Franziska Faust will als Jüngste im Kasch-Team neue Zielgruppen ansprechen

Teilhabe statt nur Konsum

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Altes und Neues: Franziska Faust ist seit März Teil des Kasch-Teams.

Achim - Von Lisa Duncan. Mit diesem Nachnamen ist die Karriere quasi vorgezeichnet, könnte man jetzt höhnen. Franziska Faust ist seit genau zwei Monaten neue Teilzeitkraft im Kulturhaus Alter Schützenhof (Kasch). Zuständig natürlich für – was wohl? – den Bereich Theater.

Dass es sie einmal beruflich nach Achim verschlagen würde, hätte die 27-Jährige, die in Wien Theater-, Film- und Medienwissenschaften studierte, bis vor wenigen Jahren zwar nicht gedacht. Aber so weit hergeholt war die Idee auch nicht, sich auf die Ausschreibung im Kasch zu bewerben. Nicht nur, weil sie mit einer 20-Stunden-Stelle mehr Zeit für die Familie, den Freund und die einjährige Tochter Marla, hat. Faust ist gebürtige Uphuserin und lebte bis zu ihrem dreizehnten Lebensjahr – bevor die Familie nach Affinghausen umsiedelte – in dem Achimer Ortsteil. „So war es für mich auch eine Herzensangelegenheit, in Achim etwas zu verändern“, betont sie.

Dabei betrachtet sie es als Vorteil, dass sie sich nicht als vollkommen Fremde auf die hiesige Kulturlandschaft stürzt. Vieles kennt sie bereits: Das betrifft nicht nur ihre alte Schule, damals noch „OS am Markt“, die nur einen Katzensprung vom neuen Büro entfernt liegt. Getanzt hat sie im Ballettstudio Jessel – und Frank Völkel, der viele Jahre das Mandolinenorchester geleitet hatte, vermittelte ihr einst die Grundlagen dieses Zupfinstruments. Das Kasch hingegen, das in diesem Jahr 25-jähriges Jubiläum feiert, habe sie damals noch nicht interessiert. „Aber das geht Jugendlichen, mit denen ich heute spreche, genau so“, erzählt sie.

Das möchte die junge Frau ändern. „Ich will neue Zielgruppen ansprechen. Kulturell bietet Achim zu wenig für junge Menschen und Leute mit Migrationshintergrund, obwohl sie einen großen Teil der Gesellschaft ausmachen“, findet Faust, die es als Aufgabe sieht, „Kultur in Achim neu aufzuwerten“. Zentral sei der Aspekt der Teilhabe, gewissermaßen das „sozio“ im Begriff „soziokulturell“, wofür das Kasch seit einem Vierteljahrhundert steht.

Um nicht an den Menschen vorbei zu planen, befasst sich die Wahlbremerin zurzeit mit einer Bestandsaufnahme: „Ich führe Interviews mit Leuten auf der Straße.“ Dabei habe sich herausgestellt, dass viele das Kasch nicht mit einem Kunst- oder Kulturanspruch, sondern mit Raumvermietung für Selbsthilfegruppen verbinden. Die Kurz-Interviews, die Franziska Faust per Mobiltelefon aufgezeichnet hat, möchte sie zu einem Stimmungsbarometer zusammenschneiden, das sich Besucher am Jubiläumswochenende vom 19. bis 21. Juni anhören können. Mit wenigen technischen Hilfsmitteln etwas erstellen zu können, gefällt ihr daran besonders gut: „Das ist so einfach, jeder kann mitmachen.“ Angesichts der Tatsache, dass durch den demographischen Wandel „viele nicht mehr mit der deutschsprachigen Hochkultur vertraut“ seien, gewinnen solche Methoden des Kulturschaffens an Bedeutung. In dieselbe Kerbe („Mitmachen statt nur Konsumieren“) schlägt eine für Herbst angedachte Reihe mit dem Titel „Klub der Visionäre“.

Faust steht erstmal ein Zeitfenster von drei Jahren zur Verfügung. So lange wird ihre Stelle über die Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur gefördert.

Auch Kollegin Susanne Groll sieht im Einbeziehen des Publikums keinen Trend, sondern eine Notwendigkeit. Groll beschreibt „die Neue“ als kreativen Kopf mit Realitätssinn. „Ich denke, sie merkt, das Haus kann nicht revoltiert, wohl aber reformiert werden.“

Und sonst? Vom 27. Juli bis 8. August bietet das Kasch unter Fausts Regie erstmals einen Theaterworkshop für Kinder ab 14 Jahre an. Der Titel „Ready for Takeoff“ sei eigentlich als Frage gemeint: „Ist Achim bereit für Veränderungen?“ Faust hofft, dabei „mit Jugendlichen utopische Dinge zu entwickeln“. Da kann sie aus ihrer beruflichen Erfahrung beim Bremer Moks-Theater schöpfen, wo sie Regieassistentin war und mit der Theaterschule „Junge Akteure“ unter anderem ihr erstes eigenes Stück „Für immer, Medea“ realisierte.

Zudem soll es am 2. Juni, voraussichtlich im Atrium, einen „Runden Tisch darstellendes Spiel in Achim“ geben, an dem sich jeder gern aktiv beteiligen kann. Anmeldungen dafür – und auch für den Theaterworkshop – nimmt das Kasch unter Telefon 04202/5118836 oder per E-Mail unter franziska.faust@kasch-achim.de entgegen.

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