Freches Kabarett der „Schlitzohren“: Autoralley in der Fußgängerzone?

Achim, die Bettenstadt - gut schlafen im Ratssaal

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Schluss mit großer Liebe für kleines Geld: Nach der Pause suchten „Bordsteinschwalben“ den Kontakt zum Publikum und forderten anschließend Mindestlohn für ihre Leistung.

Achim - Von Ingo Schmidt. Da hatte sich einiges aufgestaut! Aber die Schlitzohren pfefferten nicht den gesamten Rotz eines Jahres auf die Bühne, sondern nur das Beste. In liebevoll arrangierten Episoden präsentierten die Achimer Hobby-Kabarettisten vor ausverkauften Rängen ihr aktuelles Bühnenprogramm im Kulturhaus Alter Schützenhof (Kasch). Mal ernst, mal verspielt und dabei gekonnt abwechslungsreich nahmen die Schlitzohren jeweils am Freitag- und Sonntagabend lokale Themen ins Visier.

Zur Begrüßung intonierte das Ensemble seinen Titelsong „Nase voll“ zur Abba-Melodie von Waterloo, der das Publikum auf die bevorstehende Collage einstimmte. Die Stadtentwicklung bildete anschließend so etwas wie einen roten Faden, und der Auftakt zeichnete ein düsteres Zukunftsszenario: Zur Belebung der Fußgängerzone wurde kurzerhand zwischen Gieschen-Kreisel und neuem „Hoffmann-Kreisel“ eine Autorennstrecke eingerichtet.

In einer anderen Episode wandern Pilgerreisende auf dem „Simonsweg“ und genießen meditierend die ungestörte Ruhe einer konsumfreien Innenstadt. Außerdem präsentierten die Schlitzohren ein Konzept zum Stadtmarketing: „Achim, die Bettenstadt - entspannt schlafen im Ratssaal“.

In der Kita haben drei Pimpfe die Nase voll: Keine Lust mehr auf freies Spiel und Prügelverbot. Ein Mädchen versendet Stuhlkonsistenz-Infos per WhatsApp zur Beruhigung an die Mutter, während die Jungs über den kommerziellen Wettstreit ihrer unzähligen Väter frohlocken und sich darüber beklagen, dass der Chinesisch-Kurs wegen Schimmelpilz-Befall ausfallen muss.

Weitere Themen reichten über ein Pflegestufen-Training für überagile Senioren bis hin zu „Bücherwürmern“, die in der Bibliothek nach dem Verzehr von Fastfood-Zeitschriften mit der Neuauflage von „Mein Kampf“ auf besonders bittere Kost stoßen.

Missverständnisse und Integrationsprobleme pointiert hingegen ein Zwiegespräch zwischen Klein-Paul und Flüchtlingsjunge Samuel. Herausragend: Pierre Schröder mit einer freien Interpretation von „Sag nein“ (Konstantin Wecker) zum Thema Rechtspopulismus und Hans Hermann Hille philosophisch mit „Was denken die anderen“ nach Helge Thun.

Nach der Pause suchten „leichte Mädchen“ Kontakt zum Publikum und forderten Mindestlohn mit einem „Atemlos-Coversong“. Zur Titelmeldie „Mission Impossible“ erklärten dann schwarze Vögel ihre Bestimmung: Die Rettung der Schöpfung mittels einer weichen und ätzenden Waffe, mit der sie alles Böse überkoten.

Mit einem imposanten, musikalisch abwechslungsreichen Kabarettprogramm begeisterten die Schlitzohren ihr Achimer Publikum, welches die Protagonisten mit tosendem Beifall belohnte. Andreas Möller, Heinrich Schirmer, Pierre Schröder, Dirk Ysker, Birgit Asmuß, Cornelia Jürgens, Hans Hermann Hille sowie die überragende Stephanie Fizke am Piano durchwanderten die Stuhlreihen und bedankten sich per Handschlag.

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