Seit Einschulung vor 70 Jahren zusammen

Frauen-Trio geht gemeinsam durch dick und dünn – ein Leben lang

Marlis Schröder, Edith Winkelmann und Wilma Huckfeldt
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Blättern sich bei Kaffee und Kuchen durch alte Fotos: (von links) Marlis Schröder, Edith Winkelmann und Wilma Huckfeldt.

Baden – Es ist an jenem 1. April im Jahr 1951 noch nicht abzusehen gewesen. Aber damals legte der Zufall den Grundstein für eine ganz besondere Verbindung. Denn an diesem Tag sorgte er dafür, dass drei kleine Mädchen zusammen in Baden eingeschult wurden, sich anfreundeten und bis heute unzertrennlich sind.

Nun, an einem sonnigen Nachmittag mehr als 70 Jahre später, sitzen Marlis Schröder, die in Cluvenhagen wohnt, Edith Winkelmann aus Etelsen und Wilma Huckfeldt bei Letzterer im Garten in einem Badener Wohngebiet und blättern durch Fotos längst vergangener Jahrzehnte. Einige Sepiafarbene zeigen die Frauen 1964 in Gesellschaft anderer Menschen. In dieser Szene sitzen sie um einen Wohnzimmertisch herum. Aber sie hätten auch viel getanzt, erzählen die Seniorinnen. Zu „Schöne Maid“ von Tony Marshall etwa, zu Rex Gildo oder Roy Black. „Das war so unsere Zeit“, sagt die 76-jährige Wilma Huckfeldt. Gefeiert hätten sie gern, so das Trio – ob an Pfingsten, beim Schützenfest oder im Tanzlokal Badener Berg, wo früher die Ausflugsschiffe aus Bremen angelegt haben. Gern und durchaus auch mal länger. „Die Bauern fuhren zum Melken und wir sind nach Hause gegangen“, erinnert sich Marlis Schröder. Die Runde lacht.

„Komischerweise hat das mit unseren Männern auch geklappt“, erzählt Wilma Huckfeldt. Während Hochzeiten anderswo das Todesurteil für einige Freundschaften sind, waren die drei Frauen und ihre Männer jahrzehntelang in denselben Kegel- und Kartenspielgruppen. Die Doppelkopf-Runde sei zwar seit diesem Jahr Geschichte, aber zuvor ging es dort alle 14 Tage um Füchse, Hochzeiten und Schweine – ein halbes Jahrhundert lang. Auch die Kegel-Truppe gibt es nicht mehr. Für die Kalender von Wilma Huckfeldt und Marlis Schröder ändert das allerdings wenig. Sie treffen sich einfach weiter alle vier Wochen zum Kegel-Essen. Die Badenerin und Edith Winkelmann sehen sich regelmäßig zum Rommé-Spielen und immer wieder treffen sich auch alle drei zusammen. Ob sie in der Zwischenzeit denn miteinander telefonierten? „Jaaaaaa“, schallt es von den Gartenstühlen.

Im Laufe der Jahre seien die Freundinnen oft miteinander verreist, erzählen sie. Mal ging es an die Mosel, dann ins Weserbergland, nach Limburg, ins Ahrtal oder nach Leipzig. Mit dabei waren dann auch andere Freunde und manchmal auch die kompletten Familien – Wilma Huckfeldt hat ein längst erwachsenes Kind, Marlis Schröder zwei Kinder und Edith Winkelmann drei.

Da waren die Frauen um die 20 Jahre alt. Links sind Edith Winkelmann und Wilma Huckfeldt zu sehen. Marlis Schröder (in Weiß) sitzt auf dem Sofa.

Die Älteste in der Runde, die 77-jährige Winkelmann, erinnert an eine Reise nach Berlin. Dort seien sie mal mit Gepäckwagen durch den Hotelflur gedüst. Wieder lachen die Frauen. Da müssen sie auch schon über 60 gewesen sein, denn Huckfeldt und Winkelmann seien bereits allein gewesen, kombinieren sie. „Mit Wilma kann man immer viel Spaß haben“, versichert Edith Winkelmann.

Aber nicht nur durch die schönen Zeiten hindurch hat die Freundschaft des Trios überlebt. In sieben Jahrzehnten gibt es natürlich auch Schicksalsschläge – wie den Tod von Winkelmanns Mann vor 14 Jahren etwa, eine Trennung oder Krankheiten. Egal, was war, sie seien immer füreinander da, sagen die Drei. Eben so, wie Freunde das sind. Nah, ehrlich und unverstellt, so kommt ihr Verhältnis rüber. Und das ist es wohl auch. „Ich kann auch mal sagen: ,Du blöde Kuh’. Da sind wir nicht vergrellt“, sagt Edith Winkelmann. Wilma Huckfeldt fügt hinzu: „Wenn man das nach all der Zeit nicht könnte, ist das keine Freundschaft.“ Marlis Schröder schaltet sich ein und sagt, dass das aber nicht selbstverständlich sei – ein Beweis mehr dafür, dass die Verbindung der einstigen Klassenkameradinnen etwas ganz Besonderes ist.

Und weil sie das ist, hat Wilma Huckfeldt den anderen beiden am 1. April in diesem Jahr eine kleine Urkunde gebastelt. Für 70 Jahre Freundschaft – und hoffentlich noch ganz viele mehr.

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