Redakteur Heinrich Laue geht in den Ruhestand und blickt auf 36 Berufsjahre zurück

„Früher waren deutlich mehr Kneipen“

Das Kreisblatt immer am Mann: Redakteur Heinrich Laue verabschiedet sich in den Ruhestand. Foto: Wenck

Achim – Nach 36 Jahren beim Achimer Kreisblatt verabschiedet sich Lokalredakteur Heinrich Laue in den Ruhestand. Der 65-Jährige hat nicht nur aus Achim, sondern auch aus Thedinghausen, Oyten und Ottersberg berichtet. Im Interview mit Sandra Bischoff lässt das journalistische Urgestein sein Berufsleben Revue passieren und erklärt, warum Lokalzeitungen auch heute noch ihre Daseinsberechtigung haben.

Gerichtsberichterstattung, Kindergartenfeste, politische Diskussionen: Lokalredakteure sind Allrounder. Welche Bereiche haben dir in all diesen Jahren am meisten Freude bereitet und wem bist du dabei mal besonders auf die Füße getreten?

Kindergartenfeste hab’ ich eher selten besucht. Einige sehr interessante und nahegehende Gerichtsverhandlungen gab es schon. Geschichten, die auf Tipps und Anliegen von Lesern, darunter auch Politikern, basieren, waren oft attraktiver als direkte Berichte über manchmal turbulente Auseinandersetzungen in Rat und Ausschüssen.

Auf die Füße getreten? Vor vielen Jahren hat sich mal ein sehr temperamentvoller Gemeindedirektor beim Chefredakteur nach einem etwas persönlichen Kommentar beschwert und verlangt, dass diese Art von Berichterstattung sofort einzustellen sei. Auch mit Klagedrohungen bekommt es fast jeder langgediente Redakteur mal zu tun. Aber die Gemüter haben sich nach Gesprächen und nach einigen Tagen fast immer beruhigt.

Wie bist du damals beim Achimer Kreisblatt gelandet? Erinnerst du dich noch an deinen ersten Tag hier in der Redaktion?

Nach drei Jahren als angehender Lehrer und dem Examen gab es Einstellungsstopps. Ich war sowieso nicht der geborene Lehrer und habe überlegt, was ich stattdessen machen könnte. Mit dem Studienfach Deutsch lag Schreiben nahe. Ich war dann zuerst freier Mitarbeiter bei der Kreiszeitung in Brinkum. Als der damalige Redaktionsleiter in Achim wegen schwerer Erkrankung ausfiel, wurde eine Stelle dort frei und jemand schlug mich dafür vor. Ein Jahr Volontariat folgte, und danach wurde ich als fest angestellter Redakteur übernommen.

Vom ersten Tag sind mir aus der Redaktion fast nur die Gesichter in Erinnerung: Fritz Reinecke, Wilhelm Ostmann und Manfred Brodt. Bei meinem ersten Artikel gab es zunächst Kopfschütteln, weil ich das Thema irgendwie falsch verstanden hatte. Danach lief es sehr viel besser.

Welche Begegnungen, welche Geschichten, welche Ereignisse sind bei dir besonders hängen geblieben?

Die Namensgebung des Achimer Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasiums mit dem Festredner Helmut Schmidt und Ehefrau Loki, die sich sehr herzlich mit Schülern des Chores unterhielt. Dann gab es mal eine unvergessliche Ratssitzung in Oyten, als jemand von der SPD zur CDU gewechselt war und damit die Mehrheitsverhältnisse bei der Bürgermeisterwahl umdrehte. Da ging es hoch her mit Betrüger-Vorwürfen, und sogar das Fernsehen filmte mit. Hängengeblieben sind aber auch Eindrücke von Unfällen, zu denen man immer mal unverhofft ausrücken musste.

Die Stadt Achim hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Was ist heute anders als 1983?

Damals fuhren noch Autos mitten durch die Innenstadt, und wo jetzt das Rathaus steht, befand sich ein großer Parkplatz mit Rudis Kiosk und Imbiss. Außerdem: Früher waren deutlich mehr Kneipen und Bistros, wie Opa Hoppenstedt es ausdrücken würde.

Du bist bekannt wie ein „bunter Hund“. Nicht nur in Achim, wo du viele Jahre gewohnt hast, sondern auch in Thedinghausen, Oyten und Ottersberg, wo du in all den Jahren immer als Urlaubsvertretung unterwegs warst. Nervt das nicht manchmal auch ein wenig, wenn man ständig, also in der Kneipe oder beim Mittagessen in der Achimer Fußgängerzone, von den Lesern angesprochen oder etwas gefragt wird?

Nur wenn das Essen gerade besonders schmeckt. So oft werde ich auch gar nicht angesprochen, und es kommt sowieso immer darauf an, von wem.

Warum, glaubst du, ist die Lokalzeitung in Zeiten von Facebook und Co. noch relevant?

In der Lokalzeitung gibt es ja immer noch etwas tiefer gehende und umfassendere Informationen als auf Facebook. Selber bin ich sowieso Whatsapper.

Was machst du jetzt mit deiner freien Zeit, und wird man dich in Achim auch in Zukunft noch mal sehen?

Zum ersten Mal im Leben muss ich mich intensiv um Haus und Garten kümmern. Außerdem haben sich Besucher angekündigt, und weiblicherseits sind kleinere Reisen und Wohnmobiltouren in Planung, damit ich nicht auf dem Land völlig versauere. Ansonsten komme ich auch mit ein paar ruhigen Tagen mit Lesen, Musik und Fußball gucken in der Kneipe oder Spaziergängen ganz gut zurecht. Achim werde ich bestimmt auch künftig nicht ganz aus den Augen verlieren.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Jahrestagung der Preisrichter für Rasse- und Ziergeflügel 

Jahrestagung der Preisrichter für Rasse- und Ziergeflügel 

Kreisjugendfeuerwehrtag in Luttum

Kreisjugendfeuerwehrtag in Luttum

Freilichtbühne Holtebüttel: „Ein Mörder steht im Walde“

Freilichtbühne Holtebüttel: „Ein Mörder steht im Walde“

Benefizturnier des Vereins „Hafensänger & Puffmusiker“

Benefizturnier des Vereins „Hafensänger & Puffmusiker“

Meistgelesene Artikel

Vereint bei der guten Sache

Vereint bei der guten Sache

Sichere Wege für Flüchtlinge

Sichere Wege für Flüchtlinge

Abschied von der Idylle am Landwehrsee in Stedebergen

Abschied von der Idylle am Landwehrsee in Stedebergen

2019 wird Verden den Klärschlamm los

2019 wird Verden den Klärschlamm los

Kommentare