Projekt „Biodiversitätscheck in Kirchengemeinden“

Friedhof am Rathauspark in Achim als Insel für die Natur

Erste insektenfreundliche Beete sind auf dem Friedhof am Rathauspark bereits angelegt, aber es soll noch viel mehr für die Artenvielfalt gepflanzt werden, wünschen sich (v. l.) Astrid Lahmann (Landeskirche) sowie Helga Mindermann, Susanne Wacker und Angela Krtschal (St. Laurentius).
+
Erste insektenfreundliche Beete sind auf dem Friedhof am Rathauspark bereits angelegt, aber es soll noch viel mehr für die Artenvielfalt gepflanzt werden, wünschen sich (v. l.) Astrid Lahmann (Landeskirche) sowie Helga Mindermann, Susanne Wacker und Angela Krtschal (St. Laurentius).

Achim – Das Artensterben, aber auch die geänderte Bestattungskultur veranlasst die evangelische Landeskirche Hannover, das Projekt „Biodiversitätscheck in Kirchengemeinden“ (Bick) zu starten. „Die Vielfalt von Pflanzen, Insekten und wildlebenden Wirbeltieren ist sehr stark rückläufig, was unser aller Leben gefährdet“, erklärt Astrid Lahmann. Bick wolle Kirchengemeinden dabei unterstützen, diese Situation zu verbessern, informierte die Mitarbeiterin des Hauses kirchlicher Dienste der Landeskirche am Montag auf dem Friedhof am Rathauspark in Achim.

Denn die St.-Laurentius-Gemeinde als dessen Träger hat sich um Fördergelder aus Hannover beworben, um den Gottesacker naturnah gestalten zu können.

„3 500 Euro sind zu bekommen. Die Kirchengemeinde muss nur zehn Prozent dazu beitragen“, teilte Lahmann beim Ortstermin mit Mitgliedern des Kirchenvorstands, einem Ehrenamtlichenteam und der Lokalpresse mit. Der Geldbetrag solle dazu dienen, die Artenvielfalt zu stärken. Auf dem Friedhof am Rathauspark könnten Lahmann zufolge zum Beispiel heimische Baum- und Straucharten gepflanzt und Staudenbeete angelegt werden.

„Wir sind offen für alles“, bekannte Angela Krtschal, die sich ehrenamtlich um die Gestaltung der „letzten Ruhestätte“ kümmert. Seit Jahren versuchten die Verantwortlichen aus dem Friedhofsausschuss der Gemeinde um Lydia Klose dort schon, „von den Rasenflächen wegzukommen“. Einiges sei immerhin in der Richtung bereits passiert. So hätten versierte Kräfte 400 Körbe mit Stauden auf dem Friedhof in die Erde gebracht und zahlreiche Beete insektenfreundlich bepflanzt. Seit Kurzem ziere außerdem eine Allee mit Amberbäumen das Kleinod am Rand der Innenstadt.

Krtschal hat auch schon Ideen, für was das Fördergeld verwendet werden könnte. „Auf einer größeren Freifläche würden Obstgehölze gut hinpassen. Und die triste Mauer an der Buesstraße könnte durch Wildrosen aufgewertet werden.“

Für derlei Aktionen benötige das Ehrenamtlichenteam, dem außer Krtschal bisher lediglich Helga Mindermann und Susanne Wacker angehören, allerdings weitere Mitstreiter. „Männer und Frauen, die über gärtnerisches Geschick verfügen, sind willkommen. Zu dem Ganzen ist auch noch ein Workshop geplant“, ließ Angela Krtschal wissen, die das Kirchenbüro von St. Laurentius leitet und dort unter Telefon 2248 zu erreichen ist.

