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„Feuerwehr war eher nach Oyten orientiert“

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Von: Michael Mix

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Landwirt und Ex-Ortsvorsteher Cord Mindermann vor der Mühle Meyer.
Landwirt und Ex-Ortsvorsteher Cord Mindermann vor der Mühle Meyer. © Mix

Achim – „Die Feuerwehr war nach Oyten orientiert“, erinnert sich Cord Mindermann. Er und die übrigen Mitglieder der freiwilligen Helfertruppe in Embsen hätten mit dem im Zuge der Gebietsreform 1972 bevorstehenden Anschluss an Achim gefremdelt. Denn Wettkämpfe seien mit den Feuerwehren Oyten, Bassen oder auch Ottersberg ausgetragen worden. „Der kameradschaftliche Kontakt war zu der Zeit zu den Oytenern ein ganz anderer als der nach Achim“, sagt Mindermann, der als 16-Jähriger in die Feuerwehr Embsen eintrat und ihr noch heute, mit 75 Jahren, angehört.

Aber nicht nur bei den ehrenamtlichen Uniformträgern habe es Vorbehalte gegenüber der Eingemeindung in die Nachbarstadt gegeben. „Wir sind schuldenfrei, Achim nicht“, sei Tenor im Dorf gewesen.

Embsen war Ex-Ortsvorsteher Mindermann zufolge vor einem halben Jahrhundert noch sehr ländlich geprägt. „Damals gab es etwa 25 bis 30 landwirtschaftliche Betriebe.“ Heute existierten lediglich noch sechs Höfe, wovon vier Bauern im Nebenerwerb tätig seien, weiß der gebürtige Embser, selbst Landwirt mit Leib und Seele. Seit zehn Jahren führe sein Sohn Carsten den Betrieb mit Milchviehhaltung, Schweinemast sowie rund 100 Hektar Acker- und Grünland.

Vor 50 Jahren habe es im Dorf auch darüber hinaus ein recht vielfältiges Gewerbe gegeben. „Tischlerei, Zimmermann, Schuster, Friseure, Landmaschinenhandel“, zählt Cord Mindermann auf. „Und die Gastwirtschaft Lueßen sowie die Mühle Meyer, die es ja noch heute gibt.“ Feste Institutionen im kleinen Embsen mit kaum 1 000 Einwohnern waren und sind außerdem die Feuerwehr, der Schützenverein und der TSV. „Und wir haben einen von Eltern geführten Kindergarten in der alten Schule und gleich zwei Autohäuser.“

Darüber hinaus verfügt Embsen über einen Ortsvorsteher, eine Besonderheit. Neben dem noch kleineren Bollen bekam das östlich der Autobahn 27 liegende Dorf bei der Gebietsreform den Status „Ortschaft“ zugebilligt, während Baden, Bierden, Uesen und Uphusen zu „Ortsteilen“ von Achim wurden. Damit sei einem Anliegen von Hans Lübben (CDU), dem letzten Bürgermeister der Gemeinde Embsen, Rechnung getragen worden. „Er forderte die Schaffung des Ehrenamts des Ortsvorstehers, um die Dorfbelange besser in der Stadt vertreten zu können“, erklärt Mindermann. Lübben sei dann auch der Erste gewesen, der diese Position bekleidet habe. Ein Posten, für dessen Besetzung die stärkste Fraktion im Ortsausschuss das Vorschlagsrecht hatte und hat, wozu der Stadtrat dann üblicherweise seinen Segen erteilt.

Dorf wird zum Stadtteil.
Dorf wird zum Stadtteil. © -

Später übte Helmut Hüneke diese Funktion aus. „Er hat sehr viel für Embsen bewirkt“, lobt Cord Mindermann seinen verstorbenen Amtsvorgänger, nach dem die Sporthalle im Dorf benannt ist.

Er selbst sei über den heutigen Achimer Bürgermeister Rainer Ditzfeld in die Kommunalpolitik gelangt. „Ich war auf seinen Vorschlag hin zunächst fünf Jahre externes Mitglied des Ortsausschusses Embsen.“ 15 Jahre lang, von 2006 bis 2021, setzte sich Cord Mindermann dann als Ortsvorsteher für sein Heimatdorf ein.

In dieser Zeit gab es Bestrebungen, dass die Embser Brandschützer mit der nur einen Kilometer entfernten großen Achimer Feuerwehr fusionieren. „Das führte zu Unmut bei uns. Viele drohten damit, dann ganz aufzuhören“, schildert Feuerwehrmann Mindermann die damalige Stimmungslage bei den Kameraden. Er selbst sei ebenfalls gegen ein „Untergehen“ in der Achimer Truppe gewesen. Und das Ende vom Klagelied? „Wir haben dann in Embsen ein größeres Feuerwehrhaus bekommen.“

Eine historische Ortsansicht: Embsen um 1970.
Eine historische Ortsansicht: Embsen um 1970. © -

Ein anderes, bis heute andauerndes „Ärgernis“ sei der immer noch auf sich warten lassende Ausbau der löchrigen, holprigen Laheiter Straße. „Der scheitert seit Jahren daran, dass die Anlieger, vorwiegend Landwirte, einen Großteil der Kosten tragen sollen“, erläutert Mindermann. Dort, wie von der Stadt verlangt, einen Regenwasserkanal anzulegen, hält er für überflüssig, „eine Asphaltierung reicht aus“. Die Sanierung der Laheiter Straße wäre aus seiner Sicht „viel eher nötig“ gewesen als der Ausbau des Bierdener Steinwegs. Im Dorf seien viele der Meinung: „Embsen fällt bei Vorhaben im Stadtgebiet hinten runter.“

Gar nicht gefallen habe ihm auch die Idee im Rathaus, an der Ecke Breite Straße / Beekenende /  Specken eine Verkehrsinsel anzulegen. „Das wäre wegen der großen landwirtschaftlichen Fahrzeuge doch gar nicht praktikabel“, sagt Mindermann und freut sich, dass er als Ortsvorsteher das „geplante Hindernis“ verhindert habe. Nichtsdestotrotz stellt er fest: „Der Durchgangsverkehr von und nach Oyten über Specken ist vielen Embsern ein Dorn im Auge.“

Cord Mindermann ist ein Freund der klaren Worte. Bürgermeister Ditzfeld habe das Unternehmen Gasunie, das in Embsen die Gasverdichterstation betreibt, vor Jahren als größten Steuerzahler der Stadt bezeichnet. Reaktion des damaligen Ortsvorstehers: „Dann sollte Achim doch zehn Prozent davon an Embsen geben. Dann würden wir den Straßenbau selbst in die Hand nehmen.“

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