Gleichstellungsbeauftragte Saupe zieht Bilanz

Frauenpower im Rathaus

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Dr. Angelika Saupe, die Hüterin der Fairness zwischen den Geschlechtern im Achimer Rathaus.

Achim - Braucht Achim, brauchen andere Kommunen eine hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte? Das wurde in Achim lebhaft diskutiert und vor gut einem Jahr mit der Neueinstellung der Frauenbeauftragten Dr. Angelika Saupe beantwortet. Sie hat jüngst dem Rat nach einem Jahr ihren Tätigkeitsbericht vorgelegt. Die Fragen und Diskussionen bleiben.

Die Aufgaben der Gleichstellungsbeauftragten werden im Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetz definiert: Sie wirkt an allen Vorhaben, Entscheidungen, Programmen und Maßnahmen mit, die Auswirkungen auf die Gleichberechtigung der Geschlechter und die Anerkennung der gleichwertigen Stellung von Frauen und Männern in der Gesellschaft haben.

Ihr Arbeitsfeld liegt insbesondere innerhalb der Stadtverwaltung und in der der Öffentlichkeitsarbeit. Für mögliche Frauendiskriminierung und Probleme in konkreten Firmen der Privatwirtschaft ist die Frauenbeauftragte ausdrücklich nicht zuständig.

Die Gleichstellungsbeauftragte kann an allen Sitzungen des Rates, des Verwaltungsausschusses und der Ratsausschüsse teilnehmen. Der Bürgermeister hat die Gleichstellungsbeauftragte „in allen Angelegenheiten, die den Aufgabenbereich der Gleichstellungsbeauftragten berühren, rechtzeitig zu beteiligen und ihr die erforderlichen Auskünfte zu erteilen. Dies gilt insbesondere in Personalangelegenheiten“, fordert das Gesetz.

Angelika Saupe hat seit September 2014 an 95 Personalauswahlgesprächen teilgenommen. Sie wirkte mit am Gleichstellungsplan und in den Verwaltungsgremien zum betrieblichen Gesundheitsmanagement und zu Verbesserungsvorschlägen.

Acht Stadtmitarbeiterinnen wurden in der Gleichstellungsstelle beraten. Dabei ging es um Umsetzungen, befristete Verträge, Höhergruppierungsanträge, Konflikte am Arbeitsplatz und Fortbildung. Die wurde auf Landkreisebene angeboten zu den Themen: „Vom guten Umgang mit Gefühlen. Die Prinzipien intelligenter Gefühlsregulation“; „Festgefahren kommt da noch was? Wie Sie Stillstand und Routine in ihrem Alltag überwinden“; „Innere Stärke für den Alltag. Wie Sie Ihr psychisches Immunsystem stärken.“ Oder auch „Täglich grüßt das Murmeltier, Auswege aus kommunikativen Sackgassen und Wortgefechten“ beziehungsweise „Jetzt mach ich, was ich will . Wie Sie Ihre Vorsätze in die Tat umsetzen.“ Auch um Wertschätzung im Berufsalltag geht es. Zwölf Mitarbeiter-innen besuchten solche Kurse.

Raumpflegerinnen mit Migrationshintergrund wurden sprachlich gefördert.

36 Beratungsgespräche hatte die neue Achimer Gleichstellungsbeauftragte binnen eines Jahres geführt. Die Themen waren Trennung und Scheidung, Erziehungsberatung, frühe Hilfen bei Schwangerschaft und Geburt, Kinderbetreuung, Mutterschutz, Arbeitsplatzprobleme und Wohnungssuche. Besonders alleinerziehende Frauen hatten Schwierigkeiten, eine Wohnung zu bekommen.

Beim Wiedereinstieg im Beruf für Alleinerziehende arbeitet die Stelle mit der Agentur für Arbeit zusammen.

Im Herbst soll es in einer Veranstaltungsreihe um Stressbewältigung gehen. Der Alltag zwischen Beruf, Familie, Ehrenamt und Freizeit werde immer hektischer. Frauen litten am meisten unter diesen Belastungen, meint Angelika Saupe. Achim beteiligt sich an der Reihe mit einem sportlichen Workshopangebot für Frauen: „Aikido – Der Weg zur Harmonie der Kräfte“.

Für das Gesundheitsmanagement innerhalb der Stadtverwaltung wurde eine Befragung der Beschäftigten gestartet, die jetzt ausgewertet werden und in Maßnahmen münden soll.

„Gewalt gegen Frauen“ ist ein ständiges Thema, das in vertraulichen Gesprächen zusammen mit anderen Stellen wie der Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt (BISS) in Verden sowie der Beratungsstelle Horizonte (Beratungsstelle des Awo-Kreisverbandes Verden für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene behandelt wird und am 25. November, dem Tag gegen Gewalt an Frauen, in Achim öffentlich thematisiert wurde. Die Aktionen richteten sich auch gegen Werbung, in der „Gewalt gegen Frauen oder Mädchen verherrlicht oder heruntergespielt“ werde.

Um Frauen in die Politik zu bringen, läuft ein Mentoring-Programm mit sechs Tandems aus interessierten Nachwuchspolitikerinnen und ihren Förderern.

Weitere Aktivitäten: die Ausstellung „Frauen im Aufbruch“‘ mit 24 Frauenporträts aus Bremen und dem Bremer Umland“ im Achimer Rathaus, biografische Berichte von Achimerinnen in der Stadtbibliothek, die Talkrunde zusammen mit Thedinghausen und Oyten „Im Spagat zwischen Familie und Beruf“ und das Projekt „Frauenorte“ zusammen mit Fischerhude, in dessen Mittelpunkt die im Dritten Reich hingerichtete Widerstandskämpferin Cato Bontjes van Beek steht. Ein Arbeitskreis von 15 Personen aus dem ganzen Kreis entfaltet die Aktivitäten.

In den nächsten Monaten will Angelika Saupe die Themen familienfreundliche Arbeitszeiten auch für Väter, gleiche Bezahlung der Geschlechter und Gleichstellungsplan der Stadt neben öffentlichen Veranstaltungen in den Vordergrund rücken.

Der Stadtrat hat übrigens ihren Bericht in einer langen Sitzung kommentarlos zur Kenntnis genommen, was Ratsvorsitzender Hans-Jürgen Wächter als Zustimmung wertet.

mb

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