Geschäfte auch in Oyten

Gestohlene Autos, gefälschte Papiere, getäuschte Käufer

Achim - Offenbar nur als kleineres Rädchen in Diensten einer größeren Bande war der 49-jährige Mann aus Hamburg aktiv. Auf Hehlerei, Betrug, Urkundenfälschung und Fahren ohne Fahrerlaubnis lautete die Anklage gegen ihn vor dem Achimer Schöffengericht. Den Verkauf eines BMW X 6 für 25.000 Euro und eines Range Rovers hatte er abgewickelt – beziehungsweise abwickeln wollen. Beide Fahrzeuge waren zuvor gestohlen worden.

Mit einem auf einen anderen Namen lautenden Personalausweis war der Angeklagte unterwegs gewesen, um die Wagen nach eigener Aussage unweit der mit den Käufern vereinbarten Treffpunkte zu übernehmen. Die Kennzeichen dieser Autos waren gefälscht. Das galt ebenso für die dazugehörigen Papiere, und bei den Schlüsseln handelte es sich um nachgefertigte Rohlinge. Auf einer Internet-Plattform wurden die Fahrzeuge zum Verkauf angeboten. Ort des Deals war in einem Fall ein Bowlingcenter an der Autobahn und beim zweiten Mal die Straße „Unter den Eichen“ in Oyten.

Aus diesem Treffen wurde nichts, weil der Mann aus Hamburg vorher in eine Polizeikontrolle geriet. Dabei fiel den Ordnungshütern schnell auf, dass mit den vorgezeigten Dokumenten etwas nicht stimmte und auch kein gültiger Führerschein vorhanden war. Der Rover wurde umgehend sichergestellt.

Vor Gericht ging es erst einmal darum, in welchem Umfang der Beschuldigte über weitere Hintergründe der Geschehnisse – alles passierte bereits im März und April 2016 – aussagen müsse. Der Verteidiger gab zu bedenken, dass sich sein Mandant vielleicht zusätzlich selbst belasten würde. So gab es dann zwar das vom Staatsanwalt eingeforderte „qualifizierte Geständnis“ zu den angeklagten Taten. Von wem er jeweils das gestohlene Fahrzeug zum Kauf übernommen und an wen er das Geld danach abgeliefert hatte, verriet der 49-Jährige nicht. Von 25. 000 Euro für den BMW durfte er selber 3 .000 behalten.

„Mein Leben ist nicht so gut gelaufen“

Für Richter Andreas Minge lag die Vermutung nahe, dass eine Frau, mit der der Angeklagte zeitweise liiert gewesen war und unter der gleichen Adresse wohnte, ihn zu den Autoübergaben animiert hatte. Die Betreffende hat einen osteuropäisch klingenden Familiennamen. Der sei im Hamburger Bereich nicht ganz unbekannt, deutete der Verteidiger an. Der Angeklagte widersprach den Vermutungen des Richters nicht sonderlich energisch.

Die „Hintermänner“ der Geschäfte mit gestohlenen Autos seien inzwischen bekannt und ebenfalls angeklagt, teilte Minge außerdem mit.

„Mein Leben ist nicht so gut gelaufen“, berichtete der Angeklagte. 21-mal ist er vorbestraft – allerdings überwiegend wegen kleinerer Delikte wie Schwarzfahren oder Fahren ohne Führerschein. Der 49-Jährige bekam wegen einer Persönlichkeitsstörung vor einigen Jahren einen Betreuer von der Ambulanten Sozialpsychiatrie (ASP) zur Seite gestellt, und er leidet unter einem Tumor.

Der ausgebildete Schlosser ist inzwischen als Maler tätig und seit den Autodeals nicht mehr straffällig geworden. Sein Betreuer bescheinigte ihm eine günstige berufliche Perspektive, auch echten Arbeitswillen und Ordnungsliebe, was die Wohnung angehe.

Das Urteil lautete auf 21 Monate Gefängnis, auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Weiter verhängte das Gericht eine zweijährige Führerscheinsperre und verpflichtete den Angeklagten zu 75 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Dazu kommen 1. 000 Euro Geldstrafe. 

la

Rubriklistenbild: © dpa-tmn

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