37-Jähriger kommt straflos davon

Griff in Schritt, aber Opfer sieht kein Sexmotiv - Freispruch

Achim - Der jetzt 37-Jährige sei ein „Energiepaket“, stark emotional gesteuert, oft unruhig und daher auch „ein Weltmeister im Herumfahren“, berichtete sein Hustedter Betreuer vor dem Achimer Amtsgericht.

Der Schwerbehindertenausweis ermöglicht dem in Diepholz wohnenden und lange in einer Werkstatt der Bethel-Stiftung Beschäftigten kostenlose Nutzung des öffentlichen Verkehrsnetzes. Da sei er nicht der einzige, sondern es gebe eine regelrechte „Rumfahrer“-Szene, erläuterte der Betreuer. Bahnhöfe und andere Lokalitäten in den jeweiligen Orten seien deren Treffpunkte.

Auch Achim steuerte der 37-Jährige des Öfteren an. Hier her war seine frühere Verlobte umgezogen. Aufgrund eines Vorfalls vor der Tür ihrer Wohnung am 4. April gegen 1.15 Uhr musste sich der Diepholzer jetzt vor dem Achimer Amtsgericht der Anklage wegen „vorsätzlicher Körperverletzung in Tateinheit mit sexueller Nötigung“ stellen. Das Ergebnis der Verhandlung: Freispruch.

Mitten in der Nacht Sturm geklingelt

Mitten in der Nacht habe jemand bei ihr Sturm geklingelt, erinnerte sich die 29-jährige Betroffene als Zeugin vor Gericht. Sie öffnete die Tür und habe den draußen Stehenden erbost gefragt, was er wolle und ob er schon mal auf die Uhr geschaut habe. Der merklich angetrunkene Besucher sei ihr nach kurzem Wortwechsel plötzlich „zwischen die Beine gegangen“. 

Der Griff habe etwas geschmerzt, und sie stieß den Besucher so heftig zurück, dass er rücklings über die wenigen Treppenstufen nach hinten kippte und auf dem Boden liegen blieb. Die 29-Jährige schloss ihre Tür ab und kümmerte sich um ihn nicht weiter.

Auf die Frage der Richterin und des Verteidigers, ob der Angeklagte auch auf Sex aus war, meinte die Zeugin, das könne sie sich nicht vorstellen. Von einem Fausthieb in den Bauch, der dem 39-Jährigen in der Anklageschrift ebenfalls zur Last gelegt wurde, erinnerte sich seine Ex-Verlobte ebenfalls nicht.

Die beiden hatten sich vor einigen Jahren in einer Behinderten-AG in Bassum kennengelernt und sind inzwischen wieder jeweils neu liiert.

Beschuldigter bestritt seine Anwesenheit

Der Beschuldigte selber bestritt, am fraglichen Tag überhaupt in Achim gewesen zu sein. Seinem Betreuer hatte er nach dessen Erinnerung nie etwas von dem Vorfall erzählt, der zur Anklage führte, obwohl er sonst immer sehr offen über persönliche Erlebnisse berichtet habe.

Die Vorwürfe Körperverletzung und sexuelle Belästigung standen nach den Aussagen der 29-Jährigen auf immer schwächerem Grund, so dass sogar die Vertreterin der Staatsanwaltschaft auf Freispruch plädierte. Möglicherweise habe der alkoholisierte Diepholzer nur blind irgendwo hingegriffen und könne sich an das Geschehen gar nicht mehr erinnern.

Der Sachverhalt sei nicht überzeugend aufzuklären, auch die Aussagen der Zeugin hätten keine „Belastungstendenz“, und eine Sexabsicht sei nicht erkennbar, fasste Richterin Sabine Reinicke zur Begründung des Freispruchs zusammen.

la

Rubriklistenbild: © dpa

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