Einzigartige, norddeutsche Landschaftsimpressionen

Künstler Günter Klein weiß: „Die Perspektive muss stimmen“

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„Drei-Farben-Bilder“ kennzeichnen jüngere Arbeiten. Darin baut der Künstler ein Werk mit nur drei zentralen Farben auf.

Baden - Von Ingo Schmidt. Ein beschaulicher Fischereihafen, Wanderer im Watt, Reetdachhäuser im Dünenfeld – im Mittelpunkt der Malerei von Günter Klein stehen impressionistische Darstellungen norddeutscher Landschaften. Seine Bilder in Öl zeigen dabei nicht immer alles, aber erfassen in ihrer Leichtigkeit und Perspektive die besondere Stimmung und Kraft faszinierender Orte oder Motive.

„Das Wesentliche kommt meist herüber“, beschreibt Klein etwas salopp seine einzigartigen Werke. Mit seiner Kunst hat er etwas geschafft, was nicht vielen gelingt: Der gebürtige Lilienthaler, der seit 40 Jahren in Achim-Baden lebt, hat sich hauptberuflich als freischaffender Künstler etabliert.

Manchmal sieht man Günter Klein mit seiner Staffelei in freier Natur, meistens aber arbeitet er daheim am Heimstättenweg. Wenn er seine Malstube betritt, begrüßt ihn dort auf einer Anrichte in Augenhöhe ein Panoptikum skurriler Gegenstände: Darunter etwa ein versteinerter Seeigel, der einmal bei Straßenbauarbeiten in Baden zutage kam, oder eine Trompete. „Die stammt aus London“, erklärt der Künstler, „die hat mich auf den ersten Blick fasziniert.“ Die Sammlung verleihe ihm eine gute Stimmung und erleichtere den Einstieg in die Arbeit.

Seine Motive findet Klein in einem Skizzenbuch, das er auf Reisen durch ganz Europa mit sich führt. Dort hinein zeichnet er mit Bleistift, Rötel oder Kohle Impressionen, die er später in seiner Werkstatt mit Leben füllt. „Die Perspektive muss stimmen und natürlich die Farbpalette“, weiß der Künstler. 

Auf einer Anrichte in seinem Arbeitszimmer sammelt Günter Klein Objekte, die ihn inspirieren und ihm den Einstieg in die Arbeit erleichtern.

Auf einer hell grundierten Leinwand zeichnet er in Öl erste Konturen. Wenn eine Schicht getrocknet ist, folgt die nächste. Bis zur Fertigstellung erhält ein Bild bis zu fünf Untermalungen, wodurch Kleins charakteristische, aquarellartige Leichtigkeit entsteht. Seine eigene Farbpalette ist durch seinen Lehrer Rudolf Gwiasda inspiriert und ähnelt in Leucht- und Ausdruckskraft der belgischen und niederländischen Malerei von vor etwa 200 Jahren.

Zur Malerei kam der Norddeutsche bereits mit zwölf Jahren, als ihm sein Opa einen Ölmalkasten schenkte. Nach einer Ausbildung im graphischen Gewerbe fand er in der Werbebranche sein berufliches Fahrwasser. Dabei blieb er seiner Leidenschaft stets verbunden – parallel zur Arbeit besuchte er Kunstseminare und nahm Unterricht unter anderem bei Curt Wittenbecher und Rudolf Gwiasda. Bei Gwiasda hatte er sich auch umfassend mit Radiertechnik auseinandergesetzt, aber letztlich fiel sein Schwerpunkt auf die Malerei.

Mit seiner ersten Ausstellung 1966 startete Klein schließlich in die freischaffende Künstlertätigkeit. Seine Bilder zieren internationale Kunstmessen, hängen in Privatsammlungen oder Geschäftsräumen – für Unternehmer führte er Auftragsarbeiten durch, malte das Elbauetal großformatig in Dresden oder eine wasserseitige Ansicht der Stadt Stralsund. Dank weitreichender Kontakte nutzt er regelmäßig renommierte Ausstellungsorte, insbesondere auf den friesischen Inseln, und vermarktet auf diese Weise seine Arbeiten komplett selbstständig.

Klein experimentiert gern mit Farbe und Stil

Günter Klein ist vielseitig interessiert und immer auf der Suche nach neuen Stilmitteln: „Für mich ist Kunst ein ständiger Prozess der Erneuerung“, sagt der 74-Jährige, „niemand bleibt dort stehen, wo er angefangen hat.“ Gerne experimentiert er und arbeitet mit Mischtechniken in Pastell oder Tusche, fertigt Collagen oder dreidimensionale Objektarbeiten. Neu sind „Drei-Farben-Bilder“, in denen der Künstler ein Landschaftsbild mit nur drei zentralen Farben aufbaut.

Dass Günter Kleins Kunst auch viel Raum für Humor bereit hält, beweisen kleine Holzskulpturen: Auf der Suche nach neuen Motiven und der idealen Perspektive findet er manchmal Strandgut an der Weser. Daraus entstehen dann sogenannte Schwemmholz-Objekte, die sein Atelier und den Garten bereichern. Sie tragen Titel wie „Kapuziner-Nasen-Affe“, „Der Vielgucker“ oder „Prähistorische Klobürste“.

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