Badener Wohngebiet „Im Bult“ besteht seit 50 Jahren

Fünf Dekaden Siedlungsgeschichte

Der Veilchenweg bildet die zentrale Achse, die rundbogenartig die Verdener Bergstraße erschließt.

Achim - Von Ingo Schmidt. Die Verdener Bergstraße in Achim-Baden bestand noch vollständig aus Kopfsteinpflaster und am Rande standen wogende Kornfelder, als Landwirt Herrmann Rathjen Mitte der 1960er-Jahre zunächst den nördlichen Bereich des heutigen Veilchenwegs als Bauland anbot. Nach Verkauf und Erschließung der Parzellen erwarben 1966/67 die ersten Interessenten Grundstücke und bezogen ab 1970 nacheinander die ersten Häuschen.

Einer der frühen Baupioniere war vor 50 Jahren Uwe Ocken: „Eigentlich hatte ich mir einen Bereich am Nelkenweg ausgeguckt“, erinnert sich der 86-Jährige, „aber Rathjen erzählte mir, dass er genau dort immer eine feuchte Senke beackern musste und empfahl mir ein anderes Stück.“ So errichtete der ehemalige Labortechniker der Bremer Stadtwerke ein sogenanntes Typenhaus am Asternweg. Er sei der siebte Bauherr gewesen, aber das wisse er nicht mehr ganz genau.

Was Uwe Ocken sicher weiß: Er ist heute einer der Letzten jener Zeit. „Viele sind inzwischen verstorben oder sie haben ihre Häuser verkauft und kleinere Wohnungen bezogen“, bedauert der gebürtige Bremer, der sich gemeinsam mit Gattin Gertrud, gegenüber alternativen Angeboten in Oyten, für ein Badener Domizil wegen der besseren Verkehrsanbindung entschieden hatte.

Von einer unbeschwerten Zeit auf dem Geestrücken erzählt eine 25-Jahr-Chronik, die der leidenschaftliche Hobbyfotograf mit seiner inzwischen verstorbenen Frau, den Nachbarn Claus und Karla Meyer, Günter und Gerda Rebers sowie Wilfried Schmidt-Neteband in Form brachte. Die Sammlung berichtet in Bild und Text zum Beispiel über ein eigenes Marionetten-Theater, das die Kinder der Siedlung zu verschiedenen Anlässen lange Jahre erheiterte. An anderer Stelle erinnern die Aufzeichnungen an das Badener „Original“ Johann Fechtmann, der mit dem Nachwuchs gerne allerlei Schabernack trieb. In der Anfangsphase wurden regelmäßig die Jubiläen mit Kinderprogramm und abendlicher Fete für die Erwachsenen gefeiert. „Der Zusammenhalt war wirklich gut“, sagt Ocken. Es habe niemals Streit gegeben, und wenn am Haus mal Reparaturen anfielen, habe man sich gegenseitig unterstützt.

Zwischenzeitlich sei der Ruf der Siedlung allerdings nicht der beste gewesen: Bezeichnungen wie „Hippie-Town“ oder „Armenviertel“ gingen auf häufig wechselnde Mieter in den Mehrfamilienhäusern zurück oder auf die vielfach eher durchschnittliche Einkommenssituation ihrer Bewohner. Die „Ureinwohner“ reagierten mit bunten Aufklebern. Aufschriften wie „Bult-Sympathisant“ oder „I like the Bult“ deuten auf einen starken Gemeinsinn. Aber auch streitbar und wehrhaft zeigten sich die Aktiven: Erfolgreich erzwang eine Nachbar-Initiative Anfang der 1980er-Jahre eine deutliche Verringerung der Erschließungspauschale der Stadt Achim um fast 50 Prozent. Und sie boxte eine Verzinsung bereits vorausgezahlter Beträge durch. Die Gruppe setzte sich für Verkehrsschilder oder die Einzäunung der Spielplätze ein sowie für Verkehrsberuhigungen und besondere Straßenlaternen. Gleichzeitig sorgte die Arbeitsgruppe „Die Wühlmäuse“ für eine Verschönerung der Straßenzüge.

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