Zwei besondere Sterne am Firmament

Familie Fengels hält Erinnerung an Sternenkinder wach

Als Sterneneltern haben Mirco und Natascha Fengels selbst einen schweren Verlust verkraften müssen. Natascha Fengels unterstützt nun ehrenamtlich andere Betroffene in ihrem Trauerprozess.
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Als Sterneneltern haben Mirco und Natascha Fengels selbst einen schweren Verlust verkraften müssen. Natascha Fengels unterstützt nun ehrenamtlich andere Betroffene in ihrem Trauerprozess.

Achim – Natascha und Mirco Fengels sind Eltern, Eltern eines neunjährigen Jungen namens Taylor und Eltern von zwei Sternenkindern. „Im September 2019 kam unser Luis Mika, nach langem Kampf die Schwangerschaft zu erhalten, in der 19. Schwangerschaftswoche still zur Welt. Nach einem knappen Jahr war ich erneut schwanger, aber unser Anton Paul ist in der 15. Schwangerschaftswoche, nach plötzlichen Wehen, still geboren“, schildert Natascha Fengels. Der Verein Sterneneltern Achim hat dem jungen Paar in dieser schweren Zeit sehr geholfen. „Für mich war schnell klar, dass ich anderen Eltern, in ihrer schweren Zeit, ebenfalls helfen möchte“, sagt Fengels. Die 31-Jährige engagiert sich ehrenamtlich für den im Jahr 2018 gegründeten Verein.

2019 kam Natascha Fengels mit Verdacht auf vorzeitigen Blasensprung lange vor dem Geburtstermin ihres Sohnes Luis Mika ins Krankenhaus. Doch nach drei Wochen waren die Entzündungswerte der Mutter aus ärztlicher Sicht immer noch so besorgniserregend, dass sie der jungen Frau nahe legten, die Geburt vorzeitig einzuleiten. Traurigerweise verlor sie auch ihr zweites Kind während der Schwangerschaft. Dass dieser Krankenhausaufenthalt in die Corona-Zeit fiel, machte es nicht leichter – denn Mirco Fengels durfte wegen der Hygienebeschränkungen nicht einmal zu Besuch kommen.

Schon bei ihrem ersten Sternenkind hatte die Hebamme im Krankenhaus den Eltern Kontaktadressen gegeben, darunter das Trauerland Bremen und die Sterneneltern Achim. „Einen Monat später haben wir Kontakt zur offenen Trauergruppe in Achim aufgenommen. Das Gefühl, dass wir nicht alleine sind, war hilfreich“, erinnert sich Natascha Fengels. Das sieht auch ihr Mann so: „Anfangs habe ich mich zurückgezogen und versucht, die Trauer mit mir auszumachen. Manchmal war ich auch einfach nur wütend. Aber es hat mir sehr geholfen, mit anderen Betroffenen darüber zu reden.“

Männer seien in der Selbsthilfegruppe in der Minderzahl – und wenn welche mitmachen, dann seien es meist die jüngeren Väter. „Ich glaube, das ist eher so ein Generationending“, erklärt Mirco Fengels. Wer trauert, für den sei es schwer, sich nicht von der Erwartungshaltung des sozialen Umfelds beeinflussen zu lassen. „Manche denken, dass man nach zwei Monaten wieder gut drauf sein müsste. Aber Trauer dauert so lange, wie sie eben dauert“, erklärt Mirco Fengels.

Mirco und Natascha Fengels wünschen sich generell mehr gesellschaftliche Akzeptanz und Einfühlungsvermögen beim Thema Sternenkinder und -eltern. „Man will nicht diese Standardsätze hören, nach dem Motto ,Zum Glück seid ihr ja noch jung’“, so Mirco Fengels.

In dieser Hinsicht konnte das Ehepaar auf seine Eltern bauen, die trotz der eigenen Trauer („es gibt da natürlich diese „Oma-und-Opa-Vorstellung“) nach eigenen Angaben eine wichtige Unterstützung waren. „Beim ersten Mal hat mein Vater mich abgeholt und war nur da, er hat mir kein Gespräch aufgezwungen“, erinnert sich Natascha Fengels. „Aber er gab mir das Gefühl, mit meinen Gedanken nicht allein zu sein.“

Am Grab für Sternenkinder auf dem St.-Laurentius-Friedhof hält die Familie die Erinnerung wach an die beiden Kinder, die das Licht der Welt nicht erblicken durften. Wenn sie am Sternengeburtstag oder am errechneten Geburtstermin die Grabstele besuchen, ist auch Sohn Taylor dabei. Den damals Siebenjährigen hat der Tod von Luis Mika sehr getroffen. „Taylor hatte sich sehr auf seinen Bruder gefreut, für ihn ist eine Welt zusammengebrochen“, erzählt Natascha Fengels, „besonders das erste Mal war brutal schwer.“ Geholfen habe es der Familie etwa, den Sarg des Sternenjungen zusammen zu gestalten. „Wir haben ihn beschrieben und beklebt, für das Innenleben haben wir Decke und Kissen genäht“, erzählt die Mutter.

