Achimer Legogeschäft KiSebA macht Schlagzeilen

Gebrauchte Lego-Steine für die Welt

Der Inhaber des Spielwarengeschäft KiSebA, Sebastian Kirst, mit Legoköpfen. Foto: C.Jaspersen/Archiv

Achim - „Gebrauchte Lego-Steine im Kilomaß: Aus Niedersachsen in die Welt“ ist ein Artikel der Deutschen Presseagentuer von Helmut Reuter betitelt. Es geht um das Achimer Spielwarengeschäft KiSebA und dessen dessen ganz besondere Spezialität: Bei 40 Grad gewaschene, schon benutzte Legosteine. Sie werden paketeweise sogar bis nach Saudiarabien und Brasilien exportiert. Hier der Bericht :

Über dem Tresen schwebt ein Supersternen-Zerstörer der Executor-Klasse. In der „Star Wars“-Welt ein Schrecken, an Bord kein Geringerer als Kommandant Darth Vader. Selbst im Lego-Laden KiSebA im niedersächsischen Achim spüren echte Fans noch etwas von der „dunklen Macht“, auch wenn der graue Zerstörer hier nur 124,5 Zentimeter misst und aus 3000 Lego-Teilen besteht. „Da musste ich einfach zuschlagen“, sagt Sebastian Kirst, der das Raumschiff gebraucht erstand. Bei KiSebA ist der 34-Jährige Kommandant. Mission: Gebrauchte Lego-Steine in die Welt verschicken.

Es sind bei weitem nicht nur die Kinder, die die Plastiksteinchen in dem kleinen Geschäft mit großen Augen bestaunen. „Mein Hauptgeschäft, ich schätze 90 Prozent, kommt von Erwachsenen“, sagt Kirst, der sich im Oktober 2012 selbstständig machte und im September 2014 das Geschäft in Achim eröffnete. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, erzählt er. „Es hat mich einfach nicht mehr losgelassen.“

Kirst ist gelernter Fluggerätemechaniker und Großhandelskaufmann. Sein Geschäft ist aufgeteilt in einen kleineren Eingangsbereich, wo nagelneue Lego-Sets wie der 230 Euro teure Hightech-Braunkohlebagger zu erwerben sind: „Das ist der Offline-Bereich“ Die Musik spielt aber dahinter im „Online-Lager“.

Dort stapeln sich in Regalen blaue Kisten, die akribisch und akkurat mit langen Buchstaben- und Zahlenkombinationen beschriftet sind. Hier lagern 1 bis 1,5 Millionen Lego-Teile – alle gebraucht. Gewicht: zirka 2,5 Tonnen.Jedes Teil zu zählen, wäre ehrgeizig. Deshalb wird die Ware bei Anlieferung einfach gewogen. Wo kommen die Steine her? „Eltern oder Oma und Opa kommen, wenn die Kinder oder Enkel groß geworden sind und bringen Kisten oder Tüten voller alter Legosteine“, sagt Kirst.

Dann gibt es etwa zehn Euro pro Kilo – je nach Art und Zustand der Steine. Die werden sortiert und gewaschen. „In Sofakissenbezügen 50 mal 50 Zentimeter bei 40 Grad. Das hat sich bewährt.“ Bianca Müller (41) geht gezielt mit Bestellungsscheinen und Schiebewagen durch die blaue Lego-Kistenreihe und nimmt winzig kleine oder auch größere Teile aus penibel geordneten durchsichtigen Plastiktüten. „Vorige Woche hatten wir eine Lieferung nach Israel zu einem Ingenieurbüro. Das waren 14 Kilogramm“, sagt sie. Also ziemliche viele Steine.

Bei Lego - das dänische Traditionsunternehmen hat seinen Namen vom Ausdruck „leg godt“ (deutsch: spiel gut) - sieht man den Gebraucht-Handel eher gelassen. „Es ist weder Teil der Strategie der Lego GmbH, den Verkauf von Second-Hand-Produkten zu fördern, noch unternehmen wir den Versuch, dies zu verhindern“, so Unternehmenssprecherin Martina Augenstein, die die Gelegenheit auch nutzt, die Qualität der Lego-Steine hervorzuheben: In vielen Familien spielten noch die Enkel mit Bausteinen der Großeltern.

Warum kaufen die Kunden die Klötzchen nicht einfach neu? „Einige Steine gibt es gar nicht mehr neu“, beschreibt Müller den Anreiz der KiSebA-Kunden für die Online-Bestellung. An der Wand vor einem Sortiertisch hängt eine Weltkarte, die zeigt, wohin die Lieferungen aus Achim gehen. Rio de Janeiro, Johannesburg, Taipeh, Jekaterinburg, Singapur - überall stecken kleine bunte „Kunden“-Fähnchen auf der Karte. „In vier Jahren ist nur einmal eine Lieferung verloren gegangen - und das war in Deutschland“, sagt Kirst.

Dann kommt eine Kundin ins Geschäft. Unter dem Arm trägt sie einen gebrauchten Originalkarton mit einem „Mindstorms NXT 2.0“: ein fahrbarer Roboter mit Computer-Anschluss und Bluetooth- und USB-Vorrichtungen. „Was könnte ich dafür bekommen?“, fragt sie. Kirst seziert den Roboter mit geübtem Handgriff und klickt die zentrale Computer-Steuereinheit raus. Dort sind die 1,5-Volt-Batterien untergebracht. Der Lego-Experte schaut skeptisch. Diagnose: Korrosionsrückstände im Batterienfach. Das ist schlecht.

Der Deal kommt nicht zustande. Kirst kann nur 50 Euro bieten. Die Kundin hatte auf mehr gehofft, will es nun im Internet versuchen. Der Neupreis lag einst bei rund 280 Euro. Bei den Preisen ist schon klar, warum die Zielgruppe oft die Erwachsenen sind. Kirst sagt: „Für ein Kind oder einen Jugendlichen wäre das schon ein sehr teures Weihnachtsgeschenk - da müssten Oma und Opa ordentlich was dazutun.“

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