„Es wäre schön, wenn viele mitmachten“, schaltete sich Astrid Lahmann ein. Eventuell könnten beim Einsatz für mehr Natur auf dem Friedhof ja auch junge Leute mit anpacken, überlegt die Mitarbeiterin der Landeskirche, und bringt Kita- und Konfirmanden-Gruppen ins Spiel. Diese könnten zum Beispiel in Zusammenarbeit mit dem Nabu Nistkästen auf der Grüninsel zwischen Rathauspark und Buesstraße aufhängen und diese dann einmal im Jahr säubern. Vielleicht wäre es sogar möglich, dort im Dunklen Fledermaus-Exkursionen zu veranstalten. Lahmann regte darüber hinaus an, neue Medien zu nutzen, um auch Jüngere für das Thema zu begeistern. „Es gibt ja sicherlich Apps, mit denen die Zahl von heimischen Bienen- oder Hummelarten leicht zu bestimmen ist.“

Mit dem Thema Tod wollen aber doch viele nichts zu tun haben? Astrid Lahmann verfolgt einen positiven Ansatz. Gerade jungen Menschen gelte es, mit zeitgemäßen Aktionen deutlich zu machen: „Friedhöfe gehören zum Leben dazu.“

Klar, es gehe darum, Biodiversität vor Ort zu fördern. Und St. Laurentius hat laut Lahmann gute Chancen, zu den 15 auserwählten Gemeinden pro Jahr zu zählen, die 3 500 Euro für die „ökologische Aufwertung“ eines Friedhofs von der Landeskirche gewährt bekommen.

Bick mache aber auch noch aus einem anderen Grund Sinn. „Es gibt immer mehr Lücken auf den Friedhöfen, weil die Bestattungskultur im Wandel ist.“ Die traditionelle Beisetzung auf einer Grabstätte sterbe langsam aus. Der Trend gehe zur Bestattung in einer Urne, in einem Friedwald oder auf See, erläuterte Lahmann. Was auch zu deutlich weniger Einnahmen der Friedhofsbetreiber führe.

Die Landeskirche hoffe, dass Bick „nebenbei“ dazu angetan ist, den Kirchengemeinden auf diesem Feld unter die Arme greifen zu können, sagte Lahmann. „Natürliche Friedhofsgestaltung kann vielleicht Friedwald-Anhänger dazu animieren, die Bestattung nicht irgendwo in der Landschaft vornehmen zu lassen. Sondern unter einem auf dem Friedhof angepflanzten Baum.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

waipu.tv feiert Geburtstag: Sichern Sie sich jetzt das Sonderangebot mit Netflix inklusive!

waipu.tv feiert Geburtstag: Sichern Sie sich jetzt das Sonderangebot mit Netflix inklusive!

E.ON-Wallbox effektiv kostenlos: staatliche Förderung nutzen und Ökotarif abschließen

E.ON-Wallbox effektiv kostenlos: staatliche Förderung nutzen und Ökotarif abschließen

Schlemmen im Sommer: Entdecken Sie kreative Rezepte im Magazin „Küchengeheimnisse“

Schlemmen im Sommer: Entdecken Sie kreative Rezepte im Magazin „Küchengeheimnisse“

Der STERNGLAS Topseller im exklusiven Deal - 50 Euro sparen!

Der STERNGLAS Topseller im exklusiven Deal - 50 Euro sparen!

Meistgelesene Artikel

Marco Behrmann hat eine Corona-Infektion überstanden – aber nur knapp

Marco Behrmann hat eine Corona-Infektion überstanden – aber nur knapp

Marco Behrmann hat eine Corona-Infektion überstanden – aber nur knapp
Gefahrgut-Unfall auf der A1 bei Oyten: Strecke wieder freigegeben

Gefahrgut-Unfall auf der A1 bei Oyten: Strecke wieder freigegeben

Gefahrgut-Unfall auf der A1 bei Oyten: Strecke wieder freigegeben
Schluss mit „durchknallenden Radfahrern“

Schluss mit „durchknallenden Radfahrern“

Schluss mit „durchknallenden Radfahrern“
Weinfest in Thedinghausen zwei Mal im September

Weinfest in Thedinghausen zwei Mal im September

Weinfest in Thedinghausen zwei Mal im September

Kommentare