Es sei wichtig, den lebenden Kindern Tod und Trauer nicht zu verheimlichen, wissen die Eltern, die zudem in der ersten Zeit vorsichtshalber eine Kinderpsychologin mit einbezogen hatten. Gemeinsame Gespräche halfen ebenso, den Verlust zu verarbeiten: Einmal haben sie gemeinsam in den Sternenhimmel geschaut und jeweils einen Stern für Luis Mika und Anton Paul ausgesucht. Taylor gehe offen mit dem Verlust um: „Als ein Klassenkamerad den Namen Luis Mika bei Taylor gelesen hat, hat er ihm erklärt: ,Das ist mein Bruder’. Der Schulfreund daraufhin knallhart: ,Du hast doch gar keinen Bruder’. Da hat er gesagt: Doch, ich habe einen, aber der ist im Himmel“, zitiert Mirco Fengels.

Nach einer Zeit in der offenen Gruppe 2019 besuchten die Fengels eine feste Selbsthilfegruppe, die sich aufgrund von Corona zunächst nicht mehr in Präsenz treffen konnte, aber über Zoom weiterlief. Nachdem 2021 zwischenzeitlich wieder Treffen in den Vereinsräumen möglich waren, sind die Sterneneltern im Dezember wieder zurück in den Videokonferenz-Modus gegangen. Derzeit sei aufgrund der Pandemielage unklar, wann sich die Gruppen wieder persönlich begegnen können.

Die Gruppentreffen brauchen die Eltern nun nicht mehr. Aber Natascha Fengels wurde klar, dass sie mehr für die Sterneneltern und damit für andere Betroffene tun möchte. 2021 stieg sie als Praktikantin ein, um in alle Bereiche des Vereins hineinzuschauen, und ist inzwischen festes Mitglied im Team. Mit den anderen Teammitgliedern lässt sie sich zudem von der Vorsitzenden Stefanie Gebers und Jennifer Wilman, beide qualifizierte Dozentinnen für Erwachsenenbildung, zur Trauerbegleiterin ausbilden. „Ich bin froh und stolz, Teil eines so tollen Teams zu sein und hoffe, dass wir vielen betroffenen Eltern helfen können“, betont Natascha Fengels und ergänzt: „Jeder kann jederzeit zu uns kommen. Man muss nicht Mitglied im Verein sein und auch nichts spenden.“

Aus der eigenen Betroffenheit heraus gründeten Eltern 2014 die Selbsthilfegruppe Sterneneltern Achim. 2018 entschieden sich die Gründungsmitglieder um die Vorsitzende Stefanie Gebers, einen Verein eintragen zu lassen. „Seitdem wächst unser Engagement und auch unser Team“, heißt es auf der Internetseite der Sterneneltern. Ziel des Vereins ist es, Betroffenen dabei zu helfen, mit der Trauer umzugehen. Das gilt übrigens auch für Angehörige von Sterneneltern, „denn oft wissen diese Menschen nicht, wie sie mit den Betroffenen umgehen können“. Aufklärungsarbeit in Krankenhäusern und anderen beteiligten Institutionen gehört ebenfalls zum ehrenamtlichen Engagement.

Sterneneltern Achim – gemeinsam gegen den Schmerz

Aus der eigenen Betroffenheit heraus gründeten Eltern 2014 die Selbsthilfegruppe Sterneneltern Achim. 2018 entschieden sich die Gründungsmitglieder um die Vorsitzende Stefanie Gebers, einen Verein eintragen zu lassen. „Seitdem wächst unser Engagement und auch unser Team“, heißt es auf der Internetseite der Sterneneltern. Ziel des Vereins ist es, Betroffenen dabei zu helfen, mit der Trauer umzugehen. Das gilt übrigens auch für Angehörige von Sterneneltern, „denn oft wissen diese Menschen nicht, wie sie mit den Betroffenen umgehen können“. Aufklärungsarbeit in Krankenhäusern und anderen beteiligten Institutionen gehört ebenfalls zum ehrenamtlichen Engagement.

Für die Gruppentreffen ist momentan eine Anmeldung erforderlich, per E-Mail oder Telefon. Dann informiert der Verein, ob das nächste Treffen online oder in Präsenz (in den Vereinsräumen, Pavillonstraße 1 in Achim) stattfindet. Die Selbsthilfegruppe trifft sich jeden ersten Montag im Monat um 19.30 Uhr. Die Gruppe für Folgeschwangere findet derzeit nur online statt, jeden ersten Mittwoch im Monat um 19.30 Uhr.

Kontakt:

04202/7650542 oder info@sternenelternachim.de

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