Nachruf

Langjähriger Schulleiter Helmut Zoder ist tot

Helmut Zoder

Achim – Hochbetagt starb bereits am 28. Dezember im 90. Lebensjahr Oberstudiendirektor a. D. Helmut Zoder – der Mann, der das Gymnasium Achim, später Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasium, maßgeblich aufgebaut und 21 Jahre geleitet hat, länger als alle seine bisherigen Nachfolger. „Es ist sein unbestrittenes Verdienst, der Stadt eine tadellos funktionierende Bildungseinrichtung auch gegen allerlei Widerstände eingerichtet zu haben“, schreibt Bernd Potyka, der zur selben Zeit wie Zoder Lehrer an der Bildungseinrichtung war.

Zoder hinterlässt seine Ehefrau, zwei Töchter und drei Enkelkinder. Potyka zeichnet den Lebens- und Berufsweg des Pädagogen nach.

Am 4. April 1930 in Hildesheim als Sohn des Stadtarchivars geboren, nach einem Studium in Marburg und einigen Jahren Lehrtätigkeit in Nienburg (Fächer: Mathematik, Chemie) kam Helmut Zoder 1971 nach Achim mit dem Auftrag, ein Gymnasium aufzubauen, und das in einer Zeit, in der es kein passendes Schulgebäude gab und ein nie gekannter akuter Lehrermangel herrschte. So vagabundierte zunächst einmal die Schule durch zufällig freie Räume in der Stadt, und dazu mit zunächst überwiegend „ausgeliehenen“ oder aus dem Ruhestand zurückgeholten Lehrkräften.

Wie kaum ein anderer arbeitete er sich, der ja eigentlich nur als Pädagoge ausgebildet war, in fachfremde Bereiche ein, wie die schulrechtlichen Verwaltungsabläufe, die Schulbaurichtlinien, die Finessen der Führung einer Dienststelle, und zwar ohne wesentliche Unterstützung durch die vorgesetzte Behörde. Nach kurzer Zeit war er ausgemachter Verwaltungsspezialist, der ob seiner Korrektheit, Zuverlässigkeit und Informiertheit von seinen Vorgesetzten höchstes Lob erhielt.

Helmut Zoder war ein eher introvertierter Mensch, der am liebsten seine Arbeit in der Ruhe seines Dienstzimmers verrichtete. Dennoch nahm er seine dreifache Verantwortung gegenüber den Schülern, deren Eltern sowie der Bezirksregierung sehr ernst. Als Vorgesetzter von zeitweise mehr als 150 Lehrpersonen hatte er zudem ein sehr heterogenes Kollegium zusammenzuhalten, das von ziemlich konservativ bis hin zu einigen 68ern die ganze politische Palette abdeckte. Hier hatte er in den 70er- und 80er-Jahren die gleichen Kämpfe auszufechten wie die meisten seiner Schulleiterkollegen. Dennoch wollte sich niemand aus dem Kollegium versetzen lassen, weil es Zoder gelungen war, eine Atmosphäre zu schaffen, in der fruchtbare pädagogische Arbeit im Vordergrund stand und in der sich die Kollegen wohlfühlten.

Als er 1992 in den Ruhestand trat, hinterließ er seinem Nachfolger eine renommierte Bildungseinrichtung, die ihren Abiturienten beste Berufschancen mit auf den Weg gab.

Alle, die mit Helmut Zoder näher zu tun hatten, schätzten seine Kompetenz; zu selten leider blitzte sein Schalk hervor. In der Anfangsphase der Schule schimpfte ein junger Kollege über das primitive Matrizenabzugsgerät, er habe keine Lust, in dieser Schule ständig aus Sch… Kuchen backen zu müssen. Einige Tage später überraschte ihn der Schulleiter am selben Gerät mit den Worten: Na, backen Sie wieder Kuchen? Das war aber auch das Äußerste, wozu er sich herabließ.

Seine alljährliche Silvesterbeschäftigung war das Notieren sämtlicher Geburtstagstermine in seinem Kalender, damit er seine pünktliche Gratulation nicht vergaß.

Unvergessen sind die von ihm initiierten Ausflüge der gesamten Schule mit Sonderzügen der Bahn, unter anderem an die Ostsee, in den Teutoburger Wald, nach Eutin und Plön. Das tat dem neuen Wir-Gefühl des jungen Kollegiums gut.

Seine Schule stattete er mit vielen Neuerungen aus, ließ sich vom Sinn der Projektwochen überzeugen und hatte ein offenes Ohr für diverse Anschaffungswünsche des Kollegiums, ohne allerdings dieses moderne Zeug extensiv in seinem eigenen Unterricht zu verwenden.

Zu seiner Verabschiedung fasste der damalige Personalratsvorsitzende das Urteil seiner Laudatio zusammen: ja, der Direktor Zoder, der sei für die Schule „ganz in Ordnung“ gewesen.

Ja, er war nicht nur in Ordnung, er war in einer schwierigen Zeit genau der richtige Mann für den Aufbau des Gymnasiums.

Achim ist ihm zu großem Dank verpflichtet.

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