„Die Finger von den Nestern lassen“

Nabu-Experte warnt davor, Wespen eigenhändig zu entfernen

Nicht alle Wespen haben es im Sommer auf Süßes abgesehen. Einige Arten interessieren sich schlichtweg nicht dafür. Foto: Winfried Faust
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Nicht alle Wespen haben es im Sommer auf Süßes abgesehen. Einige Arten interessieren sich schlichtweg nicht dafür.

Achim - Von Sandra Bischoff. Die Wespen sind früh dran in diesem Jahr, etwa zwei Wochen früher als üblich, sagt Eckhard Jäger. Einige Anfragen mit Bitte um Hilfe haben den beim Naturschutzbund (Nabu) Achim zuständigen Fachmann für Wespen und Co. in diesen Tagen schon erreicht. „Die Leute sind wegen Corona viel zu Hause, da fällt ihnen eher auf, dass da mal Wespen durch den Garten fliegen“, sagt Jäger.

„Die Tiere, die wir jetzt sehen, sind die Königinnen“, erklärt der Achimer. Diese seien auf der Suche nach geeigneten Plätzen für ihre Nester. „Wenn das Mikroklima an dem Ort stimmt, kann es sein, dass sie anfangen, zu bauen“, sagt Jäger.

Er unterscheidet zwischen zwei Arten von Wespen: Denjenigen, die ihre Nester meist gut sichtbar bauen und denen, die das versteckt tun. „Wenn man ein Nest gut sehen kann, dann kann man auch gut damit leben, weil diese Wespen nichts tun und sich auch später im Jahr nicht für unseren Süßkram interessieren“, sagt Jäger. Zu dieser Kategorie gehören unter anderem die Sächsische und die Mittlere Wespe.

Anders sieht es bei der zweiten Gruppe aus, zu der Jäger die Deutsche und die Gemeine Wespe zählt. Diese Tiere benötigen einen Ruheraum, eine Höhle, und mit dieser Fraktion ist nicht unbedingt gut Kirschen essen. „Die können später im Sommer auch lästig werden, weil sie von der Anzahl her auch sehr viel werden.“

Wespen sind gute Wächter, sagt Eckhard Jäger. Die Tiere sind in der Lage, sich Gesichter zu merken.

Wer jetzt ein Nest zum Beispiel direkt über der Terrasse entdeckt, der sollte sich schnell bei Jäger melden. Es bestehe momentan noch die Möglichkeit, die Nester eventuell umzusiedeln. Aber: „Es braucht einen vernünftigen Grund, um sie zu entfernen“, so der Fachmann. Denn schließlich stehen die Tiere unter strengem Schutz. Sein Rat: „Die Finger von den Nestern lassen“ und sich fachmännische Hilfe etwa über den Nabu oder den Landkreis holen. Dort ist Eckhard Jäger als einer der Beauftragten für Faltenwespen-Arten gelistet.

Auch sei es jetzt an der Zeit, sich die versteckten Winkel in Garagen und Gartenhäusern anzusehen und nach möglichen Nestern abzusuchen. Noch seien diese sehr klein und das Nest wachse langsam. Der ausgewachsene Staat einer Deutschen Wespe komme aber gut und gerne auf bis zu 10 000 Tiere.

Die Mittlere Wespe baut ihr Nest als Einzige mit einer wetterfesten Hülle. Fotos: Jäger

Alles in allem zeigt sich der Fachmann mit dem Wespenaufkommen zufrieden. „Es gibt Wespenjahre und dann wieder welche mit weniger Tieren. Ich kann aber kein Insektensterben ausmachen“, sagt Jäger. Der konsequente Schutz einiger Arten hat ihm zufolge dazu geführt, dass das Wissen um die Wespen in der Bevölkerung größer geworden ist. „Und die Hornissen haben auch was davon, denn heute wissen schließlich alle, dass ihre Stiche nicht automatisch tödlich sind.“

Trockene Sommer seien für eine gute Population allerdings nicht ideal. „Wespen brauchen Eiweiß in Form von Insekten.“ Diese seien bei großer Trockenheit nicht zu finden. Ebenso schlecht seien milde feuchte Winter. „Wenn die Wespe keinen trockenen Überwinterungsplatz hat, kann sie in der Starre auch von Pilzen befallen werden.“

Jäger hat Verständnis für Bürger, die ihn wegen Wespennestern anrufen. „Es gibt ja auch ungünstige Stellen.“ Andererseits sieht er auch Vorteile einer Wespenansiedlung. „Man kann Wespen prima als Wächter benutzen. Sie prägen sich Gesichter ein. Wenn in einem Haushalt nur bartlose Menschen wohnen und plötzlich steht ein Bartträger vor der Haustür, dann werden die Wespen in ihrem Nest direkt neben dem Eingang schon sehr unruhig, weil es etwas Unbekanntes ist. Und sie sind von Natur aus einfach neugierig.“

Weitere Informationen unter

www.nabu-verden.de

www.landkreis-verden.de

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