Friedrichstraße bleibt bei Förderung außen vor / Nach Supermarkt schließt Apotheke

Neben grüner Quartiersmitte klaffen Einzelhandels-Lücken

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Apothekerin Christa Kling schließt morgen ihren Laden.

Achim - Von Lisa Duncan. Wer ins Magdeburger Viertel will, kommt durch die Friedrichstraße. Dort gab es vor einigen Jahren noch eine Galerie mit Geschäften: Einen Lebensmittelladen, einen Bäcker, einen Schreibwarenladen und eine Apotheke. Doch das Angebot hat gewechselt, vielmehr: Es hat sich ausgedünnt in dem Viertel, das mittels Städtebauförderung für mehr als sieben Millionen Euro saniert wurde. Neben Leerständen wie dem einstigen Supermarkt „Kristall“ gibt es etwa einen Dönerladen, eine Spielhalle – und zwei Blumenläden. Und morgen schließt auch die Apotheke.

„Die Friedrichstraße befindet sich außerhalb des Sanierungsgebiets“, sagt Achims Stadtplanerin Angelika Steinbach. Als 1999 die Städtebauförderung geplant wurde, habe die Straße noch nicht diese Problematik gehabt. Das Programm zur sozialen Stadterneuerung mit Mitteln von Bund und Land sei 2017 „ausgefördert“. „Es ist Aufgabe des Vermieters, sich so aufzustellen, dass er wieder seriöse Mieter dort hinein bekommt“, so Steinbach.

Christa Kling, Geschäftsführerin der „Apotheke in der Vahr“, verlässt nach 15 Jahren den Laden an der Friedrichstraße 17. Grund: „Die Miete ist astronomisch.“ Sie stehe in keinem Verhältnis dazu, wie sich die Geschäftsbedingungen im Laufe der Jahre verschlechtert hätten – ganz zu schweigen vom Zustand des in die Jahre gekommenen Gebäudes. Die 57-Jährige eröffnet in Bremen-Walle eine neue Apotheke.

Ein neuer Mieter für den 144 Quadratmeter großen Laden an der Friedrichstraße sei indes noch nicht gefunden, sagt der in Berlin lebende Eigentümer Henry Zehden: „Wir sind in Verhandlungen. Die Schwierigkeit ist, einen nachhaltigen Mieter zu finden.“ Zu den bisherigen will er einen guten Draht gehabt haben. Viermal im Jahr sei er selbst vor Ort gewesen. „Die Miete war nicht der Knackpunkt. Ich halte das nach der Devise ‚leben und leben lassen‘ mit absolut moderaten Preisen.“ Frau Kling hätte man als Mieterin gern behalten, doch sie habe sich schließlich anders entschieden.

Erbaut wurde der Gebäudekomplex laut Zehden 1968. „Seitdem ist hier nie irgendwas gemacht worden, jedenfalls nicht ohne juristischen Druck“, so Kling. Sie zählt Stationen ihres jahrelangen Kampfes auf, etwa, als die Fensterrahmen an der Wetterseite komplett durchrosteten. „Das Wasser lief an den Wänden herunter.“ Von draußen sieht man immer noch etliche Stellen, wo sich der Rost hineingefressen hat. Auch die Balkondecke direkt über dem Verkaufsraum sei undicht gewesen. „Wir mussten bei starkem Regenguss Eimer hinstellen, so sehr tropfte es von der Decke.“ Um vieles habe sich die Geschäftsführerin selbst gekümmert, teilweise auf eigene Rechnung neue Fenster eingebaut.

Auch das Umfeld spiele eine Rolle für ihre Entscheidung: „Als Penny noch hier war, war die Miete noch angemessen.“ Der Supermarkt übernahm die Räume eines sehr beliebten, türkischen Lebensmittelladens und zog ebenfalls Kundschaft an. Dann drang der Discounter im hart umkämpften Markt auf große Flächen. Wo früher 500 m² Ladenfläche vollkommen ausreichten, müssen es nun mindestens 1500 m² sein. Eine Spar-Filiale sei dann nach langem Leerstand, Zehden zufolge „als Untermieter von Penny“, eingezogen. Doch die Kunden nahmen den neuen Markt nicht an. Ebenso lief es bei den weiteren Versuchen, dort wieder einen Supermarkt einzurichten. Laut Kling seien das drei bis fünf türkische Inhaber gewesen. Wieder wurde die Apothekerin aktiv und versuchte, den Discounter NP nach Achim-Nord zu holen, der auch flächenmäßig kleine Filialen betreibt. Doch der lehnte ab. Der Laden sei vom technischen Zustand her nicht ausreichend, hieß es als Begründung.

Vermieter Henry Zehden findet es „verwunderlich“, dass kein Supermarkt an der Friedrichstraße Fuß fassen kann: „Der Laden sieht ansehnlich aus.“ Auch die technischen Anforderungen seien erfüllt. Nur die Größe passe nicht in das heutige Anforderungsprofil.

Doch das Gebäude abzureißen und unter Einbeziehung des Vorplatzes einen größeren Markt dorthin zu stellen, lehnt er ab. Er möchte es lieber neu vermieten und wäre wieder an einem Lebensmittelladen interessiert. „Eine Spielhalle wäre es mir nicht wert, das würde das Viertel nicht bereichern“, betont er. Manchmal sei eben „der Wurm drin“. In Berlin habe etwa ein Haus zehn Jahre leer gestanden, bis es mit einem Asia-Shop wieder neu belebt worden sei.

Christa Kling verlässt das Magdeburger Viertel nicht gern. Sie lässt nach eigener Aussage auch einen „festen Kundenstamm“ zurück. „Einige haben zum Abschied selbst gemachte Marmelade und Orchideen vorbeigebracht. Da flossen schon ordentlich Tränen.“

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