Bürgermeisteranfrage auf Rektorenebene

Gewalt gehört in einigen Achimer Schulen zum Alltag

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Gewalt an Schulen – in diese Rubrik werden nicht nur drastische Auseinandersetzungen wie auf diesem gestellten Bild, sondern zum Beispiel auch Schubsen, Mobbing oder An-den-Haaren-Ziehen eingeordnet. Die Rückmeldungen von neun Achimer Schulleitungen auf eine Nachfrage des Bürgermeisters zum Thema fielen sehr unterschiedlich aus.

Achim - Gewalt gehört an manchen Achimer Grundschulen offenbar zum Alltag, während sie in anderen kaum ein Problem darstellt oder durch Streitschlichtereinsatz und andere deeskalierende Maßnahmen wieder abnahm. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Achimer Verwaltung unter den Schulleitungen.

Antworten gab es aus sechs Grundschulen und drei weiterführenden Schulen, teilt Bürgermeister Rainer Ditzfeld jetzt in einer Sitzungsun- terlage für den Schulausschuss mit.

Demnach gehören in der Grundschule Bierden „sowohl verbale als auch körperliche Gewaltausschreitungen zum Alltag“ und nehmen tendenziell zu. Die Gewalt richte sich sowohl gegen Schüler, als auch gegen Lehrer und Eltern. Auf Nachfrage dieser Zeitung wollte sich Schulleiterin Anke Reinhold nicht dazu äußern, ob es sich um eher leichtere oder gravierendere Fälle handele. Sie werde Näheres zur Lage im Schulausschuss am 24. September erläutern. Der tagt an jenem Montag ab 17.30 Uhr im Ratssaal.

Schulleiterin Nobis: Viel zu pauschale Aussagen

Die Grundschulen am Paulsberg und in Uesen meldeten der Stadtverwaltung, dass es dort in jüngster Zeit keine gravierenden Gewalttätigkeiten gab, die „Erziehungsmittel“ erfordert hätten. Das Thema werde aber im pädagogischen Alltag bearbeitet.

„Einzelne Vorkommnisse“ räumte die Grundschule Baden ein. Bestimmte Klassenzusammensetzungen verstärkten die Gewaltgefahr offenbar ebenso wie ein bevorstehender Ferienbeginn.

„Kollisionen von ethnischen und kulturellen Unterschieden auf engstem Lebensraum“ führten in der Astrid-Lindgren-Schule (ALS) „zu gewaltsamen Auseinandersetzungen in verschiedensten Formen“, wird die Aussage der dortigen Schulleitung zusammengefasst. Die Gewalt nähme trotz verschiedener Deeskalationsbemühungen zu. Ein „Stadtteiltisch“ mit Fachleuten und Vertretern verschiedener beteiligter Gruppen solle nun Strategien und Maßnahmen zum Eindämmen entwickeln.

Oft auch Sprachprobleme

„Wir haben kein Gewalt-, sondern ein Sprachproblem“, korrigierte ALS-Schulleiterin Claudia Nobis selbst jedoch gegenüber dieser Zeitung die „zu pauschalen Aussagen“ im Verwaltungspapier. Bei rund 75 Prozent Schülern mit Migrationshintergrund aus verschiedensten Ländern entständen etwa beim Spielen schnell Missverständnisse, wenn ein Kind nur seinen Namen höre, weiter nichts verstehe und sich vielleicht verunglimpft fühle.

Dazu kämen noch verschiedene Erziehungsansätze in unterschiedlichen Kulturen sowie manchmal auch fehlender Respekt voreinander und fehlende gemeinsame Vorbilder an der Schule.

Es werde zwar sehr viel Präventionsarbeit geleistet, doch sei vor allem auch eine „andere Durchmischung der Klassen“ wünschenswert, um Konflikte zu verringern.

Sie wolle nicht für andere Kolleginnen sprechen, aber ihrer Kenntnis nach sei das Gewaltproblem an Achimer Schulen insgesamt vergleichsweise gering, fasst die Leiterin der Astrid-Lindgren-Grundschule zusammen.

An der Grundschule Taten rückläufig

An der Grundschule Uphusen sei die Zahl der Gewalttätigkeiten rückläufig, berichtete Konrektorin Astrid Degenhardt. Die Ausbildung von Streitschlichtern und ein zusammen mit Polizei und Schul-Sozialarbeiterin ausgearbeiteter „Notfallplan“ hätten das bewirkt.

Unter Gewalt an der Grundschule fielen im Übrigen auch leichtere Fälle wie An-den-Haaren-Ziehen, Schubsen, Tritte oder Nicht-Mitspielen-Lassen, verdeutlicht Astrid Degenhardt.

Einzelne „Gewaltandrohungen verbaler und körperlicher Art“ kamen laut Schulleitung im bisherigen fünften Jahrgang der neuen Achimer Integrierten Gesamtschule (IGS) ebenfalls vor. Als Präventivmaßnahme habe sich die Thematisierung in den Klassenteams und im Klassenrat bewährt.

Präventionskonzept wird angepasst

Von Cyber-Mobbing über Beleidigungen – auch gegenüber Lehrkräften – bis hin zur Körperverletzung gab es Gewaltfälle im Alltag der Liesel-Anspacher-Schule, teilt die dortige Leitung mit. Das Präventionskonzept werde mit Hilfe der Schul-Sozialarbeiterin regelmäßig aktuellen Gegebenheiten angepasst und ermögliche bei groben Verstößen „rasche Reaktionen mit Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen“.

Die Realschule ordnet zwar Gewaltvorfälle ebenfalls unter „pädagogischer Alltag“ ein. Außer beim Cybermobbing sei aber kein Anstieg zu verzeichnen. Das Vorgehen bei Vorkommnissen werde mit der Schul-Sozialarbeiterin abgestimmt, „und es gibt eine interne Vernetzung“.

Anlass zu Ditzfelds Erkundigungen war eine Anfrage von CDU-Ratsherr Rüdiger Dürr zur aktuellen Situation in Sachen Gewalttätigkeiten. Die Rückmeldungen bestätigten, dass das Thema in den Schulen breit diskutiert, als Herausforderung begriffen und auch im pädagogischen Alltag thematisiert werde, hält der Bürgermeister unter anderem als Resümee fest.

la

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