Achimer warnt vor „Kaffeefahrt“-Werbung

Geschäft mit trügerischen Versprechen

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Die vermeintliche Gewinnbenachrichtigung kommt mit der Post.

Achim - „Herzlichen Glückwunsch, Frau Schaa, Sie haben tatsächlich gewonnen“ – diese Worte stehen fett gedruckt in einem Brief, der das Siegel der „Deutschen Post“ und den Absender Neon Touristik, Postfach 2124, 49651 Cloppenburg, trägt. Den fand das Ehepaar Schaa aus Achim am Dienstag in seinem Briefkasten. Doch weder Hartmut Schaa noch seine Frau haben an einem Preisausschreiben teilgenommen. Sie vermuten hinter der Gewinneinladung vielmehr ein Lockangebot zu einer sogenannten Kaffeefahrt, bei der aber gezielt Senioren abgezockt werden sollen.

Hartmut Schaa zufolge ging das Schreiben auch an einige seiner Nachbarn, per Postwurfsendung. Er selbst sei den trügerischen Versprechen zwar nicht auf den Leim gegangen. „Aber ich möchte andere, gerade ältere Leute, warnen, damit sie nicht drauf hereinfallen“, sagt der 75-Jährige.

Denn das Schreiben ist geschickt aufgebaut. Von einem „Energiegewinnspiel“ ist eingangs allgemein die Rede. Dann geht es zur Sache: Zur „festlichen Gewinnübergabe“ soll es am 15. September per Bus und Schiff zu den Borkumer Insel-Fest-Wochen gehen. Neben den Schaas sind noch zwei weitere Gewinner aufgeführt, möglicherweise, um die Offerte authentisch wirken zu lassen. An Gewinnen werden „3 x 800 Euro in Bar“ oder „1 Monat Heizkostenbefreiung“ versprochen. Des weiteren nehme man an der Auslosung für ein „E-Fahrrad / Wertpreise 999 Euro“ teil. Mitfahrer erhielten „kostenlos“ einen „Transfer zur Gewinnauszahlung und zurück“ sowie ein „gutes und reichhaltiges Frühstück und Mittagessen“. Als Dreingabe für Ehepaare stehe ein 7,5 Kilo schwerer Serrano Schinken, komplett am Stück mit Halterung, Schürze und Schinkenmesser, bereit. Kurios: Die „Auszahlung der Gewinne an Sie persönlich“ wird auch als „kostenlos“ angepriesen.

Erst ganz zum Schluss erfährt der Adressat, worum es wirklich geht, vermutet Harmut Schaa: Den Teilnehmern steht, ebenfalls gratis, „ein kostenloses Besichtigungsprogramm in der Reiseregion“ bevor. Die Busreise diene den Veranstaltern dann als Forum für unseriöse, völlig überteuerte Verkaufsangebote, glaubt Schaa.

Wie geschickt die Anbieter solcher als Gewinnübergabe getarnten Verkaufsreisen vorgehen, weiß auch Helge Cassens, Pressesprecher der Polizeiinspektion Osterholz/Verden. „Das kommt immer wieder vor. Aber man kann solche Postwurfsendungen auch nicht pauschal verbieten, das ist eine Grauzone.“ Denn entscheidend sei für die polizeiliche Verfolgung nicht, ob jemand moralisch verwerflich handelt, sondern, ob etwas strafrechtlich relevant ist. „Und wer solche Wurfsendungen macht, weiß genau, was strafbar ist.“ Darum würden gegen die Drahtzieher solcher Abzocke auch nur selten prozessiert.

Betroffenen rät Cassens trotzdem, zur Polizei zu gehen. Dann müsse jeweils im Einzelfall bewertet werden, ob eine Straftat nachgewiesen werden kann.

 ldu

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