Umfrage bei Kirchengemeinden über Stellenwert von Konfirmation und Firmung

Folgt auf Glaubensmündigkeit die Glaubensmüdigkeit?

Ein Gesangbuch, wie es auch im Konfirmationsunterricht verwendet wird. In Achim ist das Interesse, das Glaubensbekenntnis abzulegen, konstant geblieben, sagen die Pastoren. - Foto: dpa

Achim - Von Lisa Duncan. Traditionell werden zwischen Ostern und Pfingsten Jugendliche konfirmiert. Als Zeichen der Glaubensmündigkeit sind sie nach diesem Fest als Mitglieder der evangelischen Kirche anerkannt. Auch die katholische Kirche verfügt mit Kommunion und Firmung über entsprechende Riten. Welchen Stellenwert hat das Glaubensbekenntnis heute für Jugendliche? Sind materielle oder andere Fragen entscheidend? Eine Umfrage bei Kirchengemeinden in Achim.

Pastor Martin Behr

Als „nach wie vor recht konstant“ beschreibt Pastor Martin Behr das Interesse der jungen Leute, sich in dessen Kirchengemeinde Baden konfirmieren zu lassen. Bei 3500 Gemeindemitgliedern sind es in diesem Jahr insgesamt 39 Konfirmanden. Die Situation sei natürlich nicht mit der Zeit vor 20 Jahren vergleichbar als in Baden noch um die 50 junge Leute sich dem heiligen Sakrament unterzogen – eine allgemeine, demographisch bedingte Rückläufigkeit, so Behr. In Baden komme es aber dank Neubaugebieten und Lückenbebauung auch zu Neueintritten. Dass Eltern wegen zu geringem Einkommen auf die Konfirmation ihres Nachwuchses verzichten, kann Pastor Behr nicht bestätigen. „Das gehört in Baden zum religiösen Brauchtum, an der Konfirmation der eigenen Kinder wird nicht gespart.“ Das Materielle biete zwar einen Anreiz, stehe aber für die Jugendlichen nicht im Vordergrund. Der Konfirmationsunterricht biete auch Gelegenheit, glaubenskritische Fragen zu diskutieren. „Die meisten setzen sich auseinander und finden ihren Weg.“ Behr geht es auch nicht primär um das Glaubensbekenntnis, sondern darum, die jungen Leute positiv in den neuen Lebensabschnitt zu begleiten.

Probst Bernd Kösling

Probst Bernd Kösling betreut mit St. Joseph Verden und St. Matthias Achim/St. Paulus Oyten zwei katholische Kirchengemeinden. Rund 4200 Gemeindemitgliedern gibt es allein in Achim. Zur Kommunion, die als Eintrittskarte für den allgemeinen Gottesdienst gilt, sind in diesem Jahr 24 Kinder angemeldet. Das richtige Glaubensbekenntnis geschieht aber in der katholischen Kirche erst im Mindestalter von 16 Jahren mit der Firmung. Von den Kommunionskindern gehen vielleicht noch 30 bis 40 Prozent zur Firmung. In Achim wird sie daher nur alle zwei Jahre angeboten, das nächste Mal im Mai 2017. Zugang erhielten die jungen Leute durch das Elternhaus, über guten Religionsunterricht oder weil sie sich selbst Fragen zum spirituellen Leben stellen. Am Geld scheitere es in der Regel nicht. „Dann dürfte sich niemand mehr trauen lassen, die Kommunion ist nichts im Vergleich zur Hochzeit.“ Die Fokussierung auf Geldgeschenke findet Kösling nicht widersprüchlich, die innere Ernsthaftigkeit werde davon nicht berührt. Denn viele Eltern spürten, dass die Kirche Werte vertrete, bei denen es ihnen schwer fallen würde, sie selbst zu vermitteln.

Am größten ist die St.-Laurentius-Kirchengemeinde mit etwa 10 000 Gemeindemitgliedern und etwa 100 Konfirmanden in diesem Jahr. „Das schwankt von Jahr zu Jahr“, sagt Pastor Ulrich Wilke, der für den Pfarrbezirk Uesen zuständig ist. Zu Beginn des Konfirmandenunterrichts geben viele Jugendliche „Geld und Geschenke“ als Motivation an, aber genauso viele auch „Entscheidung zum Glauben“. Fast immer mit dabei sei auch das „große Familienfest“. Ein Mitnahme-Effekt durch die Konfirmation sei schwer messbar: Etwa ein Drittel habe später Lust, sich als Teamer in der Jugendarbeit zu engagieren. Bei den meisten rücke die Kirche erst später wieder in den Vordergrund, etwa bei der Taufe des eigenen Kindes.

In Zeiten oft auch ökonomisch begründeter Kirchenaustritte kann Ulrich Wilke trotzdem nicht bestätigen, dass Eltern an der Konfirmation ihrer Kinder sparen. „Diese Begründung habe ich noch nie gehört. Aber Uesen ist auch kein sozialer Brennpunkt.“ Darüber hinaus stammten Konfirmanden seit je eher aus bildungsnahen Schichten. Da heute aber generell ein hoher Perfektionsanspruch an private Feiern gestellt werde, hält er es für denkbar, dass es manche Familien abschrecke.

Pastor Arnd Seiferth

Als Schulpastor des Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasiums ist Arnd Seiferth auch Seelsorger, als Jugendpastor visitiert er im Konfirmandenunterricht. Natürlich sei es für die Jugendlichen lukrativ, sich konfirmieren zu lassen. „Aber viele kriegen auch mit: Glauben hat etwas mit ihrer Lebenswirklichkeit zu tun.“ Laut Seiferth stelle sich bei der Konfirmation nicht die Frage, welcher sozialen Schicht man angehöre. Schließlich sei die Kirche auch dazu da, Benachteiligte zu unterstützen. So werde die Konfirmandenfreizeit zur Not bezahlt. Und damit es nicht an der Kleiderfrage scheitert, bietet die St. Laurentiusgemeinde einen Basar mit festlicher Kleidung an.

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