1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Verden
  4. Achim

Frank Bergs, Vizepräsident des Achimer Lions-Clubs, will Spendenbereitschaft ankurbeln

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Dennis Bartz

Kommentare

Hofft darauf, dass die Spendenbereitschaft wieder wächst: Frank Bergs, Vizepräsident der Achimer Lions.
Hofft darauf, dass die Spendenbereitschaft wieder wächst: Frank Bergs, Vizepräsident der Achimer Lions. © Bartz

Die Spendenbereitschaft für die Bevölkerung in der Ukraine lässt nach, hat Frank Bergs, Vizepräsident des Achimer Lions-Clubs, beobachtet. Er ruft dazu auf, die Menschen im Kriegsgebiet nicht zu vergessen. Die Lions-Clubs im Landkreis Verden veranstalten zwei Charity-Events: ein Konzert und ein Benefiz-Golftunier.

Achim – Spenden im Gesamtwert von mehr als 200.000 Euro haben die Lions-Clubs im Landkreis Verden seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine Ende Februar bereits gesammelt und verteilt. Für Frank Bergs, Vizepräsident des Achimer Clubs, eine stolze Summe – aber kein Grund, sich darauf auszuruhen.

Im Gegenteil: Die Lions-Clubs wollen deshalb noch einmal nachlegen – „mit geballter Power“, wie es Bergs beschreibt. Er freue sich darüber, dass sich zwischenzeitlich Syke den vier Lions-Clubs Achim, Ottersberg, Verden und Verden Kristina Regina angeschlossen habe.

Aber irgendwann wird das Schlimme, das wir in den Nachrichten sehen, zur Normalität – dann schalten die Leute weg.

Frank Bergs, Vizepräsident des Achimer Lions-Clubs

Die Unterstützung sei auch deshalb notwendig, weil die Spendenbereitschaft insgesamt nachlasse, wie Bergs festgestellt hat. „Dieses Phänomen erleben wir bei jeder Katastrophe. Wenn etwas ganz frisch und aktuell ist, sind die Menschen sehr betroffen. Aber irgendwann wird das Schlimme, das wir in den Nachrichten sehen, zur Normalität – dann schalten die Leute weg.“

Er ruft dazu auf, die Menschen in der Ukraine nicht zu vergessen: „Eigentlich müsste die Spendenbereitschaft sogar weiter steigen, weil der Bedarf wächst: Die Zerstörung der Infrastruktur in der Ukraine ist an vielen Stellen inzwischen so groß, dass die Menschen dort kaum Zugang zu Lebensmitteln und frischem Wasser haben.“ Zusätzlich sei die medizinische Versorgung katastrophal. „Das berichten uns unsere Lions-Freunde aus der Ukraine“, so Bergs.

Die Hilfe vor Ort müsse deshalb weiter ausgebaut werden – besonders die Versorgung mit Lebensmitteln und Medizin. „Nach dem, was wir hören, ist ausreichend Kleidung vorhanden, weil das DRK, der Malteser Hilfsdienst und andere Organisationen in diesem Bereich ganze Arbeit leisten“, so Bergs weiter, der nach eigenen Worten erwartet, dass der Flüchtlingsstrom zunehmend eine Herausforderung werde. „Wir müssen darüber sprechen, wie wir damit umgehen. Bund, Landkreis und Stadt werden in besonderem Maße gefordert sein, Lösungen dafür zu finden“, so Bergs weiter. Er beschreibt die Zusammenarbeit mit den Kommunen als „oft sehr zäh“ und hofft, dass sie sich verbessert: „Es wäre für alle Seiten gut, wenn die Behörden enger mit den Lions, Rotariern und anderen Hilfsorganisationen zusammenarbeiten würden, um die erforderlichen Hilfen besser zu organisieren.“

Zusätzlich schlage sich auf die Spendenbereitschaft seiner Einschätzung nach nieder, dass die Sorgen der Bürger wegen der steigenden Energiekosten und davor, dass es einzelne Lebensmittel womöglich bald nicht mehr geben könnte, wachse. „Besonders ältere Menschen, die selbst noch den Krieg erlebt haben, beginnen deshalb damit, Lebensmittel zu horten und wollen ihr Geld zusammenzuhalten“, glaubt Bergs.

Er hat mit vielen Unternehmern gesprochen und erfahren, dass viele von ihnen wirtschaftlich stark von den Folgen des Krieges betroffenen seien. Es komme zu massiven Preissteigerungen, Bauteile aus der Ukraine seien zudem oft schwer oder gar nicht mehr zu bekommen. „Das betrifft unter anderem das Baugewerbe, aber auch den Bereich Elektronik. Viele Unternehmen richten ihre gesamte Aufmerksamkeit im Moment verständlicherweise darauf, dass ihr Laden nicht zusammenbricht“, beschreibt Bergs.

Weiterhin groß sei das Engagement dagegen bei den Firmen, die persönliche Beziehungen zu den Menschen in der Ukraine und Russland pflegen, etwa, weil sie dort produzieren oder Mitarbeiter haben.

