wird er erst nächste Woche tun und dann entscheiden.

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