Achim hat viele, aber „falsche“ Wohnungen

Oft zu groß, zu teuer und mit Barrieren

Häuser in Achim , blau vom Eigentümer bewohnt, rosa vermietet und gelb leerstehend.

Achim - Von Manfred Brodt. Achim ist eine trotz allgemeinen demografischen Rückgangs wachsende, reiche Stadt mit hohem Altersdurchschnitt, vielen neuen Häusern und trotzdem Wohnungsmangel. Das ist alles nicht ganz neu, aber jetzt in der neuesten Studie zur Wohnraumversorgung in der Weserstadt hervorragend dargestellt.

Die Studie der Büros akp-- Stadtplanung, Raumentwicklung (Kassel) und Protze-Theiling (Bremen) ist für private und öffentliche Wohnungsbauunternehmen eine Voraussetzung um, Zuschüsse zum sozialen Wohnungsbau zu bekommen.

Und so stellt die Studie fest, dass Achim entgegen den früheren Prognosen des Kramer-Gutachtens keinen Bevölkerungsschwund unter 30.000 Einwohner erlitten hat, sondern in Richtung 32.000 Einwohner marschiert. Bis 2030 wird sich das nach Schätzungen der N-Bank fortsetzen, während das Bertelsmann-Institut vorsichtiger rund 30.000 Einwohner für 2030 schätzt.

Die Stadt ist auch attraktiv, weil sie eine gute Arbeitsmarktstruktur hat. So sind von den 10 455 Beschäftigten in Achim 7500 Einpendler, sie kommen also aus umliegenden Orten. Umgekehrt pendeln 8500 Achimerinnen und Achimer zur Arbeit in andere Orte, in zwei von drei Fällen über die Landesgrenze, also in der Regel nach Bremen. Jeder fünfte Achimer Pendler arbeitet in einer anderen Gemeinde des Landkreises.

Mit unter 1000 mehr Aus- als Einpendlern ist die Achimer Bilanz hervorragend im Landkreis Verden, der ansonsten bei der Pendlerbilanz ein Minus von 10 455 Menschen hat.

Einfamilienhäuser für Besserverdienende

Der Anstieg der Achimer Einwohnerzahl war in diesem Jahrzehnt mit einer enormen Zunahme der Wohnhäuser von Uphusen, Bierden bis Uesen und Baden verbunden. Aber es sind laut Gutachter, salopp gesprochen, die falschen Wohnungen, überwiegend Häuser für Besserverdienende. Für Geringverdiener fehle nach wie vor bezahlbarer Wohnraum.

2286 Menschen besitzen Schwerbehindertenausweise

Schließlich haben in Achim, nicht alle nur hohe Einkommen. Knapp sechs Prozent sind Ausländer, 7,4 Prozent haben zwei Pässe. Ein Prozent ist im Asylverfahren, und immerhin 2286 Menschen (7,6%) besitzen einen Schwerbehindertenausweis.

Zwar wurden zuletzt jährlich nur 17 Wohnberechtigungsscheine für Sozialwohnungen ausgestellt, die man bei Jahreseinkommen unter 17 000 und mit Partner unter 23 000 Euro bekommt, aber immerhin 201 Haushalte bekommen Wohngeld.

Schwierig wird es für sie, Wohnungen zu finden, weil Achim ein teures Pflaster ist. Mit 158 Euro zahlt man hier neben Oyten den höchsten Quadratmeterpreis für Bauland.. Bei Einfamilienhäusern kostet der neue Quadratmeter Wohnfläche 1400 Euro, bei Doppelhäusern gar 1500 Euro.

Teure Häuser führen bei Vermietung zu hohen Mieten. Mit über sieben Euro pro Quadratmeter liegen sie in Achim ganz oben. Die Wohnungen sind auch oft zu groß. Bei 78 Prozent der Häuser handelt es sich im Einfamilienhäuser, bei nur acht Prozent um Mehrfamilienhäuser. Besonders an Ein- oder Zwei-Zimmer-Wohnungen, die nur 5,6% des Angebots ausmachen, herrscht Mangel. 80 Prozent der Wohnungen haben dagegen vier oder mehr Zimmer,

Alte Menschen in großen Wohnungen

In denen wohnen nicht selten alte Menschen alleine oder zu zweit so lange, bis sie dies gesundheitlich nicht mehr können. Jeder fünfte Achimer ist derzeit immerhin über 66, ab 2030 soll jeder Dritte über 60 und jeder Sechste 75 Jahre und älter sein. Diese älteste Bevölkerungsgruppe wird dann genauso zahlreich wie die Bis- 18-jährigen sein.

So fehlen kleinere Wohnungen für Jüngere ebenso wie barrierefreie mit ambulantem Pflegeangebot für Ältere. Werden größere Wohnungen oder gar Häuser älterer Menschen aufgelöst oder ziehen Kinder aus dem Elternhaus, werden nach Einschätzung der Gutachter mehr kleinere Wohnungen auf den Markt kommen. Also nicht nur durch Neubau, sondern auch durch Veränderungen und und Sanierungen in den Altbauten können kleinere und auch preiswertere Wohnungen geschaffen werden.

Bis 2020 fehlen laut Gutachten in Achim 530 Wohnungen, davon 225 Mietwohnungen. Insbesondere kleine Wohnungen sollten gebaut werden. 745 barrierefreie Wohnungen fehlen. Sie müssten neu entstehen oder in Altbauten geschaffen werden.

Möglichkeiten der Stadt begrenzt

Durch städtebauliche Verträge mit Bauträgern wird die Stadt regulierend, aber nur beschränkt eingreifen können. Unwirtschaftliche Investitionen wird sie nicht verlangen können, und viel Geld und Grundstücke für eine solche bedarfsorientierte Wohnungsbaupolitik besitzt Achim auch nicht.

Lesen Sie auch einen Kommentar zum Thema Wohnraumversorgung von Manfred Brodt.

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