Lieken-Gelände und seine Geschichte

Brotfabrikant Fritz Lieken trägt Achims Namen in die Welt

Der Lieken-Turm, der anfangs noch nicht diesen Namen trug, ist ein Achimer Wahrzeichen.

Achim - Von Michael Mix und Günter Schnakenberg. Einer der berühmtesten Unternehmer in Achims Geschichte ist Fritz Lieken. Der Brotfabrikant machte sich weltweit einen Namen. Bald wird daran im Stadtbild kaum noch etwas erinnern. Denn der Lieken-Turm und die benachbarten Werkshallen und Bürogebäude am Achimer Bahnhof werden in diesem Frühjahr abgerissen, um Platz für ein neues Wohnviertel zu machen.

Voran gingen an dem Standort 160 Jahre industrielle Fertigung, zunächst von Zigarren, und mit Beginn des 20. Jahrhunderts von Brot, das anfangs nach dem patentierten Verfahren von Gustav Simons hergestellt wurde. Im November 1922 kaufte Fritz Lieken die kleine Fabrik, aber nach einer Erfolgsgeschichte roch der mühsam anlaufende Backbetrieb erstmal überhaupt nicht, wie Stadtarchivar Günter Schnakenberg, unterstützt von Klaus Bischoff, beide Mitglieder des Heimatvereins Achim, durch Sichten verschiedener Quellen, unter anderem das Achimer Kreisblatt, zusammengetragen haben.

Als der am 30. Dezember 1895 in Burhave geborene Fritz Lieken, der eigentlich Kaufmann werden wollte, dann aber eine Lehre in der väterlichen Bäckerei in dem Ort in der Wesermarsch durchlief und anschließend rasch eine Leitungsposition bekam, im Februar 1923 nach Achim zog, gingen die Probleme schon los. Die Achimer Gemeindeverwaltung hatte ein Auge auf das Fabrikgebäude geworfen und wollte es zu Wohnungen umbauen. Zunächst begann der junge Mann ohne behördliche Genehmigung mit dem Backbetrieb. Zur Seite stand ihm dabei ein Geselle. Anfangs gab es oft Schimmelverluste, die die gesamte Brotmenge verdarben. Trotzdem blieb Lieken seiner Devise treu, keine chemischen Konservierungsstoffe zu verwenden.

Bereits im März 1923 bot die „Achimer Simonsbrotfabrik“ das erste Vollkornbrot an. Laut einer Zeitungsannonce kostete ein großer Laib 500 Reichsmark. Später trieb die Hyperinflation in der Weimarer Republik den Preis für ein Brot auf unglaubliche eine Billion Mark. Unter diesen Umständen gab Fritz Lieken einen großen Teil der Erzeugnisse an bedürftige Achimer Familien zum Selbstkostenpreis ab. Auf diese Weise konnte der Unternehmer den Betrieb aufrecht und den Beschäftigten ihren Arbeitsplatz erhalten.

Markenartikel mit Erfolg.

Die Ende 1923 eingeführte Rentenmark belebte das Geschäft merklich. Lieken belieferte nun auch Verkaufsstellen in Bremen per Handwagen und brachte das Grundnahrungsmittel mit Pferdefuhrwerken sogar nach Hamburg. Doch damit gab er sich längst nicht zufrieden.

1925 erfand Fritz Lieken eine erstmals in Deutschland verbreitete Methode: Schnittbrot in einer Papierverpackung als Markenartikel. 1926 gelang ihm die Haltbarmachung ohne chemische Zusätze. Hierzu wurde das frische Schnittbrot in Stanniolfolie verpackt und danach schonend erhitzt.

Eisenbahn begünstigt Siegeszug

Mit Hilfe der „Vereinigung deutscher Reformhäuser“ und dank der Eisenbahn trat das Produkt seinen Siegeszug im ganzen Land an und machte den Namen des kleinen Dorfes Achim bis hin nach München und Königsberg bekannt. Der Absatz stieg rasant an und deshalb erweiterte Lieken 1930 und 1934 den Betrieb. Mehr als 6000 Brote verließen 1934 jeden Tag die Fabrik, in der inzwischen knapp 70 Frauen und Männer arbeiteten. Rund 300 Bauernhöfe in der Region lieferten ihre gesamte Roggenernte an das Werk.

Parallel wusste der findige Geschäftsmann zudem das in Deutschland grassierende Zeppelinfieber für seine Zwecke zu nutzen. Für die erste Fahrt des Luftschiffs „Graf Zeppelin“ über den Atlantik nach Amerika im Oktober 1928 spendierte Lieken Vollkornbrot für die Bordverpflegung. Danach bekamen es alle über den Wolken schwebenden Passagiere serviert, und selbst auf den Schnelldampfern „Europa“ und „Bremen“ des Norddeutschen Lloyd gab es die Achimer Köstlichkeit zu essen.

Lieken setzte mit seinem Simonsbrot zu Lande, auf dem Wasser und in der Luft zum Höhenflug an. Bald erfolgten die ersten Lieferungen nach Nordamerika, Mexiko und sogar nach China. Fritz Lieken trug Achims Namen in die Welt.

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