Bürger schlägt Alarm

Birgt Windpark-Bau in Achim Gefahren für Umwelt und Gesundheit?

Die Baustelle des Unternehmens WPD.
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Das Unternehmen WPD versichert, sich an die gesetzlichen Auflagen gehalten zu haben.

Achim – Ist ein Teil der Zuwegung zum „Windpark Bollen“ womöglich Gift für die Umwelt? „Der Investor WPD hat Schlacken verbauen lassen, die zum Himmel stinken und das Zeug dazu haben, zu einem Problem zu werden, das die nächsten Generationen betrifft“, behauptet Stephan Hagemann. Die zuständige Behörde teilt diese Bedenken allerdings nicht und sagt, dass das verwendete Befestigungsmaterial unbedenklich sei.

Bei einem Spaziergang mit seinem Hund habe er sich vor Kurzem einen Eindruck von der auf Achimer Gebiet entstehenden Anlage verschaffen wollen, berichtet der Bremer Hagemann. Doch der Ausflug sei schnell vorbei gewesen. „Mein Hund mit seiner feinen Nase hat den Gassigang auf einem Wegstück mit bräunlich-schwarzem Untergrund nahe der Bollener Landstraße verweigert“, schildert das Mitglied der Bürgerinitiative „Nachbarschaft Bultensee“, die sich gegen den Bau von Windrädern an der Grenze zur Gemeinde Oyten richtet.

„Ich bin davon überzeugt, dass mit dem verwendeten Material etwas nicht stimmt. Es gilt, einen Umweltskandal aufzudecken“, sagt Hagemann. Er vermute, dass WPD für eine stabile Wegstrecke, die für den Transport der tonnenschweren Masten- und Rotorenkomponenten erforderlich sei, LD-Schlacke, ein Abfallprodukt der Stahlindustrie, verwendet habe.

Dieses Material wurde laut Hagemann auch beim Bau der Windkraftanlagen in Bremen-Hemelingen eingesetzt. In der dortigen untersuchten Schlacke habe sich unter anderem der polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoff (PAK) Benzopyren befunden. Und der sei giftig und umweltgefährlich und gelte als krebserregend. PAK wurden nach Medienberichten in Teilen des Hemelinger Grundwassers nachgewiesen.

Solch ein Fall dürfe sich nun im Achimer Außenbereich nicht wiederholen. Ein anerkanntes Umweltlabor solle feststellen, „wieviel Schwermetalle und krebserregende Kohlenwasserstoffe das Grundwasser sowie Feld und Flur gefährden“, fordert Stephan Hagemann.

Das Bremer Unternehmen WPD räumt ein, bei den Baumaßnahmen für den Windpark Bollen LD-Schlacke verwendet zu haben. Die strengen gesetzlichen Auflagen für den Einsatz von Recyclingmaterialien seien jedoch strikt eingehalten worden. „Wir haben ordnungsgemäß alle Unterlagen eingereicht, und die untere Bodenschutzbehörde hat hier eine Genehmigung erteilt“, antwortet Christian Schnibbe, Kommunikationsleiter bei WPD, auf Nachfrage.

Die Zuwegung zum Windpark Bollen enthält auch Recyclingmaterialien.

Der für die privaten Bau- und Zuwegungsflächen zuständige Fachdienst für Wasser, Abfall und Naturschutz beim Landkreis Verden bestätigt die Angaben des Unternehmens. „Uns sind von WPD Berichte von Laborprüfungen für LD-Schlacke vorgelegt worden. Aus unserer Sicht ist nach diesen Unterlagen alles unbedenklich“, teilt Sachbearbeiterin Melanie Winter-Lücking auf Nachfrage mit. Auch beim „meist besonders problematischen“ Chrom werde der gesetzliche Grenzwert unterschritten.

Der Einsatz von „Sekundärbaustoffen“ sei im Übrigen gewollt. Nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz sollen Abfälle, sofern sie nicht umwelt- oder gesundheitsschädlich sind, möglichst wiederverwertet werden, erläutert Winter-Lücking.

Auch Steffen Zorn, Leiter des Fachbereichs Bauen und Stadtentwicklung im Achimer Rathaus, gibt Entwarnung. Die Stadt habe bei VorOrt-Kontrollen auf öffentlicher Fläche „keine Verstöße gegen die vertraglich vereinbarten Regeln, als Wegebaumaterial nur Natursteinmaterialien zu verwenden, festgestellt“. Die Einhaltung der Vorgaben werde weiter überprüft. Der Vorhabenträger, fügt Zorn hinzu, sei nochmal darauf hingewiesen worden, diese zu befolgen.

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