„Leute sind verunsichert“

Kein Ansturm auf wiedergeöffnete Restaurants: Gäste kommen nur spärlich

Achim - Cafés, Restaurants und Hotels in Niedersachsen dürfen seit Montag wieder öffnen – einen Ansturm löste das in Achim allerdings nicht gerade aus. „Die Leute sind sehr vorsichtig und verunsichert, weil es in den vergangenen Tagen eine Fülle von unterschiedlichen Informationen zu den Corona-Lockerungen gegeben hat“, sagt Frank Adler, der zusammen mit Michael Richter das „Atrium“ betreibt. Beide sprachen von einem „sehr verhaltenen Beginn“.

Wer das infolge der Pandemie und den damit verbundenen Beschränkungen des öffentlichen Lebens sieben Wochen lang geschlossene Bistro-Restaurant im Rathausgebäude mitten in der Fußgängerzone in diesen Tagen aufsucht, kann das nicht ganz so frank und frei wie gewohnt machen. Denn die Gastronomen und ihre Gäste haben Auflagen der Behörden nachzukommen, um das Ansteckungsrisiko für alle Beteiligten möglichst gering zu halten.

Im Eingangsbereich steht ein Spender mit Desinfektionsmittel, mit dem sich jeder, der das Lokal betritt, die Hände einreiben muss. Vorgeschrieben ist auch das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes. Zwei Schritte weiter wird der Gast sogleich registriert. Der Wirt oder ein Mitarbeiter tragen Namen und Telefonnummer in eine Liste ein. Und auch die Uhrzeit des Kommens und Gehens hält die Thekenkraft fest. „Damit im Falle eines Corona-Falles die Infektionskette nachvollzogen werden kann“, erklärt Richter.

Aber anders als zunächst angeordnet, müsse niemand Plätze reservieren lassen. Und entgegen früheren Ansagen gebe es auch keine begrenzten Aufenthalts- und Öffnungszeiten.

Nicht alles ist also reglementiert. Sobald der Gast am Tisch sitzt, darf er auch seine Maske „fallenlassen“. Denn Essen und Trinken mit Stoff vor dem Mund ist schwierig.

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Größere gesellige Aktivitäten sind jedoch tabu. Personen aus höchstens zwei verschiedenen Hausständen dürfen sich gemeinsam an einem Tisch niederlassen.

Aber in den Lokalen gibt es derzeit ohnehin nur begrenzte Sitzmöglichkeiten. „Zwischen den Tischen müssen zwei Meter Abstand bleiben“, sagt Richter. Deshalb stünden weniger als die Hälfte der sonst vorhandenen Plätze zur Verfügung. „Tische, die mit einem roten Kreuz gekennzeichnet sind, dürfen nicht benutzt werden.“

Darüber hinaus gilt es, auch im Restaurant Hygienevorschriften peinlich genau einzuhalten. „Nach jedem Besuch muss der jeweilige Tisch desinfiziert werden.“ Adler und Richter sprechen insgesamt von einem „erheblichen Aufwand“.

Gastronomiebetrieb unter Auflagen: „Atrium“-Wirt Frank Adler schirmt Mund und Nase ab. Die Gäste müssen am Tisch keine Maske tragen. 

Dennoch freuen sie sich, endlich wieder Leute im Lokal bewirten zu können. Umgekehrt ist das genauso. Stammgäste wie Heidi Meyer nahmen zwar gerne das in den vergangenen Wochen aufgezogene und weiterlaufende Abholangebot für frisch in der Restaurantküche zubereitete Gerichte in Anspruch. „Aber endlich kann ich wieder hier essen. Ich komme jeden Tag“, verrät die 74-Jährige. Die meisten, sagt Meyer mit Blick auf die nur wenigen besetzten Tische, seien allerdings „wohl noch sehr ängstlich“.

Die Durststrecke für Gastronomiebetriebe ist noch längst nicht zu Ende. „Die ganzen Feste in der Innenstadt fallen ja diesen Sommer aus. Das ist eine wichtige Einnahmequelle, die uns da wegbricht“, merkt Richter an.

Das Gleiche gilt für große Familienfeiern. „Wir erleiden erheblichen wirtschaftlichen Schaden, weil Veranstaltungen wie Hochzeiten wegfallen“, berichtet Jens Böhmermann, mit seinem Bruder Axel Inhaber des Hotels Haberkamp, auf Nachfrage.

Wie das „Atrium“ und andere Betriebe versucht das Unternehmen an der Uphusener Dorfstraße mit Kurzarbeit und Fördermitteln von Bund und Land über die Runden zu kommen. Immerhin habe das Hotel auch während des „Lockdowns“ für Geschäftsreisende geöffnet bleiben dürfen.

Das Restaurant schließt seine Türen am Mittwoch wieder auf. „Die Öffnungsmöglichkeit kam jetzt doch etwas überraschend“, sagt Böhmermann. „Wir benötigen einige Tage, um die Hygieneauflagen für die Gäste und Mitarbeiter umsetzen zu können.“

Rubriklistenbild: © Mix

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