Große Gefühle und bleibende Melodien

„Crazy Chor Company“ und „Die verrückten Kichererbsen“ führen drittes Musical auf

„Ahoi New York“ lautet die Devise, denn nach einem gescheiterten Filmprojekt versucht eine arbeitslos gewordene Schauspieltruppe ihr Glück in Übersee. - Fotos: Hägermann

Achim - Von Bernd Hägermann. Sehnsuchtsort New York. Etliche Hymnen sind auf die Stadt, die bekanntlich niemals schläft, geschrieben worden. Einige mit Bezügen zur Realität, andere mit Verklärung. Sinatras „New York, New York“ geriet zum allgemeinen Kulturgut und Udo Jürgens traurig-trotziges „Ich war noch niemals in New York“ zum Teil deutscher Schlagergeschichte.

Für „Die verrückten Kichererbsen“ und die „Crazy Chor Company“, zwei inklusive Gruppen der Waldheim Begegnungs- und Beratungsstelle (WABE) ist der Mythos New York Material für ein Musiktheater mit Jürgens-Melodien nach eigenem Gusto – voller Fantasie, leicht anarchisch und mit hinreißenden Interpretationen. Der Titel „Ahoi, New York“ verheißt theatralischen Aufbruch und Kurzweil.

Als Rahmenhandlung dient ein Reisebericht. Geschrieben hat ihn der fiktive Kollege Heribert Fassschreiber vom ebenso fiktiven „Achimer Anzeiger“. Der Zufall will es, dass er in seiner Stammkneipe einen berühmten Regisseur trifft, der in Achim gerade „Das Kartenhaus“ dreht. Der Titel ist so windig wie die gesamte Produktion, bei der eine ambitionierte Produzentin und Schauspieler mit Allüren sich die Hölle auf Erden bereiten. Die Situation scheint verfahren und das Filmprojekt am Ende.

Nur scheinbar „Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff“: Kapitänin Stefanie Rogers.

Unerwartete Hilfe kommt von Übersee. Dort hat Produzent Cameron Macintosh sich in den Kopf gesetzt, die gesamte Truppe um Regiegenie Hase für ein Musical am Broadway zu engagieren.

Und weil gut Ding Weile braucht und das Geld knapp ist, wird für die Reise kein Flieger gebucht, sondern die „MS Buckley“. Der Pott hat schon bessere Tage gesehen, ist aber laut Kapitänin Stefanie Rogers „im Kern immer noch tipp-topp“. Die „MS Buckley“ ist Rogers erste große Liebe. Rost spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle.

Apropos Liebe: Auf der Überfahrt knistert es mächtig unterm Steuerrad. Wind und Wellen setzen große Gefühle frei, dazu bleibende Melodien. Von denen hat Udo Jürgens eine Vielzahl komponiert: „Siebzehn Jahr, blondes Haar“, „Ein ehrenwertes Haus“, „Heute beginnt der Rest deines Lebens“ und, schön themenbezogen, „Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff“. Chor und Kichererbsen interpretieren die Titel auf unverwechselbare Weise – mit einer Prise Pathos und ganz viel Freude. Dirigiert wurden die Akteure von der Bremer Sängerin und Gesangspädagogin Kamila Dunajska, Kristina Legosteava begleitete am Klavier.

Akteure und Sänger interpretierten die Udo-Jürgens-Titel mit einer Prise Pathos und ganz viel Freude.

Für den dramaturgischen Teil und die Regie verantwortlich war die Theaterpädagogin Ruth Podlich. Sie hatte in den Vorjahren gemeinsam mit den Waldheim-Gruppen schon ein ABBA-Projekt realisiert, es gelangen ihr Adaptionen der West-Side-Story oder die Annäherung an den Film „Sister Act“. Für das aktuelle Stück, eine Udo-Jürgens-Hommage, war ein Jahr geprobt worden.

Das Ergebnis: Ein witziges, anrührendes und im Wortsinn unverschämtes Musiktheater, das keinen Vergleich scheuen muss. „Die verrückten Kichererbsen“ und die „Crazy Chor Company“ gehören zum Unterhaltsamsten, was die hiesige Kulturszene zu bieten hat.

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