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Warum ist das Gas in Achim so teuer? Stadtwerke erklären Unterschiede

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Von: Michael Mix

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Die Gaszähler rattern und rattern, und die Kilowattstunde wird immer teurer.
Die Gaszähler rattern und rattern, und die Kilowattstunde wird immer teurer. © BARTZ

Achim – Warum ist das Gas oder auch der Strom in Achim so teuer? Das fragen sich vermutlich viele Kundinnen und Kunden der Stadtwerke Achim. Jörg Engehausen zählt dazu. „Die neue Preiserhöhung ist heftig!“, stellt er mit Blick auf die ab dem neuen Jahr gültigen Gastarife der Stadtwerke fest.

Engehausen hat die neuen Preise mit denen von Energieversorgern im Umland verglichen. Demnach beträgt der Gaspreis ab dem 1. Januar 2023 bei den Stadtwerken Achim etwa 26 Cent pro Kilowattstunde, bei den Stadtwerken Verden jedoch lediglich rund 16 Cent und bei den Stadtwerken Bremen gar nur etwa 13 Cent.

„Das ist ein wirklich sehr großer Unterschied“, sagt Engehausen. Das mache für einen Haushalt im Vergleich Mehrkosten von 1 000 bis 3 000 Euro pro Jahr aus, hat er ausgerechnet.

Auch der Strompreis sei in Achim höher als in Bremen und Verden, merkt er an. „Der Unterschied ist aber nicht ganz so groß.“

Dass der Gaspreis in Achim doppelt so hoch wie in Bremen und auch deutlich höher als in Verden ausfällt, hält der Achimer für „sehr ärgerlich“. Das sei „so eigentlich nicht hinnehmbar“. Jörg Engehausen wirft die Frage auf, ob die örtliche Politik in dem Fall nicht tätig werden könne oder sogar müsse, denn die Stadtwerke Achim AG gehöre doch der Stadt.

Herfried Meyer (SPD), Vorsitzender des Aufsichtsrats des Unternehmens, schüttelt auf Nachfrage der Redaktion den Kopf, verweist auf das Aktienrecht. „Danach darf die Stadt als Eigentümer der Stadtwerke nicht in das operative Geschäft eingreifen.“

Er sei ja selbst dort Kunde und hoffe auf einen milden Winter, fügt Meyer hinzu. Außerdem könnten die Haushalte dank der von der „großen Politik“ beschlossenen Gaspreisbremse bei den Energiekosten ja mit erheblichen Rückzahlungen rechnen.

Und wie erklären die Stadtwerke Achim selbst die stark steigenden Preise? Auf Nachfrage der Redaktion schickt das Unternehmen zunächst voraus, dass die Preise zum 1. Januar 2023 „wie bei anderen Energieversorgern auch angepasst“ würden. Was seine Gründe habe. „Bereits im vergangenen Jahr sind die Preise für Gas und Strom an den Großhandelsmärkten stark gestiegen.“

Als Ursachen für die Preisanstiege nennen die Stadtwerke Achim unter anderem den „ungewöhnlich langen Winter“ und die „weltweit gestiegene Nachfrage nach Energie im Zuge der konjunkturellen Erholung nach der Corona-Pandemie“. Und seit dem seit Ende Februar herrschenden Krieg in der Ukraine sei der Druck auf die Preise weiter enorm gestiegen.

„Vor diesem Hintergrund sehen sich Versorger wie wir beim Einkauf von Energie mit außergewöhnlich sprunghaften, ungewöhnlichen Preisen konfrontiert, zum Teil haben sich die Beschaffungskosten gegenüber Anfang 2021 zeitweise mehr als verzwölffacht“, antworten die Stadtwerke in einer Presseerklärung. Neben dem Gas- und Stromeinkauf seien auch Netzentgelte, staatlich induzierte Umlagen und Steuern Preisbestandteile, auch diese hätten sich im laufenden Jahr verändert.

„Bei der Beschaffung von Strom und Gas ist für uns die sichere und zuverlässige Gewährleistung der Versorgung stets oberstes Gebot“, betonen die Stadtwerke. Deshalb kaufe das Unternehmen die benötigten Mengen an Strom und Gas mehrmals unterjährig ein. „Dabei beginnen wir rechtzeitig – etwa 15 Monate (Strom) beziehungsweise sechs Monate (Gas) vor dem Bezugszeitraum – mit dem Einkauf und schließen diesen etwa drei Monate vorher ab.“

Das bedeute, dass die Erdgaspreise zum 1. Januar 2023 in etwa das Preisniveau aus dem Sommer 2022 reflektierten, die Strompreise ungefähr das Niveau des Winters 2021/2022 und Sommer 2022.

„Da jedes Energieunternehmen anders einkauft, ergeben sich je nach Einkaufsstrategie und -zeitraum andere Beschaffungspreise und damit eine andere Preiskalkulation“, erklären die Stadtwerke. „Trotz der aktuell hohen Preise ist und bleibt unser Ziel, so nah wie möglich am Markt zu sein; entsprechend hoffen wir, aufgrund der aktuell fallenden Energiemarktpreise für Erdgas unsere Erdgaspreise ab Mai 2023 wieder senken zu können.“  

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