Stephanie Nückel verstört mit „Circen und anderen Zauberwesen“ in der Hünenburg

Frauen, die frösteln lassen

Stephanie Nückel entnimmt ihre Motive Hochglanzmagazinen. Die Künstlerin interessiert sich für die Doppelbödigkeit des Geschäfts mit dem schönen Schein. In 29 Werken stellt sie ihr künstlerisches Schaffen gerade im Haus Hünenburg aus. - Foto: Hägermann

Achim - Von Bernd Hägermann. Wenn katzenäugige Frauen Männer in Schweine verwandeln, befindet man sich entweder in der griechischen Mythologie oder in einer Ausstellung von Stephanie Nückel. Die aktuelle Bilderschau der Berliner Künstlerin heißt „Rette sich wer kann. Circen und andere Zauberwesen“.

Eröffnet wurde sie am Sonntagvormittag im Haus Hünenburg. Die Verbindung zwischen dem Achimer Kunstverein und der Malerin war im September des Vorjahres hergestellt worden. „Danach“, sagte Nückel, „wurden schnell Nägel mit Köpfen gemacht.“ Und sie fügte hinzu: „Im Kunstbetrieb werden ja längst nicht alle Versprechungen und Vereinbarungen eingehalten. Die Zuverlässigkeit und Professionalität des Achimer Kunstvereins hebt sich davon wohltuend ab.“

Insgesamt zeigt Nückel im Haus Hünenburg 29 Werke. Es sind Abbilder eines Teiles unserer Gesellschaft. Genaugenommen ist es die Werbeindustrie, in der Models für Kommerz und Profit in Szene gesetzt werden. Blutleer häufig, auch klapperdürr und in den immer gleichen Posen, aber erfolgreich. „Sex sells“, weiß nicht nur Stephanie Nückel. Tatsächlich findet sie ihre Motive in Hochglanzzeitschriften, wo der schöne Schein alles ist und der Verdrängungswettbewerb knallhart. Was Nückel interessiert, ist die Doppelbödigkeit des Geschäfts und etlicher ihrer Protagonisten im Zusammenwirken mit dem Dekorativen. Vorsicht: Die Bilder können beim Betrachter ein dauerhaftes Frösteln auslösen. Das bewirkt der kalte Hauch der Unnahbarkeit.

Noch bevor die Kunstvermittlerin Meike Su zu den Bildern von Stephanie Nückel sprach, hatte Annika Blanke ihren Auftritt. Sie ist im Fach Slam Poetry unterwegs, mithin einer Spezies zugehörig, die mit Worten Kunst erschafft. In der Hünenburg gelang ihr das auf eindrucksvolle Weise. Bei ihrer poetischen Kritik an bestehenden Verhältnissen ließ Blanke verlesene Blätter zu Boden schweben und viele Gedanken ganz weit über den Horizont hinaus.

In einem zweiten Ausstellungsschwerpunkt zeigt Stephanie Nückel Hasen-Bilder. Klingt süß, plüschig und harmlos, ist aber der Horror. Die Häschen von Nückel gebärden sich, als wären sie der Fantasie eines Stephen King entsprungen. Als ein Zahnarzt eines der Bilder für seine Praxis kaufen wollte, weil die so schön bunt sind, fragte die Künstlerin beinahe ungläubig: „Haben Sie sich die Bilder auch ganz genau angesehen?“

Dazu haben die Ausstellungsbesucher noch bis zum 28. August im Haus Hünenburg Gelegenheit.

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