Initiator Burmeister greift „Feuerwache“-Wirt und Stadt an

Glockenspiel seit fast einem Jahr stumm

Das Glockenspiel steht seit 1997 auf dem Bibliotheksplatz. Fotos: Mix
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Das Glockenspiel steht seit 1997 auf dem Bibliotheksplatz.

Achim - Von Michael Mix. Das Glockenspiel auf dem Bibliotheksplatz ist verstummt. Und das schon seit fast einem Jahr. „Seit März 2018 gibt es keinen Ton mehr von sich“, sagt Axel Burmeister, einer der Initiatoren der Anlage, und ist stinksauer. Schuld an diesem Zustand seien der Wirt des benachbarten Gasthauses „Alte Feuerwache“ und die Stadtverwaltung. Sowohl Gastronom Falk Rossol-Vöge als auch Bürgermeister Rainer Ditzfeld weisen die Kritik zurück.

Aber der Reihe nach, denn es gibt natürlich eine Vorgeschichte. Die Idee, in der Innenstadt ein Glockenspiel zu errichten, sei 1994 nach einer Fahrt mit dem Mühlenverein nach Zuidlaren-Anloo in den Niederlanden entstanden, erzählt Burmeister. Denn in der Gemeinde nahe Groningen hätten sie solch einen seit dem Mittelalter bekannten Klangkörper, im Französischen Carillon genannt, kennengelernt und als bereichernd für den öffentlichen Raum empfunden. Zusammen mit Werner Müller-Kemler und Siegfried Nadler habe er daraufhin die Initiative „Ein Glockenspiel für Achim“ gegründet.

Um das Vorhaben in die Tat umsetzen zu können, baten die Aktivisten um Spenden - mit großem Erfolg. Bei Unternehmen, Vereinen, Parteien und Privatleuten sammelten sie 130 000 Mark zusammen. „Wir sind ohne öffentliche Mittel ausgekommen, um 24 Glocken aus feinster Bronze finanzieren zu können“, erinnert sich Burmeister stolz.

Als Standort für das nahezu haushohe metallene Musikgerät stellte die Stadt den zentralen Bibliotheksplatz zur Verfügung. Am Nikolaustag 1997 wurde das Glockenspiel feierlich eingeweiht.

Axel Burmeister und seine Mitstreiter zeigten sich sehr zufrieden und kommentierten: „Die Klangintensität entspricht in idealer Weise den akustischen Gegebenheiten des Standplatzes. Der unaufdringliche Klang der hellen Glocken dürfte als angenehm empfunden werden - vor allem auch an Markttagen.“

Ärgern sich über die kaputte Anlage: Axel Burmeister (links) und Hans-Jürgen Schulz.

Moderne Computertechnik und Elektronik betätigten das Carillon ebenso wie eine Tastatur, die etwa bei Live-Konzerten eingesetzt wurde. „Mehr als 100 Lieder können auf Datenträgern gespeichert werden, um sie zu den gewünschten Zeiten abspielen zu können“, erläutert Burmeister. Mindestens 100 Jahre alte Stücke, zumeist Kirchenlieder, seien programmiert worden, „denn wir wollten ja die Gema-Gebühren sparen“, fügt er hinzu.

Aber über den Tag verteilt erklangen mitten in der Stadt nicht nur mehr als zwei Jahrzehnte lang regelmäßig Melodien, die zweifellos nicht jedermanns Musikgeschmack trafen. „Im Halbstundentakt ertönte auch die Uhrzeit“, ergänzt Burmeister, Vorsitzender des Fremdenverkehrsvereins Altkreis Achim, dem die Initiative den Betrieb des Glockenspiels übertragen hat.

Doch mit dem Umbau des Stadtbibliotheksgebäudes zu einem Gasthaus vor etwa fünf Jahren hätten die Probleme begonnen. Die dort angebrachte Sponsorentafel mit den Namen der Geldgeber für das Glockenspiel sei im Zuge der Arbeiten „weggeschmissen“ worden. Christian Schlemm, der neue Eigentümer des Gebäudes, habe die Tafel dort nicht haben wollen, sagt Burmeister.

Empört sei er ins Rathaus marschiert. Bürgermeister Ditzfeld habe ihm bereits 2017 zugesagt, dass die Stadt eine neue Sponsorentafel erstellen werde. „Bis heute ist nichts passiert.“

Während des Umbaus hätten Arbeiter außerdem die Kabel, die zwischen der im Gebäude untergebrachten Computersteuerung und dem Glockenspiel verliefen, zerstört. Für 6 000 Euro habe die Stadt dann immerhin die Leitungen ausgetauscht und neue Software angeschafft. Hans-Jürgen Schulz, Beauftragter für die Technik des Glockenspiels, sei zwischenzeitlich verzweifelt.

Als Totengräber der Anlage sieht Burmeister jedoch Rossol-Vöge, der im März 2017 die „Alte Feuerwache“ eröffnete. Der Wirt habe das Glockenspiel als störend empfunden, die „Bimmelei“ vertreibe die Gäste, sei dessen Credo gewesen. Rossol-Vöge habe es immer wieder ausgestellt, sagt Axel Burmeister. „Das Steuergerät ist vom ewigen Ein- und Ausschalten kaputtgegangen.“

Falk Rossol-Vöge weist den Vorwurf entschieden zurück. „Das ist eine glatte Lüge“, behauptet der Gastwirt auf Nachfrage, Burmeister habe deshalb auch Lokalverbot.

Der 79-jährige frühere Unternehmer, der unterdessen einen Rechtsanwalt in der Angelegenheit eingeschaltet hat, ist auch auf die Stadt nicht gut zu sprechen. Die Verantwortlichen im Rathaus hätten sich nicht gekümmert. So habe er vorgeschlagen, einen Kasten für die Steuerungstechnik nahe des Glockenspiels aufzustellen, was abgelehnt worden sei. „Der Bürgermeister, der das Carillon sogar schon an die Kreismusikschule versetzen wollte, duckt sich weg“, kritisiert Axel Burmeister.

Rainer Ditzfeld lässt das so nicht gelten. Beim Verkauf des Bibliotheksgebäudes sei ins Grundbuch eingetragen worden, dass die Steuerungstechnik für das Glockenspiel im Haus erhalten bleiben müsse. Wenn es nun kaputt sei, müsse es selbstverständlich repariert werden. Um den Bibliotheksplatz besser für Veranstaltungen nutzen zu können, habe die Stadt zwischenzeitlich erwogen, das Glockenspiel zu versetzen, räumt Ditzfeld ein. „Aber das ist nun vom Tisch.“

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