Geschäftsführer Jarick: „Insolvenzverfahren hat uns genutzt“ / Weniger Filialen

Achimer Stadtbäckerei steht nach Beinahe-Pleite gut da

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Geschäftsführer Karsten Jarick und seine Ehefrau Ricarda, die Inhaberin des Betriebs mit Hauptsitz im Gewerbepark Uesen ist, sehen die Achimer Stadtbäckerei für die Zukunft gerüstet.

Achim - Die Achimer Stadtbäckerei mit ihrem Markennamen „Garde – der gute Bäcker“, die in den vergangenen Jahren böse ins Schlingern geraten war, hat die unternehmensbedrohende Krise überwunden. „Wir sind aus dem Involvenzverfahren sogar gestärkt hervorgegangen“, betonte Geschäftsführer Karsten Jarick gestern bei einem Pressegespräch.

Die mehr als 100 Jahre alte Achimer Stadtbäckerei mit Hauptsitz im Gewerbepark Uesen hatte 1995 das Bremer Traditionsunternehmen Garde geschluckt, wurde im Jahr 2000 aber selbst Bestandteil der Siebrecht-Gruppe. Diese war nach Angaben von Jarick eine der größten deutschen Handwerksbäckereien und besaß 300 Filialen in West-, Ost- und Norddeutschland, geführt in drei eigenständigen Betrieben. Doch eine anhaltende Ertragskrise im Mutterhaus im nordrhein-westfälischen Brakel sei im Frühjahr 2013 in Insolvenzanträge für alle drei Bereiche gemündet.

Viele befürchteten damals das Aus für das bedeutende Achimer Unternehmen, das lange von der Familie Stadtlander betrieben worden war. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) sah einen Großteil der 550 Stadtbäckerei-Arbeitsplätze in Gefahr.

Während der Phase der Insolvenz bis Ende vergangenen Jahres seien alle drei Betriebe „völlig getrennt“ betrachtet worden, berichtet Jarick. Im Ergebnis habe das dazu geführt, dass Siebrecht in Brakel „abgewickelt“ und das Erfurter Standbein veräußert wurde. Die Achimer Stadtbäckerei GmbH & Co. hingegen, „die bereits vor der Insolvenz positive Erträge erzielte“, habe das Verfahren genutzt, um „strukturelle Anpassungen“ vorzunehmen.

So würden jetzt 95 Prozent der angebotenen Produkte wieder im eigenen Werk hergestellt und nur noch ein kleiner Teil dazugekauft. Zudem seien die Filialen in Hamburg und Oldenburg aufgegeben worden. „Wir konzentrieren uns jetzt ganz auf das Kerngebiet Bremen und umzu sowie Cuxhaven“, sagt der Geschäftsführer.

Statt der vorher 60 Filialen gebe es nun noch etwa 45 Verkaufsstellen. Die Zahl der Beschäftigten dort, in der Produktion und Verwaltung sei auf 450 reduziert worden. Für alle Mitarbeiter, von denen 50 Auszubildende sind, gelte ein mit der NGG abgeschlossener Haustarifvertrag.

Karsten Jarick sieht die Achimer Stadtbäckerei für die Zukunft gut gerüstet. Die Eigenkapitalquote des Unternehmens liege bei mehr als 40 Prozent der Bilanzsumme. „Damit dürften wir deutlich kapitalstärker sein als unsere relevanten Wettbewerber in Bremen und Umgebung.“

Trotzdem räumt der 50-Jährige ein, dass die Branche „sehr schwierig“ sei. Insbesondere die Backstationen bei den Discountern machten den herkömmlichen Bäckereien zu schaffen.

Dank des Bekanntheitsgrads des Markennamens und der „erstklassigen handwerklichen Qualität unserer Produkte“ geht Jarick dennoch davon aus, dass die Stadtbäckerei die „Marktführerschaft in der Region“ behaupten könne. Mit dazu beitragen sollen attraktive Ladenbaukonzepte, die an neuen Café-Standorten in Cuxhaven und Ganderkesee bereits erfolgreich umgesetzt worden seien. Am morgigen 1. Juli werde die Filiale an der Obernstraße 29 in Achim nach einem Umbau wiedereröffnet.

mm

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