Geschichte des Rittergutes Embsen

Graf Günzelin legte den Grundstein

Ulrich Budler ist fasziniert von alten Gutshäusern. Sein neues Sachbuch beschreibt die Geschichte des Rittergutes Embsen.
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Ulrich Budler ist fasziniert von alten Gutshäusern. Sein neues Sachbuch beschreibt die Geschichte des Rittergutes Embsen.

Achim – Die örtlichen alten Rittergüter haben es Ulrich Budler angetan: Nach Gut Clüverswerder und Mandelsenborstel hat er sich zuletzt dem Rittergut Embsen zugewandt und nun ein weiteres Sachbuch dazu veröffentlicht. Unter dem Titel „Das Rittergut Embsen“ taucht der Achimer Autor auf 269 Seiten tief in die Geschichte eines Gutes ein, das heute leider nicht mehr steht.

Nur zwei monumentale Grabsäulen zeugen heute noch vom Reichtum einiger seiner Bewohner und erinnern an Adolf Gerlach von Düring (gestorben 1800) und Franz Julius von Düring (gestorben 1806). Wer genau hinschaut, erkennt zudem eine kleine Erhebung westlich der Embser Dorfstraße, die noch an die ehemals üppige Anlage erinnert, mit Burggraben, Haupthaus, Wirtschaftsgebäuden und Stallungen.

Die Geschichte beginnt im 12. Jahrhundert, als Graf Günzelin zu Schwerin die Anlage errichtete. Der Graf besaß Güter in 21 Ortschaften im Bereich Stade, Hamburg und Bremen wie eine Lehnrolle belegt. Dort sei Embsen noch unter dem alten Namen Hemese aufgeführt, berichtet Budler. Im 15. Jahrhundert übernahm die Familie Clüver das Anwesen und wirtschaftete dort rund hundert Jahre bis 1680. Dann ging die Burg in den Besitz die Familie von Heimbruch über. Diese belegten ihr Eigentum, zu dem auch Burgen und Hofstellen in Pollen (bei Hameln), Etelsen, Koppel, Ruschbaden, Uesen und Klein Hutbergen gehörten, mit einem Fideikommiss – der Familienbesitz sollte auf ewig verbunden bleiben. „Ab 1815 war das Gut zwischenzeitlich an den Bremer Kaufmann, Reeder und Senator Justin Iken und den Kaufmann und Zuckerbaron Heinrich Böse verpachtet“, beschreibt Ulrich Budler weitere Nutzer der Anlage.

Als Eigentümer folgte die Familie von Düring. Erst 1892 wurde das Fideikommiss aufgelöst und das Gut ging in den Besitz der von Reventlow über. Bis 1903, als Graf Christian J. C. L. von Reventlow zu Etelsen das Gebäude nach einem verheerenden Brand an den bisherigen Verwalter Bischoff verkaufte. Über die Erbfolge gelangte die Hofstelle schließlich in den Besitz der Familie Mindermann, die in direkter Nachbarschaft zum damaligen Burgstandort noch heute einen landwirtschaftlichen Hof betreibt. „Reventlow besaß etliche Häuser in Embsen“, hat Ulrich Budler recherchiert, „die merkwürdigerweise 1902 bis 1903 einigen Bränden zum Opfer fielen, obwohl sie gar nicht beieinanderstanden.“

Das Gutshaus mit Stall wollte Reventlow wieder aufbauen, das bezeugen Baupläne. Der Verwalter Bischoff aber errichtete das Haus offenbar nach eigenen Plänen, denn das heutige Gebäude ist kleiner dimensioniert.

Budlers Buch führt chronologisch durch die Epochen, erzählt Geschichten seiner Eigentürmer und ist mit Urkunden, Lagezeichnungen und Fotografien illustriert. Eine dieser Fotografien zeigt einen verborgenen Gedenkstein im Bückeburger Wald, der an den tragischen Tod des Majors von Düring erinnert, der 1789 auf dem Rittergut Embsen das Licht der Welt erblickte und erst 39-jährig zu Tode kam. Bei einer Jagd im Forstbezirk Brandshof am 16. Dezember 1828 traf den Major eine Kugel des Jagdteilnehmers Forstkandidat Pätz. An heimischen Biertischen erzählte man sich unter vorgehaltener Hand, Pätz habe von Düring aus Eifersucht gezielt ins Jenseits befördert, denn der als verwegene Draufgänger und Frauenheld bekannte Offizier habe zuvor dem Forstkandidaten die Freundin ausgespannt.

Die obligatorische Untersuchung mit Obduktion kam indes zu einem anderen Ergebnis: Pätz habe ein vorbeistürmendes Wildschwein verfehlt und das Geschoss sei von einem Stein abgelenkt als Querschläger in den Major gefahren.

So dient der „Dürings-Stein“ heute nicht als Mahnung für Schürzenjäger, sondern für Hubertusjünger. Auf der Rückseite stehen die Worte „Warnung für Jäger“ geschrieben.

Wer tiefer in die Geschichte des Embser Rittergutes eintauchen will, kann das Werk im Bücherwurm für 15 Euro erwerben.

Von Ingo Schmidt

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