Viel Eigenleistung notwendig

Achimer Reset Church plant für 2 Millionen Euro neues Gemeindezentrum

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Das von der Reset Church geplante Bauprojekt gleicht äußerlich mehr einem Bürgerzentrum als einer Kirche. Hier der Entwurf des Achimer Architektenbüros Gruppe GME (mit heller Fassade).

Achim - Von Lisa Duncan. Nicht weit davon, wo einst Soldaten zum Appell gerufen wurden, soll bald im Namen Gottes gepredigt werden. Gleich an der Einfahrt von der Uesener Feldstraße zur Steuben-Allee in Achim standen früher Barracken, die die Bundeswehr als Lagerräume nutzte.

Dort plant die freikirchliche Reset Church ein Gemeindezentrum. Seit Kurzem rollen die Bagger für den Bau, der rund 2 Millionen Euro kosten und größtenteils in freiwilliger Eigenleistung entstehen soll.

Dominik Apelt ist einer der ersten, der am Donnerstag mit dem Bagger das Gelände beackert. Allein für das Ebnen des Bodens liege noch sehr viel Arbeit vor den Gemeindemitgliedern. „Da hinten ist zu viel Erde im Boden. Die muss raus und mit Sand aufgefüllt werden. Während Erde Feuchtigkeit aufnimmt, ist Sand saugfähig und daher am besten für das Fundament geeignet“, erklärt der Elektriker, der sich extra einen Tag freigenommen hat, um ehrenamtlich beim Bau zu helfen. Ein paar Grundlagen habe er sich von seinem Vater, der im Baugewerbe tätig ist, angeeignet.

Chefplaner des langfristig auf zwei Jahre angelegten Projekts ist Benjamin Sawadsky, der zugleich auch als leitender Pastor der Reset Church fungiert. Die Freikirche, deren Gemeindehaus derzeit noch an der Brückenstraße 19a in Uesen liegt, hat das 14.000 Quadratmeter große Gelände – eigentlich zwei zusammengefügte Grundstücke – von der Achimer Stadtwald GmbH erstanden. Seit etwa eineinhalb Jahren laufen die Planungen.

Kurze Pause von der Schufterei: Dominik Apelt (vorne rechts) und ein Angestellter der Firma Swecon, der den Miet-Radlader angeliefert hat, auf der Baustelle. Mit drei Baggern gingen die Gemeindemitglieder am Donnerstag zu Werke.

Auf 1340 Quadratmetern soll das Gebäude entstehen, der Rest ist für Parkplätze und eine Erweiterungsfläche vorgesehen, auf der übergangsweise ein Spielplatz und ein Volleyballfeld entstehen könnten, erklärt der 33-jährige Pastor. Ein großer Teil des Geländes wird von einer etwa 1500 Quadratmeter großen Versickerungsfläche eingenommen. „Das Gebäude soll zur Eiche hin orientiert sein, der Teil dahinter, zur Eisenbahn hin, wird von der Erweiterungsfläche eingenommen“, so Sawadsky.

Der Entwurf für den zweistöckigen Flachdachbau stammt vom Achimer Architektenbüro Gruppe GME. Das Konzept umfasst einen Kirchensaal, ein Foyer und ein Café im Erdgeschoss – für den zweiten Stock sind Büros sowie Kinder- und Jugendräume vorgesehen.

Derzeit hat die Reset Church 173 Gemeindemitglieder – Gemeindefreunde, die gelegentlich an Gottesdiensten teilnehmen, nicht mitgerechnet. Die Kirchgänger kommen hauptsächlich aus Achim, aber auch aus Bremen, Langwedel und Verden. Den Zulauf erklärt sich Benjamin Sawadsky mit dem jungen Konzept der Kirche. „Unser Anspruch ist es, die Gottesdienste so zu gestalten, dass wir damit auch junge Leute erreichen.“ 

Das fange schon bei der Musik an, denn nicht Orgelklänge, sondern eine Band mit Pop- und Gospel-Musik stehe im Mittelpunkt der Andachten. Auch Sawadskys Kleidungsstil, der mit modischer Brille, Haartolle und Vollbart mehr an Hipster als an Priester erinnert, scheint dazu zu passen. Statt von „Kirche“ spricht er lieber von „Gemeindezentrum“: „Wir wollen das Gebäude so gestalten, dass Leute es als relevant für ihren Lebensalltag ansehen.“ Optisch sei es mit dem Stil eines Bürgerzentrums vergleichbar.

Derzeit passen in den Kirchensaal nur 100 Leute, daher biete die Kirche am Sonntag schon zwei Gottesdienste an, erklärt Sawadsky. Es fehlten zudem Nebenräume für Kinder und Teenager sowie Proberäume für die Band. „Uns war von Anfang an klar, dass das Bauernhaus nicht zukunftsträchtig ist“, so Sawadsky. Eine Erweiterung am Standort war nicht möglich,

Sawadsky: „Für mich ein Glaubensprojekt“

so kam es zu der Idee mit dem Neubau. Aus Kostengründen suchte der Pastor ein Gelände im Gewerbegebiet, „aber nicht so weit weg“. Da schien die Lage im Neubaugebiet mit Nähe zur Autobahn 27 ideal.

Sawadsky geht nicht ganz blauäugig an die Planungen heran: Der Pastor, der seit dreieinhalb Jahren in Achim predigt, hatte zuvor in der freikirchlichen Gemeinde in Hannover ein ähnliches Projekt bis zum Einzug mitbegleitet. Diese Erfahrung habe ihm gezeigt, dass es sehr schwer sei, Leute zwei Jahre lang zum Mitmachen für solch ein Bauprojekt zu motivieren. „Aber“, fügt er hinzu, „für mich ist es ein Glaubensprojekt“.

Zum Zeitplan meint Benjamin Sawadsky: „Wir hoffen, vor Weihnachten noch die Sandplatte für die Gebäudegründung zu verlegen und vielleicht auch die Kanalarbeiten erledigen zu können.“ Die wesentlichen Arbeiten seien aber erst für die Zeit nach dem Winter vorgesehen: „Die richtige Action läuft im Frühjahr.“

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