CDU-Mann Dürr greift Gleichstellungsbeauftragte an

Giftige Debatte im Achimer Stadtrat: „Geschlechterunterschiede nicht leugnen“

Gleichstellungsbeauftragte Angelika Saupe.
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Im Disput: Angelika Saupe.

Achim – Unerwartet giftige Töne kamen am Donnerstagabend in die Ratssitzung im Kasch, nachdem Dr. Angelika Saupe, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, ihren Tätigkeitsbericht vorgetragen hatte. Rüdiger Dürr (CDU) mokierte sich heftig über das „Gender Mainstreaming“.

Was war passiert? „Das Ziel der Gleichstellungsbemühungen aller Kommunen sollte es sein, in allen Fachbereichen und bei allen Verwaltungsaufgaben stets den Blick auf die Gleichstellungsfrage beziehungsweise einen geschlechtersensiblen Blick mit einzubeziehen“, hatte Saupe die vom Land Niedersachsen vorgegebene gesetzliche Grundlage für ihre Arbeit zitiert. Diese Anforderung werde insgesamt mit dem Prinzip des Gender Mainstreaming beschrieben.

Das Bundesfamilienministerium habe das wie folgt definiert: „Der internationale Begriff Gender Mainstreaming lässt sich am besten mit Leitbild der Geschlechtergerechtigkeit übersetzen. Das bedeutet, bei allen gesellschaftlichen und politischen Vorhaben (und Entscheidungen) die unterschiedlichen Auswirkungen auf die Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern grundsätzlich und systematisch zu berücksichtigen.“

In Achim sehe sie noch Luft nach oben, sagte Saupe. So seien nur 13 Prozent der Kräfte bei der Stadtfeuerwehr weiblich, während es in Krippen und Kitas kaum männliche Beschäftigte gebe. Noch immer arbeiteten Frauen eher im sozialen Bereich, wohingegen Männer oft ehrenamtlich Vereine führten.

CDU-Mann Rüdiger Dürr.

Er könne das Gerede vom Gender Mainstreaming nicht mehr ertragen, echauffierte sich Dürr nach Saupes Vortrag. „Damit werden Geschlechterunterschiede von Männern und Frauen geleugnet.“ Diese „Ideologie“ sei dazu angetan, traditionelle Familienbilder zu untergraben. Auch würden damit die deutsche Sprache und Grammatik zerstört, beklagte Dürr. Das „Gender-Sternchen“ sei vielen ein „Gräuel“.

„Man darf Intellektualität nicht mit Rückwärtsgewandtheit verwechseln“, entgegnete Cornelia Schneider-Pungs (SPD). Ute Barth-Hajen (Grüne) zeigte sich „schockiert über diese Verweigerung von Gleichstellung“. Und Saupe fand Dürrs Äußerungen „erschreckend“.  

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