Geschichtswerkstatt schenkt Bürgermeister 19 Bände zur Achimer Geschichte

Schriftliche „Puzzlestücke“ von zeitlosem Wert

Bürgermeister Rainer Ditzfeld (Mitte) wirft schon mal einen Blick in einen der Achimer Geschichtshefte, die ihm der erste Vorsitzende der Geschichtswerkstatt Karlheinz Gerhold (rechts) gemeinsam mit Stellvertreter Helmut Köhler und Werner Esdohr (v.r.) überreicht.
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Bürgermeister Rainer Ditzfeld (Mitte) wirft schon mal einen Blick in einen der Achimer Geschichtshefte, die ihm der erste Vorsitzende der Geschichtswerkstatt Karlheinz Gerhold (rechts) gemeinsam mit Stellvertreter Helmut Köhler und Werner Esdohr (v.r.) überreicht.

Achim - Wichtige Schriftstücke gehen nahezu täglich über den Schreibtisch des Achimer Bürgermeisters. Doch was der Vorstand der Geschichtswerkstatt nun Rainer Ditzfeld überreichte, hat gewissermaßen zeitlosen Wert: Eine Kassette mit allen 19 bisher erschienenen Bänden der Achimer Geschichtshefte wechselte den Besitzer.

„Die Hefte behandeln eine Bandbreite von Themen, die ganze Regionalgeschichte ist darin enthalten“, sagt Karlheinz Gerhold, Vorsitzender der Achimer Geschichtswerkstatt.

Die Achimer Geschichtshefte erscheinen seit 1988, zwei Jahre nach der Vereinsgründung 1986, in unregelmäßigen Abständen – in der Regel pro Jahr ein Band. „Dieses Jahr haben wir zwei geschafft“, betont Gerhold. Diese Hefte behandelten beide das Thema Erster Weltkrieg, denn 2014 jährte sich der Ausbruch dieses weltumspannenden Ereignisses zum 100. Mal.

„Themen haben wir genug“, stellt Gerhold fest, „aber es hängt an den Leuten, die es produzieren.“ In diesem Zusammenhang hebt er die unschätzbare Arbeit von Geschichtswerkstatt-Mitglied Werner Esdohr hervor, der sich seit dem zwölften Heft um die Gesamtproduktion kümmert. Neben der vorhandenen Manpower sei auch die Finanzierung ein wichtiger Faktor – „und wir müssen uns bemühen, dass es auch in unser Jahresprogramm passt“, so Gerhold.

Die Schriftstücke werden nicht in fester Auflage hergestellt, es schwankt zwischen 100 und 120 Exemplaren. Ein Spitzenwert war einmal mit 700 Kopien erreicht. Das heute tendenziell eine geringere Stückzahl der Büchlein auf dem Markt ist, hängt aber auch damit zusammen, dass man keine feste Auflage mehr bestellen muss. „Wir drucken jetzt erstmal 100, und wenn mehr gebraucht wird, können wir unsere guten Kontake zu den Buchhandlungen ‚Hoffmann‘ und ‚Bücherwurm‘ nutzen“, erzählt Gerhold. Der Preis hat sich in etwa gehalten: Kosteten die Achimer Geschichtshefte anfänglich 5,80 DM, sind sie nun für 3 Euro zu haben.

Eins der beliebtesten Hefte dreht sich um die Widerstandskämpferin Cato Bontjes van Beek (Heft 7, 1994). Zur feierlichen Namensgebung des Achimer Gymnasiums erschien sogar Altbundeskanzler Helmut Schmidt

Cato Bontjes van Beek

kontrovers diskutiert

als Gastredner. Die Namensänderung der Schule zu Ehren Cato Bontjes van Beeks fand aber nicht nur Befürworter. Gerade auch aus dem linkspolitischen Spektrum hieß es, dass solche symbolischen Gesten stets nur dazu dienten, die tatsächlichen geschichtlichen Figuren dem Vergessen anheim fallen zu lassen. Und mit dieser Frage setzte sich das Heft argumentativ auseinander. „Das war sehr spannend und schlug auch bundesweit Wellen“, erinnert sich Karlheinz Gerhold. Der Band sei mittlerweile vergriffen, könne aber bei Interesse nachbestellt werden.

Dankbar ist der Vorsitzende der Geschichtswerkstatt, dass Privatpersonen immer wieder Schriftstücke und andere Dokumente zur Achimer Geschichte liefern. „Wenn wir einen Aufruf starten, kommt jedesmal was.“ 100 Jahre erster Weltkrieg war so ein Anlass, der dem Verein jede Menge unbekanntes Material einbrachte. So steuerte etwa der 90-Jährige Embser Volkmar Lohmanns ein historisches Foto bei, auf dem sein Vater am 2. August 1914 mit anderen Reservisten zur Entsendung an die Front aufgestellt werden. Ein weiteres Beispiel ist die Kriegschronik des ehemaligen Marktschulleiters Johann Hemsoth. „Die haben wir von Sütterlin in die heutige Schrift transkribiert“, berichtet Werner Esdohr.

Derlei spannende persönliche Geschichten kennt Bürgermeister Rainer Ditzfeld auch von 90. und 95. Geburtstagen, die er als Stellvertreter seit vielen Jahren besucht. „Wenn die alten Leute dann von früher erzählten, flossen bei den Kindern auch schon mal die Tränen. Es ist einfach unwahrscheinlich wertvoll, so etwas aufzuschreiben“, betont Ditzfeld. Wie bei einem Puzzle vervollständige sich durch die Berichte über Einzelschicksale das Bild der Achimer Geschichte.

Darum würde sich die Geschichtswerkstatt freuen, wenn noch mehr Bürger sich an den Verein wenden würden, sofern ihnen bei einer Entrümpelung alte Dokumente in die Hände fallen. „Da geht nichts verloren“, versichert Gerhold.

Wer also eigenes Material beisteuern möchte, kann sich an Karlheinz Gerhold unter Tel. 04202/71805 oder Helmut Köhler unter Tel. 04202/7650930 wenden. Dort lassen sich auch vergriffene Exemplare der Achimer Geschichtshefte nachbestellen.

ldu

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