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Gelée Royal macht die Königin

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Von: Dennis Bartz

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Auch in den Wintermonaten sind Bienen unterwegs, wenn es warm genug ist.
Auch in den Wintermonaten sind Bienen unterwegs, wenn es warm genug ist. © Bartz

Um klebrig-süßen Brotaufstrich geht es im zweiten Teil unserer Sommerserie „Von hier & handgemacht“. Olaf Mindermann aus Baden spricht über seine Leidenschaft für die Imkerei.

Baden – Steigende Energie- und Transportkosten sorgen im Moment dafür, dass viele Produkte teurer werden. Angesichts von mehr als 20 000 Flugstunden, die zur Gewinnung von nur einem Kilo Honig nötig sind, müsste der Preis für den süßen, goldgelben und klebrigen Brotaufstrich eigentlich in astronomische Höhen steigen – doch das passiert nicht.

Denn die Produzenten, fleißige Honigbienen, verbrauchen bei ihren etwa 400 000 Ausflügen zu mehr als sechs Millionen Blüten keinen Tropfen Kerosin – ihr Antrieb ist frei verfügbarer Nektar. Gut für Imker wie Olaf Mindermann aus Baden, die den Honig selbst ernten und damit regional handeln.

Seit 2010 ist Mindermann Imker. Damals ist er in die Fußstapfen seines Großvaters getreten, der drei Bienenvölker in Sagehorn hatte. Wer wie er Imker werden möchte, muss dafür keine Ausbildung machen. Ein Klick genügt: Bienenvölker gibt es im Internet schon ab einem Preis von etwa 150 Euro. „Aber es ist sinnvoll, einen Kurs beim Imkerverein zu machen und auch dort Mitglied zu werden. Denn die Praxis spiegelt sich nicht in Fachbüchern wider“, betont Olaf Mindermann.

Das Interesse an der Hobby-Imkerei wächst. Das spürt auch der Achimer Imkerverein, der auf nun 140 Mitglieder angewachsen ist. Dort ist Mindermann als Beisitzer im Vorstand. Anders als die meisten aktiven Imker, die ihren geernteten Honig im Freundes- und Bekanntenkreis sowie in der Nachbarschaft anbieten, handelt Olaf Mindermann „im größeren Stil“ – unter anderem bei eBay-Kleinanzeigen, über seine eigene Internetseite www.honig-aus-achim.de und auf lokalen Plattformen. Außerdem ist er mit seinem Stand regelmäßig zu Gast bei Kunsthandwerkermärkten.

Ein Anzug schützt Olaf Mindermann vor Bienenstichen.
Ein Anzug schützt Olaf Mindermann vor Bienenstichen. © Bartz

Um die steigende Kundennachfrage zu decken, müssen sich seine Bienen ordentlich ins Zeug legen. Aktuell ist Mindermann Herr über zwölf Völker, die in Baden, Bassen und Embsen beheimatet sind. „Sieben davon sind sogenannte Wirtschaftsvölker, die Honig produzieren“, erklärt er. Der Rest befindet sich noch im Aufbau. So hat der Badener Hobbyimker erst vor wenigen Wochen zwei Schwärme   eingefangen. „Die Bienen fangen nun bei null an und bauen gerade erst ihr Wabenwerk. Sie werden erst im kommenden Jahr Honig liefern“, erklärt Mindermann, der hofft: „In der nächsten Saison werden sie so richtig durchstarten.“

Schwärme bilden sich immer dann, wenn es in einem Bienenstock zu eng wird oder die Tiere dort zu wenig zu tun haben, erklärt der Experte. Sie ziehen dann eine zweite Königin heran. Dafür bauen die Tiere eine normale Wabe, in der das Ei einer Arbeiterin liegt, in eine Königinzelle um, die geräumiger ist und exklusiven „Zimmerservice“ bietet: Anders als normale Bienen, die nur drei Tage mit einem speziellen Saft versorgt werden, erhält die ausgewählte Larve über einen längeren Zeitraum die Königinnenspeise namens Gelée Royal, die sie größer, stärker und fruchtbarer als ihre künftigen Untertanen macht. Ist die auserkorene Königin groß genug, spaltet sich ein Bienenschwarm mit einer Größe von etwa 10 000 Bienen ab und begründet ein neues Volk, dem dann später etwa 40 000 Tiere angehören. Zusammen wiegen die Bienen dann etwa vier Kilogramm. „Denn jede ist etwa 0,1 Gramm schwer“, erklärt Mindermann.

Nicht alle Bienenvölker haben einen festen Platz – einige werden vom Imker für die Blütezeit mit ihrem Stock in die Nähe von Rapsfeldern oder in Wälder umgesiedelt. Mindestens drei Kilometer muss der neue Standort entfernt sein, denn sonst finden die Bienen den Weg zurück. „Nach ein paar Tagen haben sie sich dort dann eingelebt“, erklärt Mindermann.

Ohne Bürokratie geht es auch beim Imkern nicht: Wer ein Bienenvolk hat, muss dieses beim Veterinäramt anmelden. Nur dann erhält er eine Entschädigung von der Seuchenkasse, wenn bei einem Volk die amerikanische Faulbrut nachgewiesen wird. Mindermann selbst war davon im Jahr 2013 betroffen. „Damals mussten zwei Völker von mir geschwefelt werden. Inzwischen übernehme ich selbst das Faulbrutmonitoring im Verein und wir sind im Moment faulbrutfrei in Achim.“

Die Bienen bauen fünfeckige Waben.
Die Bienen bauen fünfeckige Waben. © Bartz

Und so steht der Ernte nichts im Wege, die zweimal pro Jahr ansteht – in der sogenannten Frühtracht produziert jedes Volk von Olaf Mindermann im Schnitt etwa 20 Kilogramm Honig, bei der Sommertracht-Ernte Ende Juli bis Anfang August sind es sogar noch etwas mehr. Die beiden Sorten unterscheiden sich im Geschmack, Geruch und im Aussehen voneinander.