Um die Spendenbereitschaft wieder anzukurbeln, komme es darauf an, persönliche Gespräche zu führen. „Allgemeine Spendenaufrufe reichen dafür meines Erachtens nicht mehr“, glaubt Frank Bergs und gibt einen Überblick über die bereits abgeschlossenen und geplanten Hilfs- und Spendenaktionen der Lions-Clubs für die Menschen in der Ukraine.

Bereits unmittelbar nach Ausbruch des Krieges Ende Februar hätten sich der Lions-Club Ottersberg und die ortsansässige Firma Düvelsdorf, die in der Ukraine eine Fertigung betreibt, zusammengeschlossen, um einen Lebensmitteltransport zu organisieren. Ein Lastwagen mit 30 Paletten Konserven und anderen Hilfsgütern machte sich auf den Weg in die Ukraine.

Um die Hilfen bestmöglich zu bündeln, setzten sich die Verantwortlichen der vier Lions-Clubs Achim, Ottersberg, Verden und Verden Kristina Regina bald darauf an einen Tisch. „Als eines der Ergebnisse des Gesprächs habe ich quasi über Nacht die Internetseite www.lions-lkverden-ukrainehilfe.org entwickelt, auf der wir seitdem über unsere Aktionen informieren“, berichtet Frank Bergs weiter.

Spendengelder einsammeln, Hilfstransporte organisieren und auf diesen Wegen gemeinsam die durch den verheerenden Krieg in der Ukraine entstandene Not der Menschen zu lindern, seien seitdem die erklärten Ziele der Lions-Clubs. „Durch direkte und persönliche Kontakte zu den Menschen in der Region können wir die Hilfe gezielt einsetzen“, erklärt Bergs.

Dabei hätten sich drei Schwerpunkte herauskristallisiert: Die Nothilfe in dem Krisengebiet von Lviv und Chmelnyzkyj in der Ukraine, die Unterstützung von Schutzsuchenden in Poznan und Kozim Wielkopolski in Polen sowie die direkte Hilfe für Flüchtlinge im Landkreis Verden. In den nächsten Tagen folge der insgesamt fünfte Transport von Hilfsgütern wie Medikamenten nach Chmelnyzkyj.

Zuvor hatte sich bereits ein 40-Tonnen-Lkw auf den Weg nach Polen gemacht – beladen mit Kleidung, Hygieneartikeln und Lebensmitteln. Die nächste Tour ist schon geplant: „Dafür sammeln wir Lebensmittel, aber auch Windeln, Damen-Hygieneartikel, Körperpflegeprodukte und vieles mehr“, so Frank Bergs weiter. Spenden können am Samstag, 30. April, von 9 bis 14 Uhr im Brunnenweg 1 in Verden abgegeben werden.

Die Lions-Clubs sammeln außerdem medizinische Hilfsgüter im Büro des Palliativnetzwerks an der Herbergstraße 2 bis 4 in Achim. Die Annahmezeiten sind werktags von 9 bis 15 Uhr. Benötigt werden vor allem Medikamente gegen Fieber und Schmerzen wie zum Beispiel Paracetamol, Aspirin und Ibuprofen, dazu aber auch Erkältungs- und Grippemittel sowie Pflegeprodukte für Babys und Vitaminpräparate. „Die Helfer in der ukrainischen Stadt Chmelnyzkyj benötigen diese Mittel dringend und haben uns um Unterstützung gebeten“, teilen die beteiligten Lions-Clubs mit. Sie hatten zuvor bereits den Transport von Sachspenden übernommen, die das Cato- Bontjes-van-Beek-Gymnasium und das Gymnasium am Markt mit der katholischen Kirchengemeinde in Achim gesammelt hatten.

Derzeit laufen die Planungen für zwei Charity-Aktionen der Lions. Das Blechbläser-Ensemble Harmonic Brass spielt auf Einladung vom Lions Förderverein Verden am Samstag, 25. Juni, ab 19.30 Uhr im Verdener Dom. Tickets gibt es per E-Mail an lionskonzert@orange-tax.de und unter www.orange-tax.de/lionskonzert. Die Karten können ab sofort reserviert werden und kosten je nach Preiskategorie zwischen 20 und 30 Euro.

Am Sonntag, 14. August, lädt der Lions-Club Achim zum Benefiz-Golfturnier ein, an dem bis zu 80 Sportler gegen eine Spende in Höhe von 30 Euro teilnehmen können.

Um weiteres Geld für den guten Zweck zu sammeln, erhalten Firmen die Möglichkeit, sich für 300 Euro an den Löchern, Bahnen und im Terrassenbereich zu präsentieren. Interessierte melden sich per E-Mail an andreas-lattermann@gmx.de. „Alle Spenden gehen voll in unsere Ukraine-Hilfe“, so Frank Bergs, der dem Achimer Golf-Club für die Unterstützung dankt: „Der Verein stellt uns den Platz kostenlos zur Verfügung.“

Außerdem lädt der Lions-Club Achim im Rewe-Markt Markus Hauptig die Kunden dazu ein, ihren Einkaufsbetrag aufzurunden, um damit schnell und unbürokratisch zu spenden. „Wir sind froh, zusätzlich diese Möglichkeit anbieten zu können“, so Frank Bergs.

Auch interessant

Kommentare