Achimer Geschäfte für den Lockdown gerüstet

Einzelhandel in Achimer Innenstadt bietet größtenteils auch Online-Bestellungen an

Die Fahrradwerkstatt bleibt offen, der Online-Shop läuft: Geschäftsinhaber Benny Leussink (links) und sein Mitarbeiter Shawn Heitmann haben gut zu tun.
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Die Fahrradwerkstatt bleibt offen, der Online-Shop läuft: Geschäftsinhaber Benny Leussink (links) und sein Mitarbeiter Shawn Heitmann haben gut zu tun.

Ab Mittwoch muss der Einzelhandel mitten im Weihnachtsgeschäft wegen des erneuten Lockdowns bis auf wenige Ausnahmen schließen. Die Achimer Geschäftsleute sind ganz unterschiedlich von der Regelung betroffen.

  • Auch Achimer Geschäfte schließen ab Mittwoch
  • Einzelhändler in der Innenstadt verzeichneten am Montag hohen Zuspruch
  • Viele Achimer Geschäftsleute setzen auf Online-Handel

Achim – Die Bund-Länder-Konferenz am Sonntag hat es entschieden: Von Mittwoch an bis mindestens 10. Januar bleibt der Einzelhandel geschlossen. Mit dem harten Lockdown zieht die Bundesregierung angesichts steigender Infektionszahlen mit dem Coronavirus die Notbremse. Ausnahmen von der Regel gelten für Geschäfte des täglichen Bedarfs, wie etwa Lebensmittelhändler, Getränkemärkte, Apotheken, Drogerien, Optiker, Tankstellen, Kfz- und Fahrradwerkstätten sowie den Weihnachtsbaumverkauf. Wie gehen die Achimer Geschäfts-treibenden mit der Situation um? Die meisten haben sich etwas einfallen lassen, um im Weihnachtsgeschäft mit dem Online-Handel konkurrieren zu können, ergab eine kurze Umfrage unserer Zeitung.

Buchhandlung Hoffmann nutzt Erfahrung aus dem ersten Lockdown

„Wir nutzen quasi unsere Erfahrung aus dem Lockdown im Frühjahr. Da haben wir unseren Kunden auch alles geliefert“, sagt Iris Hunscheid, die mit ihrem Mann Veit Hoffmann die Buchhandlung Hoffmann an der Obernstraße 44 führt. Über die Homepage (www.buecher-hoffmann.de) besteht die Möglichkeit, sich Lesestoff bequem nach Hause liefern zu lassen. Wer Mittwoch oder Donnerstag bestellt, könne relativ sicher sein, dass Buchgeschenke noch pünktlich zu Weihnachten ankommen. „Wir tun, was wir können“, betont Hunscheid, die an diesem Vormittag mit ihren Mitarbeiterinnen allerhand zu tun hat, um die Kundenschlange, die sich vor dem Laden gebildet hat, abzuarbeiten.

Höchstens bei populären Bestsellern könnten sich Lieferschwierigkeiten ergeben, weil die Verlage die Auflagenhöhe zu niedrig eingeschätzt hätten und nachdrucken müssten. Ob Hoffmann auch eine Abholstation für Buchbestellungen einrichten darf, sei derzeit noch ungeklärt: „Im Frühjahr durften wir das nicht.“

Fein raus ist Benny Leussink, der seine Fahrradwerkstatt Am Schmiedeberg 4 weiter betreiben darf. Von den Erfahrungen des vorherigen Lockdowns kann der Fahrradmeister aber ebenfalls profitieren. Denn er bietet seitdem einen Online-Handel (www.leussink-online.de) zusätzlich zum Präsenzverkauf an – und er ließ eine zweite Tür einbauen. Letzteres sei im Frühjahr Voraussetzung für den Weiterbetrieb gewesen, damit Fahrradkäufer und Werkstattkunden besser Abstand halten konnten.

Die Corona-Pandemie habe der Fahrradbranche Auftrieb gegeben: „Die Branche hat um 28 Prozent zugelegt, hauptsächlich bei den E-Bikes“, berichtet Leussink, der in seinem Laden diesen Boom ebenfalls bemerkt hat. Ein weiterer Corona-Effekt: Gerade bei Ersatzteilen für E-Bikes müssten sich die Kunden eventuell auf lange Lieferzeiten einstellen. „Manchmal bis zu einem Jahr, denn viele Teile kommen aus Asien“, so Leussink. Und dort verzögerten die Hygienevorschriften die Produktionskette.

Auch der Vodafone-Shop bleibt über den Jahreswechsel hinaus geöffnet, erzählt Berater Dietmar Thomas. Der Mobilfunkanbieter ist nicht vom Lockdown betroffen, weil er nebenbei einen Paketshop des Deutschen Paketdienstes (DPD) betreibt.

Lieferservice im Umkreis

Iska Uferkamp-Karbe von „Tutto Bene“ hat ebenfalls aus dem ersten Lockdown gelernt: Das Geschäft mit zwei weiteren Filialen in Verden und Syke, das im Erdgeschoss des Achimer Rathauses Kleidung, Modeschmuck, Deko, Handtaschen und Schuhe führt, bietet für seine Kunden ebenfalls seit März einen Online-Bestellservice auf der Homepage (www.tuttobene.de) an. „Das wird jetzt auch schon mehr genutzt“, sagt Mitarbeiterin Christel Steigemann. „Wenn sich die Lieferadresse im Umkreis befindet, wird das von uns auch gebracht.“ Dennoch habe es am Montagvormittag auch viele Präsenzkäufe gegeben: „Es war schon gut zu tun heute“, sagt Steigemann.

Jens-Uwe Buse, der das Jeansfachgeschäft „Enterprise“ an der Obernstraße 24 betreibt, hofft für dieses Weihnachten „mal auf weniger Gerenne“. Dass das Oberbekleidungsgeschäft nun vorübergehend schließen muss, könne man sich nicht aussuchen. Doch er ist zuversichtlich: „Nach dem ersten Lockdown haben die treuen Kunden Schlange vor meinem Laden gestanden.“ Daher sei er auch nicht auf den Online-Handel umgestiegen. „Das ist wie bei einer guten Kneipe. Da kennt der Wirt auch seine Kunden“, betont Buse, der mit seinem Geschäft nach eigenen Angaben seit 30 Jahren in der Achimer Innenstadt präsent ist.

Die Parfümerie und das Kosmetikstudio Schuback, Obernstraße 25, vertreibt Waren seit April im Online-Shop. „Im letzten Lockdown war das aber noch weniger, aber mittlerweile hat sich das wohl herumgesprochen“, sagt Mitarbeiterin Anke Lerdon. „Aktuell kaufen die Kunden fast ausschließlich Weihnachtsgeschenke“, zeigt Kollegin Martina Stein auch einen Unterschied zum Frühjahrsverkauf auf. Grundsätzlich finden beide die angekündigten Maßnahmen richtig: „Es wurde Zeit“, sagt Stein. „Man darf nicht so egoistisch sein und nur an den Umsatz denken“, fügt Lerdon hinzu.

Von Lisa Duncan

Voll im Weihnachtsgeschäft ist die Buchhandlung Hoffmann. Geschäftsführerin Iris Hunscheid (r.) hat am Montagvormittag noch persönlich etliche Bücher verkauft.

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