Dirk Oelbermann, Hauptinvestor beim Runken-Quartier, äußert sich zu Kritik an Planung

„Gegliederte Gebäudegruppen mit viel Grün“

Ansichten von der geplanten Bebauung auf dem Runken-Gelände an der Bremer Straße.
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Ansichten von der geplanten Bebauung auf dem Runken-Gelände an der Bremer Straße.

Achim – „Zukünftig wahrscheinliche Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt sollten in eine gute Planung einfließen.“ Sagt Dirk Oelbermann, Hauptinvestor für das geplante Runken-Quartier an der Bremer Straße in Achim. Bei einer von der Stadt im Juni 2019 veranstalteten Einwohnerversammlung äußerten Bürger allerdings Vorbehalte gegen das Bebauungs- und Verkehrskonzept – Kritik, die das Ehepaar Tiedge unlängst in einem Leserbrief an diese Zeitung nochmal untermauert hat. Darin aufgeworfene Fragen zu dem Vorhaben hat Redakteur Michael Mix aufgegriffen und Investor Oelbermann um Antworten gebeten.

Warum werden in Zeiten des Klimawandels mit besonders heißen und trockenen Sommern Wohnklötze mit erheblicher Versiegelung von Flächen geplant? Wäre aufgelockerte Bebauung mit viel Grün drumherum nicht die bessere Lösung?

Wir planen drei Gebäude, die in neun Gebäudeteile gegliedert sind, mit rund 3 700 Quadratmetern Wohnfläche, davon sind etwa 25 Prozent sozial gefördert. Von den 58 Wohnungen (16 gefördert, 42 freifinanziert) sollen 34 ein bis zwei Zimmer und 24 drei bis vier Zimmer groß werden. Unsere Planung unterscheidet sich qualitativ erheblich von beliebiger Investorenarchitektur. Es werden keine „Betonklötze“ errichtet, sondern es entstehen gegliederte Gebäudegruppen, die in offener Bauweise in ein nachhaltiges Grünanlagen- und Landschaftskonzept eingebettet sind. Der Ausgestaltung dieses Grünraums gilt ein besonderes Augenmerk im Projekt. Eine Aufwärmung in „besonders heißen und trockenen Sommern“ ist nicht zu befürchten: Unser Konzept der technischen Gebäudeausstattung sieht Luft-Wärme-Pumpen-Heizungen vor, mit denen im Sommer gekühlt werden kann. Auf den Dächern wird eine Fotovoltaikanlage konzipiert, die mit den bereits auf den Dächern der Halle I (Sportstudio Tamado) und der Halle II (zukünftige Mobilitätsstation) vorhandenen Anlagen eine Gesamtleistung von mehr als 200 Kilowatt haben werden, die etwa 230 000 Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen können, welche bei einem Durchschnittsverbrauch pro Wohnung von rund 3 000 kWh/Jahr für die geplanten 58 Wohnungen rechnerisch ausreichen und dazu noch genügend Strom für den Betrieb der Luft-Wärme-Pumpen zur Verfügung stellen können. Ich strebe eine CO2-Neutralität und eine Energieautarkie für das Runken-Quartier an. Der zentrale „Runken-Platz“ soll zentraler Ort der Begegnung werden.

Die letzte Düne am Winterweg bietet Lebensraum für eine Vielzahl von Tieren, etwa für Wildbienen. Ist es nicht möglich, dieses Refugium für Flora und Fauna zu erhalten?

Unsere Planungen greifen die Düne nicht an. Soweit der Dünenfuß auf unser Grundstück reicht, wird er nicht bebaut.

Das Konzept für ein autoarmes Neubaugebiet mit nur einer kleinen Anzahl von Parkplätzen führt womöglich zu „Suchverkehr“ am Weizenkamp und den umliegenden Straßen. Müssen nicht mehr Stellplätze auf dem Gelände ausgewiesen werden? Und warum ist keine direkte Zufahrt von der Bremer Straße aus geplant?

Wir errichten in der Halle II eine Mobilitätsstation, die 80 bis 100 Stellplätze, insbesondere für Autos und E-Räder, aufweisen wird. Die genaue Zahl der Stellplätze soll durch ein von der Stadt Achim in Auftrag gegebenes Mobilitätsgutachten bis Ende des Jahres ermittelt werden, wobei die Gesamtmobilität, also auch Fahrräder und Fußgänger und nicht verengt auf den automobilen Individualverkehr, in den Fokus genommen werden soll. Von mir ist beabsichtigt, Mietverträge für die Wohnungen nur in Kombination mit der Anmietung eines Stellplatzes in der Mobilitätsstation oder auf dem Grundstück abzuschließen, um „Park-Such-Verkehr“ in der Nachbarschaft zu vermeiden. Wohnungen ohne Stellplatzbindung will ich nicht anbieten. Den angedachten Stellplatzschlüssel von 1,35 Stellplätzen pro Wohnung halte ich persönlich für zu hoch. Dieser berücksichtigt aktuelles, aber nicht zukünftiges Mobilitätsverhalten. Ich bin mir sicher, dass die ab 2021 einsetzende CO2-Bepreisung die Tendenz zur Nutzung alternativer Mobilitätsmittel anstelle eines eigenen Fahrzeugs exponenziell beschleunigen wird. Meine Prognose: Die Mobilitätsstation wird in fünf bis zehn Jahren halb leer sein.

Das Splitten der Zufahrt für die Nutzer der Bestandsimmobilien (Sportstudio, Physiotherapeuten, Orthopäden, Pflegeeinrichtung) von der Bremer Straße und für die Bewohner des Neubauviertels vom Weizenkamp oder vom Winterweg halte ich für sachgerecht. Übermäßiges „Fremdparken“ kann durch ordnungsrechtliche Maßnahmen wie Anwohnerparkrechte, Park- und Halteverbote öffentlich-rechtlich organisiert werden. Im Übrigen müssen sich alle Bürger daran gewöhnen, dass es keinen Rechtsanspruch auf exklusive Nutzung von Gemeinschaftsgütern wie Parkraum zur individuellen kostenlosen Nutzung – möglichst direkt vor dem eigenen Haus – gibt.

Was halten Sie vom von der Stadt angekündigten Arbeitskreis zum Runken-Quartier, bei dem sich auch Bürger aktiv einbringen können? Oder soll, wie es das Ehepaar Tiedge im Leserbrief formuliert, „über die Köpfe der Anwohner hinweg entschieden“ werden?

Einen Arbeitskreis halte ich für sinnvoll. Dieser muss vorbereitet, strukturiert und moderiert werden: An irgendeine Runde in der demokratisch nicht legitimierte Einzelpersonen sich zum Verteidiger eines angeblichen Gemeinwohles aufschwingen, hinter der sie nur ihre individuellen Interessen verstecken wollen, wäre nicht zielgerichtet. Außerdem befürchte ich erhebliche Zeitverzögerungen, da physische Treffen in den nächsten Monaten coronabedingt unwahrscheinlich sein werden, es sei denn, die Treffen finden zeitnah in Form von gut vorbereiteten Videokonferenzen statt. Demokratische legitimiert sind ausschließlich die gewählten Kommunalpolitiker.

Der „Runken-Platz“ mitten im Quartier soll zentraler Ort der Begegnung werden.
Das Konzept für das Projekt sieht etliche Grüninseln auf dem Areal vor. grafiken: oelbermann

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