Gölz und Schulleitung rebellieren

Noch ein Geschoss mehr für die Ueser Grundschule?

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Auf dieser relativ kleinen Grünfläche an der Ecke Brückenstraße / Alte Dorfstraße ist der Erweiterungsbau für die Grundschule Uesen vorgesehen. Dafür müssen Bäume gefällt und das Ehrenmal für die Opfer der beiden Weltkriege versetzt werden.

Achim - Ein „Notruf“ direkt aus der Schulausschusssitzung – das gibt es nicht alle Tage. Verwaltungs-Vizechef Bernd Kettenburg klingelte jetzt vom Rathaus aus per Handy Steffen Zorn nach dessen Dienstschluss zu Hause an. Vom Leiter der Abteilung Bauen und Stadtentwicklung wollte Kettenburg wissen, ob sich der geplante Erweiterungsbau der Ueser Grundschule um ein weiteres Geschoss ergänzen ließe.

Zuvor hatte es im Ratssaal einen kleinen Aufstand gegen das bisherige Konzept gegeben, das auf zwei Geschossen vier neue Klassenräume und andere Räume für einen Ganztagsschulbetrieb vorsieht. Der Neubau sei zwar erforderlich und müsse möglichst schnell verwirklicht werden, räumte Dr. Petra Gölz (CDU) ein. 

Die aktuelle Planung mit „kleinen Klassenräumen“, ganz ohne „Toberaum“ und mit einer „Mini-Mensa“ entspreche aber nicht den Erfordernissen einer Ganztagsschule und sei wenig zukunftsorientiert. Auch der vorgesehene Raum für die Lehrkräfte lasse nicht gerade Wohlfühlatmosphäre erwarten.

CDU für weitere Etage

Von einem „Diktat des Geldes“ sprach ihr Parteikollege Hans-Michael Paulat. Neue Räume müssten her, doch dürfe der jetzt konzipierte Bau nicht das Ende sein, „sonst platzt schon in drei Jahren wieder alles aus den Nähten“.

Die Christdemokraten regten daher an, entweder noch ein Geschoss draufzusetzen oder sich schon nach zusätzlichen Grundflächen umzuschauen, um eine spätere erneute Schulerweiterung zu gewährleisten.

Befremdet reagierte Schulausschuss-Vorsitzende Petra Geisler (SPD) auf den CDU-Vorstoß. Das jetzige Konzept sei doch ausdiskutiert und einmütig gutgeheißen worden, betonte sie.

Umplanen für weiteres Geschoss abgelehnt

Natürlich sei diese Planung ein Kompromiss zwischen Idealvorstellungen und dem finanziell und flächenmäßig Möglichen, erläuterten Kettenburg und auch Wiltrud Ysker vom Verwaltungs-Fachbereich Bildung und Soziales.

Eine Vorbedingung sei dabei, dass „der Unterricht nebenan“ während der Bauphase weiterlaufen kann. Und ganz davon abgesehen, ob ein weiteres Geschoss an diesem Standort überhaupt vom Landkreis genehmigt werde, seien damit neben Mehrkosten erhebliche zeitliche Verzögerungen verbunden. Steffen Zorn habe diese auf mindestens ein Jahr geschätzt, berichtete Kettenburg.

Der Bauabteilungschef habe im Übrigen beim Telefonat mitgeteilt, dass die Zulässigkeit einer weiteren Etage nicht geprüft worden sei, weil sie bisher auch nie gefordert wurde.

„Uesen ist nicht die einzige Schule, die wir haben“, gab Kettenburg außerdem zu bedenken. In Bierden, Baden und in der Kernstadt stünden ebenfalls große bauliche Investitionen an.

Grüne für schnelles Handeln

Es sei zudem unrealistisch, „wenn wir jetzt in Uesen für drei Millionen Klassenräume schaffen und anschließend gleich weiterbauen“. Da müsse man sich entscheiden: Bauen wir jetzt gleich oder erstmal gar nicht? In Sachen Schulraumgröße hätten sich Stadt und Architektenbüro an den in Niedersachsen geltenden Standards orientiert.

„Wir stehen doch schon vor der Ausführungsplanung“, machte Silke Thomas von den Grünen deutlich und plädierte angesichts der Raumnot in Uesen dafür, schnell voranzukommen.

Das sei nur möglich, wenn der gefundene Ausbaukompromiss akzeptiert werde und nicht alles zeitraubend planerisch neu aufgerollt werden müsse.

Mit sieben zu vier Stimmen wurde am Ende der CDU-Antrag, die Erweiterung um ein Geschoss zu prüfen beziehungsweise sich schon um Nachbarflächen für eine zukünftige Expansion der Grundschule zu bemühen, mehrheitlich abgelehnt.

Immer mehr Kinder mit Problemen im sozial-emotionalen Verhalten

Unzufrieden mit dem aktuellen Konzept zeigten sich allerdings auch die kommissarische Ueser Schulleiterin Corinna Kuhr. Es gebe heutzutage immer mehr Kinder mit Problemen im sozial-emotionalen Verhalten, machte Corinna Kuhr geltend. Deshalb seien verstärkt Rückzugs- oder auch Bewegungsmöglichkeiten erforderlich. Und geltende Klassenraumstandards aus den 90er Jahren entsprächen längst nicht mehr aktuellen Erfordernissen.

Paula Kramann (SPD) stimmte als junge Mutter in einem Punkt zu: „Ich bekomme meine Kinder kaum ins Bett, wenn sie tagsüber nicht ordentlich Bewegung hatten und spielen durften.“

Stadtelternratsvertreter Dr. Enno Lork erklärte, er habe „als Außenstehender“ den Eindruck gewonnen, dass die drei Millionen Euro ohne zusätzliches Geschoss oder zusätzliche Bauflächen weggeworfenes Geld seien. - la

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