Auch wenn die fleißigen Saisonarbeiterinnen die meiste Arbeit alleine erledigen, gibt es auch für den Imker noch einiges zu tun. Wöchentlich muss er bei seinen Bienenvölkern nach dem Rechten sehen. Er achtet dabei unter anderem darauf, ob alle drei Brutstadien vorhanden sind. 48 Stunden vor der Ernte beginnen die Vorbereitungen. Dann baut Olaf Mindermann die Bienenkästen so um, dass seine Helferinnen den Honigraum zwar weiterhin verlassen, dorthin aber nicht mehr zurückkehren können. Das erleichtert die Entnahme der Waben – denn je mehr Bienen noch dort sind, desto größer ist die Gefahr, gestochen zu werden. Daran, dass es ihn trotz Schutzanzug regelmäßig erwischt, hat er sich in den vergangenen Jahren gewöhnt – besonders bei Gewitterluft. Um die Stiche zu behandeln, setzt er auf eine selbst angemischte Spitzwegerich-Tinktur.

Bevor die Waben in der heimischen Küche geschleudert werden, müssen sie mit einem sogenannten Entdeckelungsgeschirr geöffnet werden. Das ist bei Mindermann noch genauso Handarbeit wie das Schleudern selbst. Anschließend wird der gewonnene Honig zweimal gefiltert.

Damit er schön cremig bleibt, muss er in den folgenden Tagen morgens und abends gerührt werden. „Ansonsten wird er zu fest, weil sich Zuckerkristalle darin bilden und sich verbinden“, so Mindermann. Vor dem Abfüllen kommt der Honig trotzdem in einen auf 30 Grad Celsius beheizten Wärmeschrank. „Dadurch wird er noch flüssiger – ansonsten wird das Abfüllen eine sehr zähe, zeitaufwendige und meditative Angelegenheit“, sagt Mindermann und lacht.

Und was verdient so ein Imker mit dem Verkauf von Honig? Reich werde man damit leider nicht, erklärt Mindermann: „Ich mache das in etwa zum Selbstkostenpreis. Das Hobby verursacht einige Kosten – unter anderem für die Boxen, die regelmäßig erneuert werden müssen. Für den Winter bekommt jedes Volk zwischen 15 und 20 Kilogramm Futter. Am liebsten mögen sie Zuckerwasser und Sirup – Honig ginge natürlich auch, aber das wäre zu teuer.“

Tag der Imkerei

„Bienen helfen, Honig genießen, Klima schützen“ – so lautet das Motto des Tages der Imkerei am Samstag, 2. Juli, ab 15 Uhr auf der Obstwiese in Embsen, Kaninchenberg. Der Achimer Imkerverein lädt Bienenfreunde, Imkerei-Interessierte, Vereinsmitglieder und alle, die mehr über Bienen erfahren wollen, dazu ein. „Als Imker setzen wir uns seit Jahren nicht nur für die Honigbienen, sondern auch für bedrohte Wildbienen ein, indem wir das Nahrungsangebot verbessern und versuchen, Lebensräume zu schaffen“, teilt der Imkerverein mit. Es gibt Grillwürste und Getränke.

Wird es kalt, ziehen sich die Tiere in den Bienenstock zurück und wärmen sich. Das Ausflugsloch bleibt in dieser Zeit geöffnet – und von der Möglichkeit, hinauszufliegen, machen die Tiere auch im Winter Gebrauch, wenn die Temperaturen über zwölf Grad Celsius steigen.

Zusätzlich zum herkömmlichen Frühjahrs- und Sommerhonig bietet Imker Olaf Mindermann auch außergewöhnliche Sorten an. Kunden erhalten Variationen mit frischem Ingwer, gerösteten und gesalzenen Walnüssen, Chili, geröstetem Sesam, Mandeln oder Kurkuma. Es gab auch schon Honig mit Anis. „Der schmeckte dann ein wenig nach Ouzo“, beschreibt Mindermann. Eine weitere Sorte soll bald auf den Markt kommen – Honig mit gefriergetrockneten Orangen. Der Bienenexperte selbst isst ihn am liebsten pur – mitsamt Wabe. „Das Wachs kann man kauen und ausspucken“, so Mindermann. Wer im heimischen Schrank noch ein Glas mit Honig stehen hat, muss sich keine Sorgen machen, dass der bald abläuft: „Forscher haben Honig in Ägypten als Grabbeilage gefunden – der war immer noch genießbar. Mehrere Jahre hält er auf jeden Fall.“ Dann kann das nächste Sonntagsfrühstück ja kommen.

Unsere Sommerserie

Ob Konfitüre, Craft-Beer oder Kräuteressig – unsere Sommerserie „Von hier & handgemacht“ stellt Menschen aus dem Verbreitungsgebiet des Achimer Kreisblatts vor, die ihre Produkte im kleinen Rahmen vermarkten. Wer weitere Vorschläge hat, kann uns diese gerne per E-Mail an redaktion.achim@kreiszeitung.de schicken.

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