Hanne Tydeks schneidet bei Ausbildung als Mikrotechnologin hervorragend ab

Forscherdrang, der früh belohnt wird

Technisch-mathematisches Verständnis, aber auch Fingerfertigkeit beweist die Mikrotechnologin Hanne Tydeks. Foto: mix

Achim - Von Michael Mix. „Ich war schon als Kind an Naturwissenschaften interessiert, aber auch an Mathematik, Informatik, Technik“, sagt Hanne Tydeks. Inzwischen ist sie eine ausgezeichnete Mikrotechnologin, jedenfalls auf dem Feld der Berufsanfänger. Die Industrie- und Handelskammer Niedersachsen hat die 22-Jährige bei einer Feierstunde in Oldenburg als eine der landesweit besten Auszubildenden in kaufmännischen und gewerblich-technischen Berufen geehrt. Tydeks, die bei der Firma Ficontec Service im Gewerbepark Achim-Uesen in die Lehre ging, schloss ihre Abschlussprüfung mit „sehr gut“ ab.

Aber mit diesem Erfolg ist ihr Ehrgeiz und Wissenshunger noch lange nicht gestillt. Seit kurzem studiert die junge Frau Technisch angewandte Physik an der Hochschule Bremen. Damit holt sie etwas nach, was vor Jahren schon in ihrem Kopf herumspukte.

„Nach dem Abitur hatte ich überlegt, zu studieren. Ich habe mich dafür damals aber noch nicht bereit gefühlt“, verrät Hanne Tydeks im Gespräch mit dieser Zeitung. Sie wollte „erstmal ein bisschen Geld verdienen“. Unter anderem habe sie im Supermarkt gejobbt.

Als diese „Orientierungsphase“ vorbei war, bewarb sich die Bremerin bei verschiedenen Betrieben, um dort eine Ausbildung als Biologie-, Chemie- oder Physiklaborantin anzutreten. Oder aber um eine Lehre als Mikrotechnologin zu beginnen. „Von einer Firma in Bremen bekam ich einen Korb, der dortige Ausbilder empfahl mir jedoch, mich bei Ficontec in Achim zu bewerben“, erzählt Tydeks.

Ein guter Tipp. Im August 2016 startete sie „als einzige in dem Jahrgang“ ihre Ausbildung in dem Unternehmen, das unter anderem Maschinen herstellt, die Bauteile für die schnelle Datenübertragung im Internet fertigen. Global Player wie Facebook und Google zählen zu den Endanwendern.

Hanne Tydeks kniete sich in Mikrotechnologie rein. Die gliedert sich nach ihren Worten in drei Bereiche: Halbleitertechnik, Mikrosystemtechnik sowie Aufbau- und Verbindungstechnik. „Das Letztere war mein Hauptaufgabengebiet während der dreijährigen Ausbildung.“

Aber was genau bedeutete das? Was ist ihre Aufgabe in dieser Zeit gewesen? „Im Prinzip beschäftigt man sich damit, die sensiblen Bauteile sicher zu verpacken und dann auf einer Platine miteinander zu verbinden“, erklärt sie.

Sicherlich keine Tätigkeit für Grobmotoriker und Leute, die schon daran scheitern, eine Schrankwand aufzubauen. „Technisches und mathematisches Verständnis sind dafür wichtig, aber auch Fingerfertigkeit“, sagt Tydeks. Wer nicht das nötige Talent mitbringe oder schludere, könne hohen Schaden anrichten. Die Materialien seien zum Teil sehr wertvoll. „Eine Sensorenfertigung ist in etwa so teuer wie ein Kleinwagen.“

Neben der Ausbildung im Betrieb absolvierte Tydeks blockweise Unterricht an einer Berufsfachschule in Itzehoe. Und auch dort legte sich die angehende Mikrotechnologin ins Zeug.

Bei der schriftlichen und mündlichen Prüfung schnitt Hanne Tydeks hervorragend ab. Ihre Projektarbeit zum Thema „Gecko-Pickup-Tools“ fand höchste Anerkennung. „Meine Präsentation wurde mit 100 Prozent bewertet.“

Aber was haben Tiere, dazu noch solche der seltsamen Art, mit Technik zu tun? „Geckos verfügen ja über Extremitäten, die an Oberflächen haften können. Ein Mechanismus, der für technologische Entwicklungen, wie zum Beispiel Laserlinsen, genutzt werden kann“, erläutert Tydeks.

Die junge Forscherin, die in ihrer Freizeit gerne Volleyball spielt, freut sich, dass sie bei Ficontec „viel praktische Erfahrung gesammelt“ hat. Und auch darüber, dass sie dort während ihres Studiums an einem Tag pro Woche jobben kann.

Anders als viele andere Mädchen und junge Frauen, die meist traditionelle weibliche Berufe wie Bürokraft, Erzieherin oder Verkäuferin ergreifen, hat Hanne Tydeks keinerlei Scheu vor dem mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich. Ganz im Gegenteil. Sie spielt mit dem Gedanken, ihren Forscherdrang nach dem Studium an der Uni auszuleben. „Ich kann mir vorstellen, wissenschaftlich zu arbeiten, um zukunftsweisende Technologien zu entwickeln.“

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